Deutsche Volks- und Raiffeisenbanken stoppen „Quick“

Frankfurt (APA/Reuters) - Den meisten Volks- und Raiffeisenbank-Kunden in Deutschland wird nichts auffallen, wenn sie ihre neue Girokarte in...

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Frankfurt (APA/Reuters) - Den meisten Volks- und Raiffeisenbank-Kunden in Deutschland wird nichts auffallen, wenn sie ihre neue Girokarte in Händen halten. Denn nur jeder 133. deutsche Bankkunde nutzt die Geldkarten-Funktion des Plastikgeldes, die in Österreich „Quick“ heißt. Seit Mittwoch fehlt diese auf neuen Karten, soweit sie von Genossenschaftsbanken ausgegeben werden.

Binnen vier Jahren, wenn alle 26,5 Millionen Karten der Volksbanken ausgetauscht sind, droht das Bezahlen mit einer vorher aufgeladenen Geldkarte damit endgültig an Bedeutung zu verlieren. „Wir verabschieden uns vom System Geldkarte“, bestätigt ein Sprecher des Genossenschaftsbankenverbands BVR.

Bei ihrer Einführung vor 18 Jahren sollte die „Geldkarte“ nach den Vorstellungen der Branche dafür sorgen, dass Parkhaus-, Fahrschein- und Zigaretten-Automaten und Supermarkt-Kassen nicht länger zu Groschengräbern würden. Einfach die Geldkarte in den Automaten stecken, statt mühsam nach Kleingeld zu suchen und die Geldbörse voll Wechselgeld zu haben. Das sollte auch den Banken sparen helfen, die dann weniger Münzen von A nach B schaffen müssten. Doch am Ende entpuppte sich die Geldkarte selbst als Millionengrab. Wieviel die Banken über die Jahre in die Technik gesteckt haben, wisse er nicht, sagt der BVR-Sprecher. Doch allein die Raiffeisen- und Volksbanken sparten durch die Abschaffung drei Millionen Euro im Jahr.

Richtig Akzeptanz hat die Geldkarten-Funktion nie gefunden - viele Kunden hielten diese schlicht für überflüssig. Rund 101 Millionen Inhaber von EC-, Giro- und Bankkarten deutscher Banken könnten die Karte mit bis zu 200 Euro aufladen - gerade einmal 750.000 haben es laut dem Dachverband Deutsche Kreditwirtschaft überhaupt getan. Das Computer-Zeitalter hat die Geldkarte überrollt. Sie scheint aus der Zeit gefallen - in Zeiten, da Banken und Kreditkartenanbieter vor der Konkurrenz von Google und PayPal um ihre Vorherrschaft bei Zahlungssystemen bangen und das Bezahlen ganz ohne Karte, nur mit dem Handy, keine Zukunftsmusik mehr ist.

Ein letzter Versuch, das „System Geldkarte“ zu neuem Leben zu erwecken, endete im vergangenen Jahr in der Region Hannover ernüchternd. Auf Basis der Technik von 1996 wollten Sparkassen und Genossenschaftsbanken die Kunden zum „kontaktlosen Bezahlen“ motivieren. Beträge bis 20 Euro konnten dort an Tankstellen und Supermarkt-Kassen bezahlt werden, indem der Kunde die Karte nur an das Lesegerät hielt - wenn die Geldkarte aufgeladen war. Ein Funkchip sorgte für den Bezahlvorgang.

Doch binnen elf Monaten bezahlten an jeder der 1.100 mit der Technik ausgerüsteten Kassen im Schnitt nur 36 Kunden auf diese Weise. Gut ein Viertel der 40.000 Transaktionen entfiel auf das Stadion des VfL Wolfsburg, wo die Fußballfans Bier und Wurst anders nicht erwerben konnten. „Das war es nicht“, fasst es der BVR-Sprecher zusammen. Die Volks- und Raiffeisenbanken hatten sich an dem Pilotprojekt nur halbherzig beteiligt, die Privatbanken gar nicht.

Die Sparkassen wollen trotzdem an der Geldkarte festhalten. „Wir sehen das als Differenzierungs-Merkmal gegenüber anderen Banken“, sagt ein Sprecher des Sparkassen-Verbandes DSGV. Das kontaktlose Bezahlen („Girogo“) soll künftig aber auch ohne sie möglich sein. Ende des Jahres sollen bei Sparkassen 85 Prozent aller 50 Millionen Girokarten mit dem Funkchip ausgestattet sein. Im Frühjahr startet ein neuer Pilotversuch in Nordhessen (Kassel) und Südniedersachsen (Göttingen). Dann können Beträge bis 20 Euro dort an der Kasse mit der normalen Bankkarte bezahlt werden, ohne dass der Kunde die Geheimzahl (PIN) eintippen oder unterschreiben muss - und ohne die Karte vorher aufzuladen. Bei größeren Summen reicht die Geheimzahl, die Karte muss aber nicht mehr in das Lesegerät gesteckt werden.

Diesmal sind Bankenkreisen zufolge auch zahlreiche private Institute wie Commerzbank, Deutsche Bank und HypoVereinsbank mit von der Partie. „Die Umstellung ist für die Kunden weniger groß als mit der Geldkarte“, heißt es beim Branchenverband BdB. Doch vor allem Direktbanken geben gar keine Girokarten mehr aus. Sie setzen ganz auf die Kreditkarte.


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