Familiensynode - „Krieg der Theologen“ über Wiederverheiratete

Vatikanstadt (KAP) - Eines scheint wenige Tage vor Beginn der Familiensynode im Vatikan schon klar sein: Der Wunsch des Papstes nach einer o...

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Vatikanstadt (KAP) - Eines scheint wenige Tage vor Beginn der Familiensynode im Vatikan schon klar sein: Der Wunsch des Papstes nach einer offenen Debatte über die heißen Eisen in der kirchlichen Familienlehre dürfte in Erfüllung gehen. Die Gegner einer Reform im kirchlichen Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen haben sich im Kardinalskollegium in Stellung gebracht, ein „Krieg der Theologen“ zeichnet sich ab.

Unmittelbare Zielscheibe ist vor allem der Vorschlag von Kardinal Walter Kasper für eine behutsame Änderung der bisherigen Praxis. Kasper hatte am 21. Februar auf Einladung des Papstes vor dem Konsistorium über das Thema der nächsten Bischofssynode - die Familie - gesprochen und dabei vor allem Fragen gestellt. Mit Blick auf einen Kommunionempfang für wiederverheiratete Geschiedene bekräftigte er das Prinzip der Unauflöslichkeit der Ehe und lehnte eine zweite Ehe ab, solange der erste Partner noch lebt, regte aber auch zu einem Nachdenken über bestimmte Einzelfälle an.

Die kirchliche Position sei laut Kasper etwa zu überdenken, wo Menschen nach einer Ehe ihr Scheitern erkannt hätten, wenn sie sich bekehrten, keine Verpflichtungen mehr aus der früheren Verbindung hätten, wohl aber aus der neuen, und wenn sie sich ernsthaft nach der Eucharistie sehnten. Das betreffe keinesfalls die Masse der Geschiedenen und zivil Wiederverheirateten, sondern allenfalls einen kleinen Teil, so Kasper.

Schon in der Synodenaula ergab sich eine kontroverse Diskussion, denn während der Papst den Vortrag ausdrücklich lobte und etliche Bischöfe sich ihm anschlossen, äußerten andere Teilnehmer Kritik, sodass italienische Medien gar einen „Krieg der Theologen“ für die bevorstehende Bischofsversammlung orakelten. Der eigentliche Adressat der Kritik, so ist in Rom zu hören, sei freilich häufig letztlich Papst Franziskus selbst, dessen Kurs manchen Kardinälen missfalle.

Geschürt wurde die Debatte in Italien aktuell vor allem durch ein am 1. Oktober erscheinendes Buch, das Aufsätze von fünf Kardinälen enthält, die an anderer Stelle schon vor Monaten publiziert worden waren. Die Autoren sind der Präfekt der vatikanischen Glaubenskongregation, Gerhard Ludwig Müller, sowie Walter Brandmüller, Raymond Leo Burke, Carlo Caffarra und Velasio De Paolis. Inhaltlich geht es hier vor allem um ein Festhalten am Ausschluss von wiederverheirateten Geschiedenen vom Kommunionempfang.

So betonte etwa Bolognas Kardinal Caffarra, es dürfe bei der Ehe keine Entscheidungen von Fall zu Fall geben, da sie einer Segnung der Scheidung gleichkämen. Barmherzigkeit dürfe nicht mit „Heuchelei“ verwechselt werden, meinte er. Präfekt Müller erklärte, er sehe keinen Spielraum für Änderungen im kirchlichen Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen. Eine Zulassung zur Kommunion sei nicht möglich, weil sie dem Dogma von der absoluten Unauflöslichkeit der Ehe widerspreche. Zugleich wandte er ein, dass möglicherweise viele Ehen ungültig seien, weil sich die Eheleute zum Zeitpunkt der Trauung nicht über deren lebenslang bindende Bedeutung bewusst gewesen seien.

Daraufhin wandte sich Kardinal Kasper an die Öffentlichkeit und gab in Italien rund ein halbes Dutzend Interviews, in denen er die Fixierung auf die wiederverheirateten Geschiedenen beklagte. Es könne nicht sein, dass jemand schon vor Beginn der Synode sage, „was geht und was nicht geht“, sagte Kasper Radio Vatikan. Nachsatz: Sein Vorschlag sei mit dem Papst schon vorher abgestimmt gewesen.

Unterdessen meldeten sich auch die Kardinäle Angelo Scola und De Paolis zu Wort. Scola sagte der italienischen Tageszeitung „La Stampa“ man solle die Ehenichtigkeitsverfahren vereinfachen statt wiederverheiratete Geschiedene zur Kommunion zuzulassen. De Paolis verwehrte sich im Gespräch mit „La Repubblica“ gegen die Behauptung, die Gegner einer Änderung der kirchlichen Haltung hätten sich zu einem Komplott zusammengeschlossen.

Dazu, dass die Debatte während der Weltbischofssynode unvermindert fortgesetzt werden kann, dürfte auch deren veränderter Ablauf beitragen. Wie Kardinal Lorenzo Baldisseri in den vergangenen Tagen mitteilte, müssen die Teilnehmer frei sprechen. Sie sollen ihre vorher in schriftlicher Form eingesandte Stellungnahme nicht wie früher verlesen, sondern in einem freien Vortrag zusammenfassen und ergänzen. Das lässt Spielraum für spontane Reaktionen, auch wenn die Sprechzeit im Plenum nur vier Minuten beträgt.


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