Manager der Kaserne in Pension

Er war bei den Katastrophen 1999 und 2005 an vorderster Front. „Kasernenmanager“ Hubert Niederbacher geht in Pension.

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© Matthias Reichle

Von Matthias Reichle

Landeck –Seine Verabschiedung und die Gerüchte um die Schließung „seiner“ Kaserne fielen fast auf den gleichen Tag. Am 1. Oktober 1973 – vor 41 Jahren – rückte Hubert Niederbacher in die Pontlatz-Kaserne Landeck ein, 22 Jahre zog er als Kommandant der Betriebsstaffel die Fäden. Seit dieser Woche ist er nun Pensionist.

Mehrere tausend Rekruten haben unter seiner Führung den Präsenzdienst geleistet. „Für mich waren das immer Mitarbeiter“, erzählt er. Geprägt haben ihn dabei schlechte Erfahrungen, als er selbst wegen einer Bagatelle am Wochenende nicht Heim zur Frau und dem neugeborenen Sohn durfte. „Ich hab’ hinter dem Kasernenzaun geplärrt wie ein Schlosshund. So wollte ich mit Leuten nicht umgehen.“

In seiner Zeit fielen die großen Katastrophen – wie ’99 das Lawinenunglück von Galtür, als die Kaserne Drehscheibe der Blaulichtorganisationen und der Weltpresse wurde. Die Küche und ihr Leiter Josef Stenico haben da an einem Tag bis zu 3000 Menschen verköstigt. 2005 hat Niederbacher, ohne Befehle aus Innsbruck abzuwarten, im Sinne der Menschlichkeit selbst entschieden und 50 „Hochwasser-Flüchtlingen“ die Tore geöffnet. „Ich bin nicht der Soldat, wie man sich ihn vielleicht vorstellt“, zieht er Bilanz. Die Waffe, kämpfen – das war nicht das Seine. Für viele war er aber der heimliche Kasernenkommandant. Er setzte sich für die Öffnung des Geländes für Vereine und Rettungsorganisationen ein. Gleichzeitig hat er auch immer kräftig für die Erhaltung der Kaserne gekämpft – und dabei kein Blatt vor den Mund genommen, sich als Vizeleutnant auch nicht vor dem Verteidigungsminister gefürchtet. Dass vielleicht auch sein Arbeitsplatz bald „in Pension“ geht – das erfuhr er aus der Presse.


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