„Wir sind keine Barbaren“ in Graz: Abgründe hinter gestylter Fassade

Graz (APA) - Was passiert, wenn in die chic eingerichtete Wohnung und in die gemäßigt-überschaubaren Gefühlswelten zweier Paare plötzlich di...

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Graz (APA) - Was passiert, wenn in die chic eingerichtete Wohnung und in die gemäßigt-überschaubaren Gefühlswelten zweier Paare plötzlich die Realität in Form eines Flüchtlings einbricht, zeigt Philipp Löhles Drama „Wir sind keine Barbaren!“. Die Aufführung, die mit viel Witz und Ironie den gar nicht komischen Dingen auf den Grund geht, hatte am Sonntag auf der Probebühne des Grazer Schauspielhauses Premiere.

Vier Personen stehen mitten in ihrem perfekt eingerichteten Leben, haben Berufe wie vegane Köchin oder Fitnesstrainerin und umgeben sich mit elektronischem Spielzeug. Alles könnte ganz friedlich immer gleich weiter gehen, würde da nicht eines Tages ein Flüchtling - der im Stück als Person nie auftaucht - vor der Türe stehen. Eine der Frauen drängt darauf, ihn in ihre Wohnung aufzunehmen, und plötzlich sind alle vier mit ihren mehr oder weniger versteckten Vorurteilen, Abneigungen und Ängsten konfrontiert. Der Ehemann fühlt sich hilflos, weil seiner Frau der Flüchtling so wichtig zu sein scheint, die Nachbarn sind skeptisch und versuchen das zunächst noch zu verbergen. Als die Situation schließlich eskaliert, bleibt nichts übrig von der toleranten Haltung oder dem Mitgefühl.

Regisseurin Christine Eder setzt den Text mit viel Humor um, wobei einem das Lachen zunehmend im Hals stecken bleibt. Die Spielfläche (Monika Rovan) wird von riesigen Buchstaben „Home, sweet home“ begrenzt und verweist schon auf die Ironie des Geschehens. Ein Chor verstärkt die ablehnende Haltung gegenüber allem Unbekannten, und zuletzt bleibt mehr als ein Opfer auf der Strecke. Seyneb Saleh als einzige, die Mitleid mit dem Hilfesuchenden hat, zeigt eine Frau zwischen unerfüllter Sehnsucht und Trotz, die aus ihrer faden Ehe ganz gern einmal ausbrechen möchte. Christoph Rothenbuchner ist ihr mit der Situation überforderter Ehemann, der nur möchte, dass alles bleibt, wie es ist. Steffi Krautz als resolute Fitnesstrainerin und Florian Köhler als ihr netter, aber ziemlich schwacher Partner komplettieren das sehr präsente Quartett.

(S E R V I C E - „Wir sind keine Barbaren!“ von Philipp Löhle auf der Probebühne des Grazer Schauspielhauses. Regie: Christine Eder, Bühne und Kostüme: Monika Rovan. Mit: Steffi Krautz, Florian Köhler, Seyneb Saleh, Christoph Rothenbuchner. Nächste Vorstellungen: 8., 22. und 29. Oktober, 3. und 10. November 2014. Karten unter Tel. 0316/8000 oder mailto@theater-graz.com. www.schauspielhaus-graz.com)

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