„Evita“ in Graz: Bettina Mönch als strahlende Titelheldin

Graz (APA) - Schönheit, Kraft und eisernen Willen verkörpert Bettina Mönch überzeugend in der Titelrolle von Andrew Lloyd Webbers Musical-Kl...

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Graz (APA) - Schönheit, Kraft und eisernen Willen verkörpert Bettina Mönch überzeugend in der Titelrolle von Andrew Lloyd Webbers Musical-Klassiker „Evita“, der am Donnerstag in der Grazer Oper Premiere hatte. Die Inszenierung lebt von Lichteffekten und ist von zeitloser Schlichtheit, Jeff Frohner dirigierte das Grazer Philharmonische Orchester schwungvoll und mit der gebotenen Dramatik.

Wenn man die Musik dieses Werks lange nicht gehört hat, wird einem ganz schnell bewusst, wie qualitätvoll die ganze Arbeit ist im Vergleich zu vielen Musical-Schnellschüssen der letzten Jahre ist, die über eine Aufführung hinaus kaum im Gedächtnis bleiben. Der scharfe Kontrast zwischen dem märchenhaften Aufstieg des unbemittelten, aber keineswegs unbedarften jungen Mädchens und der Realität hinter der Verehrung und dem Glamour ergeben immer noch einen spannenden Abend. Regisseur Marcel Keller, der auch für Bühne und Licht verantwortlich zeichnet, hat die ganze Geschichte ohne viel Effekte auf die Bühne gebracht, Musik und Darsteller müssen für sich sprechen.

Und das funktioniert auch, wobei besonders Mönch in der Titelrolle ein Glücksfall ist. Sie sieht der 1952 verstorbenen Eva Peron nicht nur ein wenig ähnlich, sie vermag auch jedes Stadium des bewegten Lebens glaubhaft zu vermitteln. Ob es das strahlende Mädchen ist, das nach Buenos Aires kommt, die berechnende, kühle Schönheit oder die verehrte Heldin des Volkes, sie wirkt immer echt und berührend. Dass sie der Partie nicht mit Opernstimme zu Leibe rückt, sondern offenbar um die Besonderheit des Musicalgesangs weiß, ist ein zusätzlicher Pluspunkt.

Stimmlich und tänzerisch überzeugt auch Marc Lamberty als Erzähler und Kommentator Che, der das Geschehen von außen betrachtet und dabei doch viel Leidenschaft entwickelt. Blass in jeder Hinsicht ist dagegen Guido Weber in der Rolle des Juan Peron, dem man den charismatischen Präsidenten irgendwie nicht abnimmt. Martin Fournier profiliert sich als Tangosänger, während Nazanin Ezazi zu hochdramatisch an die eher resigniert-gedämpfte Nummer „Another suitcase in another hall“ herangeht.

So stimmig die gesamte Aufführung ist, so fragt man sich doch, warum ausgerechnet beim zentralen Hit des Werkes, „Don‘t cry for me, Argentina“, der nun wirklich spannend genug ist, das Ballett im Vordergrund herumhampeln und so die sorgfältig gebaute Nummer stören muss.

(S E R V I C E - „Evita“ von Andrew Lloyd Webber und Tim Rice in der Grazer Oper. Regie, Bühne und Licht: Marcel Keller. Dirigent: Jeff Frohner. Kostüme: Werner Fritz. Choreografie: Jacqueline Davenport. Mit: Bettina Mönch (Eva Peron), Marc Lamberty (Che), Guido Weber (Juan Peron), Martin Fournier (Magaldi), Nazanin Ezazi (Mistress). Nächste Aufführungen: 3., 5., 10., 11., 16., 25. und 29. Oktober, 9., 14. und 30. November. Karten unter Tel. 0316/8000 oder tickets@buehnen-graz.com, http://oper-graz.com)


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