Ein Jahr nach Flüchtlingsdrama: Lampedusa gedenkt der Opfer

Lampedusa (APA) - Aufgereiht lagen die Toten am Strand von Lampedusa, notdürftig in Plastikplanen gehüllt, und es wurden von Minute zu Minut...

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Lampedusa (APA) - Aufgereiht lagen die Toten am Strand von Lampedusa, notdürftig in Plastikplanen gehüllt, und es wurden von Minute zu Minuten mehr. Männer, Frauen, Kinder, die nicht überlebten, als ein Boot mit 500 Flüchtlingen aus Afrika vor Lampedusa Feuer fing und kenterte. 368 Menschen kamen vor einem Jahr - am 3. Oktober 2013 - bei einer der schlimmsten Flüchtlingstragödien im Mittelmeer ums Leben.

500 Afrikaner aus Eritrea und Somalia stechen von Libyen aus in See. Rund einen Kilometer vor Lampedusa streikt der Motor des überladenen Bootes. Die Flüchtlinge zünden eine Decke an, wollen so auf sich aufmerksam machen. Ausgelaufenes Benzin fängt Feuer, das Schiff gerät in Brand und kentert. Die meisten Insassen sind Nichtschwimmer und haben keine Chance. Sie ertrinken in Massen. Die Leichen werden im Hangar des Insel-Flughafens aneinandergereiht, weil es keinen anderen Raum gibt, der groß genug für die vielen Leichen wäre.

Papst Franziskus, der erst einige Monate zuvor die Insel Lampedusa besucht hatte, spricht von einer weltweiten „Schande“. Wenige Tage später startet Italien mit der Kontroll- und Rettungsaktion „Mare Nostrum“. Sieben Schiffe der italienischen Marine patrouillieren rund um die Uhr im Mittelmeerraum zwischen Sizilien und Libyen zur Rettung von Migranten in Not. Seitdem hat die italienische Marine über 93.000 Migranten in Sicherheit gebracht. Bis Jahresende rechnet man, dass 150.000 Flüchtlinge Italien erreichen werden, ein Rekord für ein Land, das seit Jahren mit einem ständigen Flüchtlingsnotstand konfrontiert ist.

Seit dem Flüchtlingsdrama vor Lampedusa vor einem Jahr sind unzählige weitere Menschen im Meer ums Leben gekommen. Im Mittelmeer sind allein dieses Jahr bereits mehr als 3.000 Flüchtlinge beim Versuch gestorben, nach Europa zu gelangen, so die Internationale Organisation für Migration (IOM). So wurde mit 3.072 Todesopfern seit Jahresbeginn der bisherige Höchststand von 2011 deutlich übertroffen. Vor allem der Bürgerkrieg in Syrien trieb die Flüchtlingszahlen in die Höhe.

Papst Franziskus traf am Mittwochnachmittag mit 60 Überlebenden der Flüchtlingstragödie vor einem Jahr zusammen. In seiner Ansprache ermahnte der Heilige Vater Europa zu größerer Solidarität mit Flüchtlingen. „Ich rufe alle Männer und Frauen Europas auf, die Türen ihrer Herzen zu öffnen“, sagte Franziskus.

Auf Lampedusa versammelten sich am Donnerstag einige Überlebende des Flüchtlingsdramas und Angehörige der Opfer. Sie beteiligten sich an einer multikonfessionellen Zeremonie. Am Freitag werden Boote Blumenkränze am Ort der Schiffstragödie ins Meer werfen. Außerdem soll auf dem Meeresboden zur Erinnerung an die Opfer eine Gedenktafel angebracht werden.

Am Freitagnachmittag werden Überlebende und Angehörige der Opfer durch das Zentrum Lampedusas ziehen. 368 Laternen zum Andenken an jedes Opfer werden in die Luft steigen. Nach einem Gebet sollen die Bilder der Überlebenden und Helfer ausgestellt werden, die sich am Tag des Unglücks auf Lampedusa befanden.


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