Deutsche Krebsforscher: Weiter Weg zu Stammzell-Therapie

Heidelberg (APA) - Auch wenn Patienten mit bösartigen Erkrankungen zu Beginn einer medikamentösen Behandlung gut ansprechen oder der Krebs n...

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Heidelberg (APA) - Auch wenn Patienten mit bösartigen Erkrankungen zu Beginn einer medikamentösen Behandlung gut ansprechen oder der Krebs nach Entfernung des Tumors beseitigt erscheint, oft kommt es zu einem Rückfall. Zurück gebliebene Krebs-Stammzellen sind die Ursache. Ohne deren Beseitigung dürfte es laut einem Symposium des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) keinen endgültigen Erfolg geben.

In Heidelberg diskutierten in den vergangenen Tagen am DKFZ rund 400 Experten aus aller Welt die neuesten Entwicklungen beim fünften Symposium über Krebs- und Stammzellforschung der Einrichtung. Es ging darum, wie Krebs-Stammzellen Tumoren aufrechterhalten und Metastasen auslösen und wie sie mit ihrer direkten Umgebung, der sogenannten Stammzellnische, interagieren.

Krebsstammzellen gelten als die gefährlichsten Zellen in einem Tumor: Nicht nur, dass aus ihnen der Tumor hervorgeht, sie sorgen auch ständig für Nachschub an Krebszellen und erhalten ihn so am Leben. Ihre direkten Abkömmlinge sind es vermutlich auch, die den Tumor verlassen und an anderer Stelle im Körper die gefürchteten Metastasen bilden. Unglücklicherweise sind ausgerechnet diese Zellen relativ unempfindlich gegenüber herkömmlichen Chemo- oder Strahlentherapien. Deshalb stehen sie im Verdacht, für das Wiederauftreten von Tumoren nach scheinbar erfolgreicher Therapie verantwortlich zu sein.

„Wir sind davon überzeugt, dass wir den Krebs nur besiegen können, wenn es uns gelingt, ihn an seiner Wurzel zu packen und die Krebsstammzellen zu vernichten“, sagte Otmar Wiestler, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Krebsforschungszentrums. Andreas Trumpp, Leiter der Abteilung Stammzellen und Krebs im DKFZ, und sein Team haben seit kurzem auch die Zellen der sogenannten Stammzellnische im Visier: „Die Nischenzellen umgeben die Krebsstammzellen und unterstützen sie bei ihrer fatalen Aufgabe. Es ist daher unbedingt notwendig, für Therapieansätze auch diese Zellen im Auge zu behalten.“

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Ein erster Erfolg auf dem Weg zur gezielten Blockade von Hirntumorstammzellen ist dem Forscherteam um Haikun Liu vom DKFZ gelungen. Sie identifizierten in Krebs-Stammzellen von Hirntumoren das Protein TLX. Blockierten sie dieses Protein bei krebskranken Mäusen, verloren die Krebsstammzellen ihre Fähigkeit zur Selbsterneuerung, die Tiere überlebten länger.

„Hochaggressive Glioblastome beim Menschen ähneln den untersuchten Hirntumoren bei Mäusen. Wir haben das Protein TLX auch in den menschlichen Krebsstammzellen entdeckt. Mit diesem Protein haben wir eine neue Zielstruktur, über die wir die Wurzel des Übels, die Krebsstammzellen, treffen können. Deshalb hoffen wir, dass wir auch beim Menschen das Wachstum aggressiver Hirntumoren eindämmen können“, sagte Liu.

John Dick von der Universität in Toronto gilt als der Entdecker der Krebsstammzellen. Er berichtete über die beunruhigende Erkenntnis, dass vermutlich jeder Mensch Vorstufen von Krebsstammzellen in sich trägt. Solche „prä-leukämischen“ Stammzellen fanden die kanadischen Forscher im Knochenmark von gesunden Probanden.


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