UN-Tribunal: Verteidigung will Karadzic von Genozid-Vorwurf entlasten

Sarajevo/Den Haag (APA) - Die Verteidigung des einstigen bosnisch-serbischen Präsidenten Radovan Karadzic (69) hat am Donnerstag vor dem UNO...

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Sarajevo/Den Haag (APA) - Die Verteidigung des einstigen bosnisch-serbischen Präsidenten Radovan Karadzic (69) hat am Donnerstag vor dem UNO-Tribunal für Kriegsverbrechen im ehemaligen Jugoslawien (ITCY) versucht, diesen von den Genozid-Vorwürfen zu entlasten. „Wir behaupten, dass Karadzic des Völkermordes nicht schuldig ist“, erklärte Peter Robinson, US-Rechtsberater des Angeklagten.

Die Anklage habe auf keine Weise bewiesen, dass Karadzic die Absicht gehabt habe, die Muslime in ganz Bosnien zu vernichten, was aber notwendig wäre, um die Verantwortung für den Völkermord nachzuweisen, argumentierte der Anwalt in seinem Schlussplädoyer. Auch hätten im Verlauf des Prozesses 26 Zeugen bestätigt, dass Karadzic nicht gewusst habe, was in Srebrenica vor sich gegangen sei.

Nachdem die ostbosnische muslimische Enklave im Juli 1995 von bosnisch-serbischen Truppen unter dem Kommando von Ratko Mladic eingenommen worden war, wurden etwa 8.000 Männer vor den Augen der niederländischen UNO-Soldaten aussortiert, um in den darauffolgenden Tagen in der Umgebung der Kleinstadt brutal ermordet zu werden.

Karadzic hatte vor dem UNO-Tribunal am Mittwoch seine „moralische Verantwortung“ für die von bosnisch-serbischen Truppen angerichteten Kriegsverbrechen zugegeben. Er selbst habe keine Verbrechen angeordnet, erläuterte der Angeklagte.

Karadzic hat sich vor dem UNO-Tribunal in elf Punkten wegen Völkermordes in Srebrenica und einigen weiteren Gemeinden, Verbrechen gegen die Menschlichkeit sowie Verstöße gegen das Kriegsrecht zu verantworten. Die Anklage hatte in ihrem Schlussplädoyer für Karadzic, der 2008 nach langjähriger Flucht in Belgrad festgenommen worden war, lebenslang gefordert. Mit einem Urteil wird Ende 2015 gerechnet.

~ WEB http://www.icty.org/ ~ APA205 2014-10-02/11:41


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