Kommunalkredit 2 - Platzer-Vertrag sechs Monate vor Ende verlängert

Wien (APA) - Die Kommunalkredit legte nach außen weiterhin gute Zahlen vor: Im ersten Halbjahr 2008 habe man bereits 57 Prozent des Ergebnis...

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Wien (APA) - Die Kommunalkredit legte nach außen weiterhin gute Zahlen vor: Im ersten Halbjahr 2008 habe man bereits 57 Prozent des Ergebnisses des Vorjahres verdient, hieß es damals im August 2008. Die Cora und die in ihr enthaltenen Risiko-Papiere schienen nicht in der Bilanz auf, die eigentlich notwendig gewesenen Abwertungen wurden durch die Auslagerung vermieden.

Am 15. September 2008 ging die US-Investmentbank Lehman Brothers pleite. Am 24. September 2008 wurde der Vertrag von Generaldirektor Platzer für weitere fünf Jahre verlängert. Sein Vertrag wäre allerdings erst in sechs Monaten abgelaufen. „Es ist üblich, dass Vorstandsverträge ein halbes Jahr vor Ablaufen verlängert werden“, meinte Platzer dazu heute in seiner Einvernahme. Er habe in der Kommunalkredit immer „große Wertschätzung genossen“. Außerdem würde man „in der Mitte eines reißenden Flusses nicht die Pferde wechseln“. Von der Lage der Cora und der dorthin ausgelagerten Risiko-Papiere habe er dem Aufsichtsrat, in dem seine Verlängerung beschlossen wurde, nicht berichtet. „Die Cora war da kein Thema“.

Da die Journalisten alle Banken nach Lehman-Papieren fragten, wurden kurzerhand zwei Lehman-Bonds aus der Repack in die Cora transferiert - mittels direktem Kredit der Kommunalkredit zur Finanzierung dieser Transaktion. Alle diese Transaktionen und Konstruktionen konnten aber nicht verhindern, dass die Kommunalkredit sehr schnell massive Liquiditätsprobleme bekam. Der Geldmarkt sei nach der Lehman-Pleite völlig ausgetrocknet gewesen, ein einmaliges Ereignis seit dem Zweiten Weltkrieg, erläuterte Platzer. Liquiditätsreserven hatte die Kommunalkredit offenbar nicht angelegt. Der frühere Bank-Chef verglich den Geldmarkt mit der Wiener Wasserversorgung - auch hier gehe er davon aus, dass immer Wasser aus der Leitung komme. „Wir hatten kein Lager im Keller für Liquidität“, sagte Platzer.

Im Oktober legte die Kommunalkredit einen Sonderbericht. Die Liquidität hätte bis November gereicht, aber nicht über das Jahresende hinaus. Von der schwierigen Liquiditätssituation hätten aber alle gewusst - die Muttergesellschaft Volksbanken AG (ÖVAG) und auch die Oesterreichische Nationalbank (OeNB), verteidigte sich der Bank-Chef. Heute zu sagen, die schwierige Liquiditätssituation sei nicht bekannt gewesen, sei „lächerlich“.

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Platzer selber musste Anfang November gehen. Im November wurde die Kommunalkredit als erste österreichische Bank notverstaatlicht. Die Finanzierungslücke soll bis zu 10 Mrd. Euro betragen haben. Bisher kostete sie die Republik über zwei Milliarden Euro.

Der Prozess wird morgen Freitag mit der Einvernahme des Ex-Kommunalkredit-Vorstands Leopold Fischer fortgesetzt.

~ WEB http://www.kommunalkredit.at ~ APA404 2014-10-02/15:01


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