Tiroler Bergführer nach Tod von Tourengast schuldig gesprochen

Der Bergführer ließ einen Schweizer Tourengast alleine zurückkehren und absteigen, wodurch es zum tödlichen Absturz gekommen war. Der Tiroler wurde zu zwei Monaten bedingter Haft verurteilt, das Urteil ist nicht rechtskräftig.

  • Artikel
(Symbolfoto)
© Shutterstock

Innsbruck – Wegen des Vergehens der fahrlässigen Tötung ist ein Tiroler Bergführer am Dienstag am Landesgericht Innsbruck zu einer Freiheitsstrafe von zwei Monaten, die bedingt nachgesehen wurde, verurteilt worden. Ein deutscher Tourengast des Bergführers kehrte auf dem Piz Bernina in der Schweiz im Juli des vergangenen Jahres alleine um und wollte absteigen, dabei stürzte er ab und kam ums Leben.

Abstieg ohne Seil

Das Urteil war vorerst nicht rechtskräftig. Die Staatsanwaltschaft hatte dem Tiroler vorgeworfen, den Tod des Deutschen herbeigeführt zu haben, indem er zuließ, dass der Tourengast, trotz Krämpfen in den Oberschenkeln, Problemen mit der Höhe sowie ohne ein für den Abstieg erforderliches Seil und ohne Abseilgerät, alleine umkehrte und abstieg. Der Angeklagte bekannte sich vor Richter Norbert Hofer schuldig.

„Sie haben damals eine ziemlich ungünstige Situation erfahren - ideale Verhältnisse, motivierte Gäste, die sich aber nicht kannten und einen Gast, der sich selbst überschätzte“, sagte Hofer in Richtung des Angeklagten. Es gebe keine Hinweise darauf, dass die Krämpfe, oder die Probleme mit der Höhe, kausal für den Unfall gewesen seien. „Kausal war wahrscheinlich, dass er kein Seil dabei hatte“, sagte der Richter.

Sorgfältige Planung

Ein Zeuge, der damals bei der Tour mitging, berichtete jedoch, dass der Verunglückte gegenüber dem Bergführer behauptet habe, ein Seil dabei zu haben. „Er hat gesagt, er schafft den Weg alleine. Er hat regelrecht darauf gedrängt, dass wir die Tour weiter gehen sollen und er alleine absteigt“, sagte der Zeuge.

Der angeklagte Bergführer habe die Tour sehr gut geplant und eine überdurchschnittlich hohe Sorgfalt angewandt, meinte der Gutachter Paul Mair vor Gericht. Auch sicherungstechnisch habe er die Situation sehr gut eingeschätzt. „Doch selbst wenn der Gast ein Seil mitgehabt hätte, hätte er ihn nicht alleine zurückgehen lassen dürfen“, fügte der Gutachter hinzu.


Schlagworte