Saudi-Arabien wappnet sich für die Hajj-Pilger

Mekka/Kairo (dpa) - Wenn Nahid Salih an ihre bevorstehende Reise nach Mekka denkt, dann ist da keine Angst. „Gott wird seine schützende Hand...

  • Artikel
  • Diskussion

Mekka/Kairo (dpa) - Wenn Nahid Salih an ihre bevorstehende Reise nach Mekka denkt, dann ist da keine Angst. „Gott wird seine schützende Hand über uns halten“, sagt die 43-jährige Frau aus Kairo. Von Donnerstag an will sie mit ihrem Mann die Hajj (Haj/Hadj/Hadsch) vollziehen, die islamische Wallfahrt. „Es ist der Traum eines jeden Muslim“, sagt Nahid.

Doch die Wallfahrt steht in diesem Jahr unter dem Eindruck konkreter Bedrohungen - das saudische Königreich ist alarmiert. Das Coronavirus MERS und auch der Ebola-Erreger könnten durch Pilger ins Land kommen und sich in dem Schmelztiegel der Millionen Muslime aus aller Welt verbreiten. Und mit dem Erstarken der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) ist auch der globale Jihad bedrohlicher als je zuvor.

Die Hajj ist eine der fünf Glaubenssäulen des Islams. Jeder fromme Muslim, der gesund ist und es sich leisten kann, sollte einmal im Leben nach Mekka pilgern. Dort umrunden die Gläubigen den Kaaba-Quader in der Heiligen Moschee und beten auf dem Berg Arafat nahe Mekka. Zum Eid al-Adha am Samstag, dem Opferfest, schlachten die Gläubigen ein Tier, um an die Bereitschaft Ibrahims (Abrahams) zu erinnern, einen seiner Söhne zu opfern, um Gott seinen Glauben zu beweisen.

Nahid hatte sich schon mehrfach beworben, nun hat sie ein Visum erhalten. Denn das saudische Königreich bestimmt, wer zur Hajj darf. Bis zu einem Drittel der Pilger kommt aus Saudi-Arabien, Muslime aus anderen Ländern werden anteilig der Größe ihrer Heimat aufgeteilt. Bis 2012 war die Zahl der Pilger auf über drei Millionen angestiegen. Doch aus Furcht vor der Ausbreitung des MERS-Virus kamen im vergangenen Jahr nur knapp zwei Millionen Pilger nach Mekka. Für dieses Jahr erwartet das Königreich dennoch einen erneuten Anstieg. 1.388.246 ausländische Wallfahrer waren nach Angaben der saudi-arabischen Behörden bereits bis zum Mittwoch im Land eingetroffen, rund eine Million saudi-arabische Pilger dürften hinzukommen.

150 x Jahres-Vignette 2022 zu gewinnen

TT-ePaper gratis ausprobieren, der Gratiszeitraum endet nach 4 Wochen automatisch.

Das Gesundheitsministerium hat Checkpoints an den Einreisezentren im Land errichtet. Alle Einreisenden werden kontrolliert und müssen eine Meningitis-Impfung nachweisen. Aufgrund der Ebola-Epidemie in Westafrika wird in diesem Jahr Pilgern aus Sierra Leone, Guinea und Liberia die Einreise verweigert.

MERS steht für Middle East Respiratory Syndrome, eine Erkrankung der Atemwege, die vor allem im Nahen Osten grassiert. Seit das Virus 2012 zum ersten Mal identifiziert wurde, sind nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bis Juni diesen Jahres mehr als 700 Menschen erkrankt und mehr als 200 gestorben.

Noch weitaus schlimmer ist der jüngste Ebola-Ausbruch in Westafrika. Seit der ersten Ansteckung vor gut einem halben Jahr starben nach WHO-Angaben bisher über 3.000 Menschen an der Seuche, 6.000 sind in Westafrika infiziert. Am Dienstag war der erste Fall in den USA bekannt geworden.

Auch gegen mögliche Terrorakte wappnet sich Saudi-Arabien. Die Zivilschutzbehörde gab an, ihre Rettungskräfte gesondert geschult zu haben. Mehr als 450 Einsatzzentren würden in und um Mekka errichtet, um die Wallfahrt zu überwachen. Zwar gibt die Behörde an, es handle sich um Routinekräfte, die für Massenpaniken oder Feuer bereitstünden - dennoch bleibt die Gefahr von Terroranschlägen im Hinterkopf.

Anfang vergangener Woche hatte IS-Sprecher Mohammed al-Adnani die Saudis in einer im Internet veröffentlichten Audiobotschaft als Werkzeug des von den USA initiierten „Kreuzzuges gegen den Islam“ bezeichnet. Auch andere arabische Staaten kritisierte Al-Adnani für ihre Teilnahme an der internationalen Anti-IS-Koalition. Alle Jihadisten seien daher dazu aufgerufen, gegen jeden Alliierten Amerikas jederzeit vorzugehen. In Mekka kommen dieser Tage Hunderttausende Bürger dieser alliierten arabischen Staaten zusammen.


Kommentieren