Ein Bildhauer, der auch sportlich einiges draufhat

Gottfried Ferchl belegte beim Berlin-Marathon in der Rollstuhlklasse Rang sieben. Privat hat sich der Stubaitaler der Kunst verschrieben.

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Von Tobias Waidhofer

Neustift –Als 1993 der London-Marathon über den Fernsehbildschirm flimmerte, blickte auch ein gewisser Gottfried Ferchl genau hin. „Da hab ich zum ersten Mal einen Rennrollstuhlfahrer gesehen“, erinnert sich der 44-Jährige, der sich damals im Rehazentrum Bad Häring gerade in die Normalität zurückkämpfte. Nach einem Motorradunfall hatte die Diagnose Querschnittlähmung gelautet.

Es war dann vor allem der Sport, der Ferchl half, Frieden mit seiner neuen Lebensituation zu schließen. „Nach der TV-Übertragung wusste ich: Das will ich auch machen“, erinnert sich der Tiroler, der vor seinem Unfall nicht viel mit Leistungssport am Hut hatte. „Ich war eher der Typ Breitensportler“, lächelt Ferchl und erinnert sich an schwierige Phasen. „Am Anfang war die Diagnose natürlich eine Watschn. Aber der Sport hat mir sehr geholfen. Man sieht, was man alles erreichen kann. Das motiviert sehr“, weiß der Neustifter.

Auch die ersten Erfolge ließen nicht lange auf sich warten: Als Profi holte er EM-Bronze im Halbmarathon, gewann Staatsmeisterschaften und nahm an den Paralympics 2000 in Sydney teil. Weil er sich beruflich veränderte – Ferchl arbeitet inzwischen als freischaffender Bildhauer – verabschiedete er sich vom Profizirkus. Die Kunst hat den Sport sozusagen überholt.

Sportlich konzentriert sich Ferchl inzwischen auf Staatsmeisterschaften und ausgewählte Marathons. Und das mit Erfolg: Beim Berlin-Marathon belegte er jüngst – als einziger österreichischer Starter – Rang sieben in der Rollstuhlklasse (1:43:01 Std.), bei den Staatsmeisterschaften zuvor krallte er sich die Titel über 200, 400, 800 und 1500 Meter. Dass solche Leistungen nicht von ungefähr kommen, ist klar. Täglich trainiert Ferchl „zwei bis vier Stunden“. Seine Ehefrau Annemarie unterstützt ihren Mann, wo sie kann. Meistens ist sie sogar als Betreuerin mit von der Partie. „Sie steht voll hinter mir. Anders würde es gar nicht gehen.“ Frei nach der Picasso-Weisheit: Hinter jedem starken Mann steht eine starke Frau. „Manchmal würde sie sicher gern etwas anderes machen, wenn ich trainiere. Aber von nichts kommt nichts.“ Ferchl weiß, wovon er spricht: Da genügt ein Blick auf seine Lebensgeschichte.


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