Dirigent des Jahres: Kirill Petrenko, Held von München und Bayreuth

München (APA/dpa) - Am Ende des denkwürdigen Konzertabends war es wie immer, wenn Kirill Petrenko am Pult seines Bayerischen Staatsorchester...

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München (APA/dpa) - Am Ende des denkwürdigen Konzertabends war es wie immer, wenn Kirill Petrenko am Pult seines Bayerischen Staatsorchesters steht: Das Publikum im Nationaltheater tobt nach dem Ersten Akademiekonzert der neuen Saison mit der monströsen 6. Symphonie von Gustav Mahler („Die Tragische“) vor Begeisterung - und der schweißgebadete Dirigent scheint sich zwischen den Musikern verstecken zu wollen.

Er muss da schon gewusst haben, dass er von der Zeitschrift „Opernwelt“ zum Dirigent des Jahres gekürt wird, sein Orchester zum Orchester des Jahres und die Staatsoper zum Opernhaus des Jahres. Und natürlich wollte Petrenko die hohen Erwartungen nicht enttäuschen.

Wie eine Urgewalt ließ er die Symphonie mit dem berühmt-berüchtigten finalen Hammerschlag über die atemlos zuhörenden Zuhörer hereinbrechen. Mal zackig taktierend wie ein Feldherr, mal wie ein Derwisch, der aus seinen Musikern noch das allerletzte herauszuholen entschlossen war.

Der Konzertabend ist ein weiterer Beweis dafür, dass der Erfolg der Münchner Oper bei der Kritikerumfrage vor allem auf Petrenkos Kappe geht. Die Kritiker stimmen damit ein in den Jubelsturm, der Petrenko nach seinen Aufführungen in München ebenso begleitet wie im Festspielhaus von Bayreuth, wo er in diesem Jahr wieder den „Ring des Nibelungen“ dirigierte. In seinem zweiten Jahr war der 42-Jährige Petrenko damit schon eine feste Größe, ein Fels in der Brandung im Festspiel-Zirkus. Denn bei Petrenko scheinen sich alle einig: Der Mann ist eine musikalische Ausnahmeerscheinung.

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Petrenko wurde 1972 in Sibirien geboren, war Kapellmeister an der Wiener Volksoper, Generalmusikdirektor der Staatsoper Meiningen und der Komischen Oper in Berlin. Was diejenigen, die mit ihm arbeiten, am meisten fasziniert, sind seine Präzision und sein unermüdlicher Fleiß. „Er ist immer dabei, zu lernen und auch sich selbst zu hinterfragen“, sagt zum Beispiel der Bayreuther „Siegfried“-Tenor Lance Ryan. „Er überlegt und sagt nicht mit einem Riesen-Ego: So ist es. Das ist sehr klug von ihm.“ Ryans Urteil über den russischen Star: „Er kann es einfach.“

Petrenko selbst spricht in der Öffentlichkeit nicht mehr über seine Arbeit. Er habe einen „sehr warmen Eindruck“ von dem Haus bekommen, sagte er kurz vor seinem Amtsantritt als Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper in München. „Für mich als Musiker finde ich hier die besten Voraussetzungen, mich der Kunst zuzuwenden.“ Seither aber schweigt er weitgehend, lehnt Interviewanfragen und Fototermine kategorisch ab. „Man wird hier vom Publikum getragen, das baut einen nach jeder Vorstellung auf“, sagte er zuletzt bei der Präsentation des Spielzeitprogramms im März.

Trotzdem - oder gerade deshalb - avancierte in der bayerischen Landeshauptstadt, die ihre Dirigenten traditionell sehr verehrt, kaum jemand so schnell zum Publikumsliebling wie Petrenko. Die „Frau ohne Schatten“ von Richard Strauss bescherte ihm einen gefeierten Einstand, mit einer „Tosca“-Wiederaufnahme stärkte er seine Stellung als Publikumsliebling. Die Neuproduktion von Bernd Alois Zimmermanns Oper „Die Soldaten“ von Petrenko und Regisseur Andreas Kriegenburg und Petrenkos ist schon jetzt legendär.

„Kirill Petrenko gibt dem Haus ein musikalisch-geistiges Zentrum“, sagt Opernintendant Nikolaus Bachler, der mit Petrenko seinen absoluten Wunschkandidaten nach München holte.


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