Iris Dönicke: Von Berlins Philharmonikern ans Stadttheater Klagenfurt

Klagenfurt (APA) - Seit drei Wochen ist Iris Dönicke kaufmännische Direktorin am Stadttheater Klagenfurt. Die 44-Jährige ist damit Herrin üb...

  • Artikel
  • Diskussion

Klagenfurt (APA) - Seit drei Wochen ist Iris Dönicke kaufmännische Direktorin am Stadttheater Klagenfurt. Die 44-Jährige ist damit Herrin über ein Millionenbudget, derzeit ist sie dabei, sich einen genauen Überblick zu verschaffen. Davor war sie stellvertretende kaufmännische Geschäftsführerin der Berliner Philharmoniker. Die Theaterwelt ist ihr im Job zwar neu, aber nicht fremd, wie sie im APA-Gespräch erklärt.

„Ich habe seit meiner Studienzeit eine große Affinität zum Theater, und in meinen vier Jahren in Dublin habe ich dann erkannt, was Theater macht“, so Dönicke. Es sei ein „Hort der Bildung“, ein Ort, wo man sich mit gesellschaftlichen Problemen, aktuellen wie vergangenheitsbezogenen, auseinandersetze. „Danach kann man sich austauschen, darüber diskutieren, was man erlebt hat, worauf man gestoßen ist.“ Theater könne bilden, neue Anreize für einen selbst auslösen, neue Themen aufbringen und Vorurteile widerlegen.

All das kostet Geld, das Dönicke nun in Klagenfurt verwaltet. Ihre berufliche Laufbahn weist sie auf diesem Gebiet als Fachfrau aus. Immerhin managte sie schon die Finanzen von Aral/BP Bochum und von IBM in Dublin. 2007 wurde sie Verwaltungsleiterin am Goethe-Institut Dublin, 2010 kehrte sie nach Deutschland zurück, zur Stiftung Berliner Philharmoniker.

Der Job dort ist natürlich mit dem Mehrspartenhaus Klagenfurt nicht vergleichbar. „Meine Aufgabe wird es sein, das Mehrspartenkonzept auf hohem Niveau zu bewerkstelligen.“ Über Detailzahlen will sie noch nicht reden, dafür sei sie noch nicht lange genug im Haus, meint sie. Derzeit führe sie mit allen Abteilungen des Hauses intensive Gespräche, sie wolle versuchen, mit größtmöglicher Offenheit und Transparenz zu arbeiten. „Das sind manchmal nur schöne Worte, ich weiß, das Schwierige ist, sie umzusetzen“, fügt sie hinzu und erklärt ihr Arbeitsprinzip: „Sehr wichtig dabei ist das, was man vorlebt, ein offener Umgang mit allen Kolleginnen und Kollegen im Haus.“ Sie würde es daher auch sehr begrüßen, wenn seitens der Abteilungen Vorschläge gemacht würden. „Die wissen oft sehr genau, woran es hapert.“

150 x Jahres-Vignette 2022 zu gewinnen

TT-ePaper gratis ausprobieren, der Gratiszeitraum endet nach 4 Wochen automatisch.

Am Theater gibt es aber nicht nur eine kaufmännische Leiterin, sondern auch einen künstlerischen Leiter. Stimmt die Chemie mit Florian Scholz? Dönicke: „Ja, die Chemie funktioniert. Wir teilen unsere Befugnisse, nach außen hin treten wir als Einheit auf. Für mich ist es grundsätzlich auch gar nicht anders vorstellbar, hier zu arbeiten.“ Der Job sei eine große Herausforderung, erreichen möchte sie „natürlich eine hohe Auslastung und gute Kartenverkäufe“. Dazu sei ihr auch sehr wichtig, dass im Haus weiterhin eine gute Stimmung herrsche. „Das ist Voraussetzung für eine erfolgreiche Arbeit.“

Der Ruf Kärntens, gerade in Deutschland nicht der allerbeste, konnte Dönicke nicht abschrecken. „Ich bin in Berlin schon darauf angesprochen worden, warum ich da nach Haider-Land gehe, aber ich versuche immer, keine Vorurteile zu haben und generell offen zu bleiben.“ Diese Offenheit sei allerdings auch schwer zu leben, konzediert sie. Einer der Gründe für ihre Entscheidung, nach Kärnten zu wechseln, sei auch die Lebensqualität gewesen. „Berlin ist mir zu laut geworden, zu stressig. Ich habe zwar dort studiert, aber das war ein anderes Berlin, das es so nicht mehr gibt.“ Ihrer Naturverbundenheit komme Kärnten jedenfalls sehr entgegen. „Hier gibt es so viel Natur, man kann stundenlang wandern, ohne einer Menschenseele zu begegnen, das ist wunderbar.“ Da tanke sie Kraft für ihre Aufgaben.

Ihre persönlichen Vorlieben im Theater liegen beim Sprechtheater und beim Tanz. „Ich gehe aber auch sehr gern ins Kino“, verrät Dönicke abschließend.

(Das Gespräch führte Michael Walcher/APA)


Kommentieren