Milliardäre dank geklauter Geschäftsideen

Die Samwer-Brüder gründeten nicht nur das Online-Versandhaus Zalando, sondern haben dank erfolgreichem Ideen-Abklatsch bei vielen Internet-Geschäften mit ihrem Geld die Fäden in der Hand.

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Berlin, Frankfurt –Man nennt sie die „Boygroup des Internets“ oder „die Paten“. In Europa sind mit Zalando oder eDarling die Unternehmen der Samwer-Brüder in aller Munde, kaum aber jemand kennt Oliver, Marc und Alexander Samwer. Seit mehr als 15 Jahren gründet, investiert und verkauft das Bruder-Trio Internetunternehmen und scheffelt damit Millionen. Der Online-Versandhändler Zalando, die Studentenplattform studiVZ, der Möbel-Internetshop Home24, die Dating-Seite eDarling oder der Klingeltonanbieter Jamba – überall haben oder hatten die Samwer-Brüder ihre Finger im Spiel.

Marc (43), Oliver (41) und Alexander (39) wuchsen wohlbehütet in einer reichen Kölner Anwaltsfamilie auf. Urgroßvater Karl August Friedrich Samwer legte mit der Gründung der Gothaer Versicherung den Grundstein für den familiären Wohlstand. Das Konzept der Samwer’schen Gründungen ist stets dasselbe: Sie kopieren bestehende Internet-Geschäftskonzepte und steigen nach einiger Zeit mit Millionengewinnen wieder aus. Zum ersten Mal gelang ihnen dieser Coup im Jahr 1999 mit dem Online-Auktionshaus Alando, das nur sechs Monate später vom großen Vorbild eBay um 43 Millionen Dollar übernommen wurde. Auch CityDeal als Groupon-Abklatsch wurde nur wenig später vom US-Vorbild geschluckt. Selbst Zalando ist eine Kopie des US-Riesen Zappo.

Schon im darauffolgenden Jahr gründeten die drei Neo-Millionäre gemeinsam mit Debitel, Media Markt und Saturn die Jamba GmbH. Bezahlen über die Handyrechnung war zu der Zeit gerade in Japan das große Ding, die Samwers brachten die Idee mit durchschlagendem Erfolg nach Europa. Das Unternehmen mit 300 Mitarbeitern geriet aber in Verruf, als bekannt wurde, dass Klingelton-Abos an Minderjährige verkauft wurden. 2004 zahlte der US-Konzern VeriSign für die Jamba GmbH 273 Millionen Euro.

Mit dem vielen Geld aus den Verkäufen tobten sich die Samwer-Brüder auf der Spielwiese des Internets aus. So investierten sie in die Plattform studiVZ und leierten deren Verkauf an den Holtzbrinck-Verlag um 85 Millionen Euro an – selbstverständlich mit hohen Beraterprämien für sich selbst.

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Über ihren Gründerfonds, den European Funders Fund, waren sie an Trivago beteiligt, an der Heimwerker-Plattform MyHammer, unterstützten die Dating-Seite eDarling mit Millionen und gründeten die deutsche Privatzimmer-Vermittlung Wimdu als Konkurrenz zum US-Marktführer Airbnb. Dieselbe Geschäftsidee verfolgt die Jungunternehmer-Schmiede Rocket Internet, die Gründer mit Kapital, Infrastruktur und Know-how ausstattet.

Die Management-Methoden der Samwers gelten indes als brutal. Undercover-Reporter berichten von Strichlisten über Arbeitsstunden und Anwesenheit, Zalando-Lagerarbeiter werden zu Zwölf-Stunden-Schichten ohne Pausen verpflichtet und bekommen nicht einmal den Mindestlohn. So manche Mitarbeiter soll Oliver Samwer so lange im Büro eingesperrt haben, bis das erwünschte Ergebnis vorlag.

Auch wenn diese Woche beim doppelten Börsestart von Zalando und Rocket Internet das Kursfeuerwerk ausgeblieben ist, gaben sich die Neo-Milliardäre nur kurz geknickt. Ihr 15-Prozent-Anteil an Zalando ist nun 780 Millionen Euro wert, die knapp 40 Prozent an Rocket sogar 2,17 Milliarden Euro. (bea)


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