Prozess im Fall Nadina auf November vertagt

Der Prozess gegen einen Anästhesisten im Fall Nadina wurde heute für weitere Zeugenaussagen vertagt. Die nächste Verhandlung wird voraussichtlich am 18. November statt finden.

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Innsbruck – Der Prozess gegen einen 56-jährigen Anästhesisten im Fall eines nach einer Leistenoperation an der Innsbrucker Klinik im Jahr 2008 schwerstbehinderten Mädchens ist am Mittwoch am Landesgericht Innsbruck vertagt worden. Zwei Zeugen waren zu ihrer Einvernahme nicht erschienen. Die nächste Verhandlung wird voraussichtlich am 18. November statt finden.

Am dritten Prozesstag wurden mehrere Ärzte und Kollegen des Angeklagten als Zeugen einvernommen. Im Mittelpunkt stand die Befragung des geschäftsführenden Oberarztes. Dieser hatte in den vergangenen Jahren mehrere E-Mails, die teilweise Bezug auf den Fall Nadina nahmen, an die ärztliche Direktion geschrieben. Darin erklärte er unter anderem, dass der Angeklagte Druck auf ihn ausgeübt habe und dass der Beschuldigte mehrfach in fragwürdige Qualitätsprobleme verwickelt gewesen sei. Auf Vorhalt dieser E-Mails durch den Privatbeteiligtenvertreter Thomas Juen entkräftete der Zeuge diese Vorwürfe jedoch teilweise. „Bei den angesprochenen Fällen, handelt es sich durchwegs um nicht strafrechtlich relevante Fälle“, betonte der geschäftsführende Oberarzt. Außerdem räumte er „Kommunikationsprobleme“ zwischen ihm selbst und dem Angeklagten ein.

Dokumentationslücke bei Nadinas Werten

Darüber hinaus gab der geschäftsführende Oberarzt zu bedenken, dass ein Puls-Oximeter, wie es zur Überwachung von Nadina verwendet wurde, eine zerebrale Hypoxie, die laut Gutachten die Behinderung des Mädchens ausgelöst habe, überhaupt nicht zeigen würde. Der einzige Fehler, den er im Verhalten des Angeklagten sehe, sei, dass der Anästhesist bei der Übergabe Nadinas an die Kinderintensivstation nicht genügend Nachdruck verliehen habe, der Diagnostik eines ersten fraglichen Krampfanfalls nachzugehen, meinte der Zeuge.

Erneut war auch eine Dokumentationslücke bei Nadinas Werten von rund 30 Minuten nach der Operation Thema bei am dritten Prozesstag. Selbst wenn man keine Zeit gehabt hätte, die Werte aufzuschreiben, wären diese doch ohnehin automatisch im Überwachungsgerät gespeichert worden, meinte der während der Verhandlung anwesende Gutachter Gernot Pauser. Die Geräte in Innsbruck hätten diese Funktion jedoch nicht, entgegnete eine als Zeugin geladene Anästhesistin. Pauser äußerte daraufhin scharfe Kritik an den Strukturen an der Innsbrucker Universitätsklinik.

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Nadina war am 4. Jänner 2008 im Alter von sechs Wochen am Landeskrankenhaus Innsbruck operiert worden. Bei der Behandlung kam es zu Komplikationen, die mit einem massiven Gehirnschaden des Kindes endeten. Das Mädchen leidet laut dem Anwalt der Familie unter anderem an tief greifenden Entwicklungs- und komplexen Wahrnehmungsstörungen, einer zerebralen Sehstörung und einer schweren Epilepsie mit therapieresistenten Krampfanfällen. (APA)


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