Neues Album: Tokio Hotel kehren mit sanften Tönen zurück

Als gefeierte Teeniestars sind sie aus Deutschland geflüchtet, nach einigen Jahren Selbstfindung kehren Tokio Hotel mit einem neuen Album in die alte Heimat zurück. Auf „Kings of Suburbia“ überrascht die Band mit ungewöhnlichen Tönen.

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Von Claudia Thaler, dpa

Hamburg – Als Teenieband brachen sie Rekorde, mit 16 standen sie an der Spitze der Charts. Ihre weiblichen Fans vergötterten Tokio Hotel; fast jeder ihrer Schritte wurde von Fans und Medien verfolgt. „In Deutschland konnten wir nicht raus, konnten gar nichts machen“, sagt Sänger Bill im dpa-Interview. Kreischende Fans warteten stundenlang vor ihrer Tür, einmal wurde in ihrem Haus bei Hamburg eingebrochen.

Das ganz normale Leben leben

Schließlich wagten die beiden Frontmänner einen großen Schritt: 2010 brachen Bill und Tom Kaulitz auf in die USA - und nahmen sich eine Auszeit vom Druck der Plattenfirma und von den Fans. „Wir wollten erstmal unser Privatleben auf die Reihe kriegen“, sagt Bill. Dass die Jungs kein neues Album mehr „rauswerfen“ wollten, mussten alle damals einfach akzeptieren. „Man kann uns ja auch nicht dazu zwingen“, sagt Tom.

In Los Angeles blühten die beiden 25-Jährigen, die heute mehr Männer als Teenies sind, richtig auf, konnten das erste Mal wieder Freiheit genießen. Anonym und unbeobachtet feierten sie, stürzten ab, lebten das erste Mal wie andere junge Menschen um die 20. Dem roten Teppich in L.A. sagten die Zwillinge ebenso ab wie dem Starrummel in Deutschland. Lieber gingen sie zu Festivals in den USA, lernten Menschen in ihrem Alter kennen, von denen sie nicht ständig auf ihren Star-Status angesprochen wurden. In einem Tonstudio komponierten die beiden ohne Druck und arbeiteten an ihren neuen Liedern, „weil wir wollten, nicht weil wir mussten“.

Mit der Freiheit kam die Inspiration

Ihre beiden Band-Kollegen Gustav und Georg blieben in Magdeburg, dem Ursprung von Tokio Hotel. Georg reiste nach Ibiza und nach Paris, fuhr das erste Mal ganz unbemerkt mit der U-Bahn durch die Stadt. „Schon 15 Mal bin ich in Paris gewesen, die Stadt habe ich noch nie gesehen“, sagt der 27-Jährige. Bill und Tom sieht er in diesen Jahren hauptsächlich über Skype. Nur manchmal treffen sich alle Bandmitglieder in den USA und machen mal ganz leise, mal ganz laut Musik. „Mit der Freiheit ist die Inspiration gekommen“, sagt Bill heute. Und mit der Inspiration ein neues Album: „Kings of Suburbia“, das am Freitag erscheint, soll nun den weltweiten Markt erobern.

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Von der sanften Ballade „Run,Run,Run“ mit Klavierbegleitung von Tom und der gefühlsgeladenen Stimme von Bill bis hin zu „Love Who Loves You Back“, einem ruhigen Elektrohit: Die elf Lieder des neuen Albums erinnern so gar nicht an die punkigen und lauten Anfangszeiten von „Durch den Monsun“ oder „Schrei“. Und Bill ist sich mit der Strategie des neuen Albums sicher, nicht nur die kreischenden Fans von damals zu überzeugen: „Unsere Zielgruppe sind Leute mit gutem Musikgeschmack“. Genauso wie auch die Bandmitglieder selbst, sind die neuen Lieder nicht mehr so rotzig und provozierend, sondern auch reifer, ruhiger und erwachsener.

Welt-Tournee geplant

Eine weltweite Tour ist für 2015 schon in Planung - von Frankreich, Italien, Russland bis nach Australien will die Band ihr neues Werk „Kings of Suburbia“ vorstellen. Startschuss ist aber dennoch in der alten Heimat, bei den kreischenden deutschen Fans von damals. Seit ihrem Erfolg mit 16 Jahren hat sich jedoch auch einiges verändert: „Als wir bekannt wurden, gab es noch kein Facebook, Twitter oder Instagram,“ erinnert sich Bill. Am 4. Oktober wollen Tokio Hotel bei einer der letzten Ausgaben von „Wetten, dass..?“ in Erfurt zeigen, dass sie als ehemalige Teenieband wieder die Spitze der deutschen Charts erreichen können. (APA/dpa)


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