Der nächste Sebastian Vettel? Verstappen gibt Formel-1-Debüt

Wenn Max Verstappen (17) am Freitag beim freien Formel-1-Training in Suzuka erstmals im Toro Rosso Platz nimmt, dann spricht das für die Red-Bull-Nachwuchsarbeit. Zugleich werden Kritiker auf den Plan gerufen.

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Von Daniel Suckert

Innsbruck – Dass Red Bull in Sachen Motorsport nichts dem Zufall überlässt, sieht man nicht nur anhand der vielen Trophäen in der Glasvitrine im englischen Milton Keynes, wo das Weltmeisterteam seinen Sitz hat. Einen großen Anteil an den acht Weltmeistertiteln (2010–2013) hat nicht nur das Design-Genie Adrian Newey, sondern besonders das Ausnahmetalent im Cockpit, Sebastian Vettel. Mit Max Verstappen hat Red Bull bereits die nächste Jahrhunderttalent-Aktie unter Vertrag.

Red-Bull-Boss Marko: „Wir spielen nicht Lotto“

„Wir spielen nicht Lotto. Wir wissen, was wir tun“, stellte Red-Bull-Motorsportberater Helmut Marko klar, als man verkündete, dem 17-jährigen Niederländer das Toro-Rosso-Cockpit für 2015 zu überlassen. Diese Behauptung bestätigen auch Tirols Ex-Formel-1-Pilot Karl Wendlinger und Fahrer-Manager Edi Nikolic, der Tirols GP2-Nachwuchstalent René Binder zur Seite steht, unisono: „Der Junge scheint ein Supertalent zu sein und hat trotz seiner jungen Jahre immense Erfahrung gesammelt. Talent setzt sich im Motorsport stetig durch. Red Bull hat den Schritt nicht umsonst gemacht.“

Wenn der Junge in den nächsten beiden Jahren einschlägt, werden alle wieder sagen: ,Wir haben es ja immer schon gewusst.‘
Karl Wendlinger

Dafür reicht ein Blick auf die Visitenkarte des Niederländers: Ob Kart oder Formel 3 – Siegesserien und Titel pflastern seine Auftritte am glühenden Asphalt. Die Kritiker besänftigt das jedoch nicht. Für den Sohn von Ex-Formel-1-Pilot Jos Verstappen (107 Starts) komme dieser Schritt in jedem Fall zu früh. Mit Aussagen wie Jugendwahn“ und „fehlender Vorbereitung“ stimmten Ex-Fahrer wie Jacques Villeneuve („Formel 1 ist kein Weihnachtsgeschenk“) in den verbalen Kritikhagel ein.

Wasser auf die Mühlen der Lästerer war dann der Showrun in Rotterdam im August dieses Jahres. Da setzte Verstappen auf Anhieb den Toro-Rosso-Boliden in die Bande. Das österreichisch-englische Team ließ sich davon nicht beirren. Ganz im Gegenteil. Morgen folgt mit seinem Auftritt beim freien Training in Japan der erste Höhepunkt. Und Wendlinger zeigt sich überzeugt: „Wenn der Junge in den nächsten beiden Jahren einschlägt, werden alle wieder sagen: ,Wir haben es ja immer schon gewusst.‘“

Teenager Verstappen will auch in der Formel 1 jubeln.
© gepa

Mit dem vierfachen Champion Vettel oder dem aktuellen Überflieger im Red-Bull-Cockpit, Daniel Ricciardo (AUS), hat der rotweißrote Rennstall in jedem Fall schon bewiesen, bei der Fahrerwahl das richtige Näschen zu besitzen. Vor allem die Vernetzung des Dosen-Rennstalls spricht für sich: Talente wie Verstappen und Co. werden früh unter Vertrag genommen, die nötige finanzielle Sicherheit geboten und zusätzlich mit vier Cockpits (Red Bull Racing, Toro Rosso) die nötige Perspektive in der Formel 1 geboten. So formt sich Red Bull die eigenen Superstars, inklusive des passenden Images (Cool, jung, erfolgreich) für die Haupteinnahmequelle (Energydrink).

Wer allerdings den Anforderungen der höchsten Motorsportklasse nicht gewachsen ist, der wird in eine andere Serie geschickt oder muss sich von da an selbst um die Verwirklichung der PS-Träume kümmern.

Verstappen mit Respekt in die Königsklasse

Piloten wie Sébastien Buemi (SUI, Formel Elektro) oder Noch-Toro-Rosso-Fahrer Jean-Éric Vergne (FRA) haben diesen schweren Gang bereits hinter oder bald noch vor sich. Im Motorsport gehört das zum gängigen Ablauf. Entweder man funktioniert oder man wird ausgetauscht. Das gilt unabhängig von Red Bull.

Verstappen selbst ist sich der Herausforderung durchaus bewusst. Der in Hasselt geborene Pilot geht mit jeder Menge Respekt an die Sache heran: „Ich trete nicht an, um Rekorde zu brechen, sondern um Erfahrungen zu sammeln.“

Vielleicht weil sein Vater, Jos, dem vorausgeeilten Ruf eines Wunderkindes nicht gerecht werden konnte. Ein gewisser Herr Michael Schumacher zeigte dem Niederländer 1994 die Grenzen bei Benetton auf. Seine Flucht zum Nachzüglerteam Simtek (1995) schloss den prognostizierten Höhenflug in der Königsklasse kategorisch aus. Es blieb bei weiteren Auftritten in Mittelklasse-Teams, mehr war dem heute 42-Jährigen nicht vergönnt.

Vergleiche mit Ayrton Senna

Ein sportliches Schicksal, das seinen Sohn nicht ereilen soll. Marko und Co. sehen in ihm den neuen Sebastian Vettel. Der 71-jährige Marko geht sogar noch weiter und glaubt: „Er ist am ehesten vergleichbar mit Ayrton Senna. Er ist ein außergewöhnliches Talent, das nur einmal alle zehn Jahre daherkommt.“

Große Worte, denen von Beginn an große Taten folgen sollen: „Wir erwarten, dass er vom ersten Rennen an konkurrenzfähig ist.“

Für Wendlinger wird ebenfalls schnell ersichtlich werden, wie das PS-Wunderkind in Drucksituationen tickt: „Es geht nicht nur um die fahrerische Komponente. In Singapur beispielsweise geht es darum, zwei Stunden lang in tropischer Hitze jede Runde am Limit zu fahren“, weiß der 41fache Grand-Prix-Starter: „Es zählt, wie leicht ihm all die physischen und psychischen Anforderungen von der Hand gehen. Da unterscheidet sich das Talent vom Super-Talent.“

Geht es nach den Dunkelblauen, dann wird Max Verstappen diese Herausforderungen ohne Wenn und Aber meistern. Das wiederum wäre eine erneute Bestätigung für die Nachwuchsschmiede des aktuellen Weltmeisterteams.

Ob langfristig auch ein rotweißrotes Juwel mit Red-Bull-Millionen den Sprung in die Königsklasse schafft, ist noch nicht absehbar. Realistisch meint Binder-Manager Edi Nikolic: „Es reicht natürlich nicht aus, wenn ein Nachwuchsfahrer einen rotweißroten Pass besitzt und leider ist, obwohl vielerorts sehr hart gearbeitet wird, noch keiner bereit, sich an der Spitze dieser Nachwuchspyramide, an der letztlich die GP2 steht, durchzusetzen.“


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