Immobilienkonzern IVG geht nach Sanierung Verkäufe an

Frankfurt am Main (APA/Reuters) - Der frisch sanierte deutsche Immobilienkonzern IVG beginnt mit dem Großreinemachen. Als erstes will der ne...

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Frankfurt am Main (APA/Reuters) - Der frisch sanierte deutsche Immobilienkonzern IVG beginnt mit dem Großreinemachen. Als erstes will der neue Vorstandschef Ralf Jung das wagen, was alle seine Vorgänger nicht geschafft haben: den Verkauf des unliebsamen Geschäftskomplexes „The Squaire“ am Frankfurter Flughafen, der über 1 Mrd. Euro kostete und maßgeblich für die Pleite des Bonner Unternehmens verantwortlich war.

„Ja, wir gehen mit dem Squaire in den Markt. Seit September führen wir Gespräche mit potenziellen Interessenten“, sagte Jung in einem am Donnerstag veröffentlichten Reuters-Interview und bestätigte damit erstmals, dass wieder ein Verkaufsprozess läuft. Konkrete Angebote seien aber nicht vor November zu erwarten. Jung ist zuversichtlich, dass es dieses Mal klappen könnte. Im Moment sei viel Geld im Markt und das Interesse an Spitzenimmobilien in Deutschland groß. „Wenn man die traurige Geschichte des Squaire für einen Moment ausblendet, ist das keine schlechte Immobilie. Ein Verkauf in Einzelteilen kommt für uns aber nicht infrage.“

Die IVG war vor einem Jahr mit mehr als 4 Mrd. Euro Schulden in die Pleite gerutscht. Nach dem vor rund zwei Wochen abgeschlossenen Insolvenzverfahren, einem der größten in Deutschland, gehört die Gesellschaft nun ihren früheren Gläubigern - zumeist Hedgefonds wie Marathon und Aurelius. Das Unternehmen wurde um rund 2,2 Mrd. Euro entschuldet, die Altaktionäre des früheren MDax-Konzerns verloren ihren Einsatz. Die Börse ist erst einmal Geschichte. „Ein Börsengang ist natürlich eine Option für die ‚neue IVG‘“, erklärte Jung, der früher Vorstand bei der Dresdner Bank war und bei der IVG erst seit ein paar Tagen am Ruder ist. „Aber das wird nicht dieses oder nächstes Jahr passieren. Der Weg dahin muss gut vorbereitet sein und wir haben noch viele Hausaufgaben zu erledigen.“ Jung will zunächst das operative Geschäft stabilisieren. Er hat einen Drei-Jahres-Vertrag.

Reuters hatte bereits im August von einem Insider erfahren, dass die IVG einen neuen Anlauf zum „Squaire“-Verkauf nehmen will. Potenzielle Investoren - infrage kommen etwa große Pensionsfonds - dürften aber eine starke Verhandlungsmacht haben: Der 2011 eröffnete Komplex mit seinen 146.000 Quadratmetern ist bis heute nicht voll vermietet. Den von diversen Pannen nach oben getriebenen Baukosten von einer Milliarde Euro stand im Jahr 2012 ein Buchwert von gerade einmal 800 Millionen gegenüber. Aktuellere Zahlen hat die IVG nie veröffentlicht. Nach Informationen aus Branchenkreisen ist der Buchwert weiter auf etwa 700 Mio. Euro gesunken. Als Makler wurde der internationale Immobiliendienstleister CBRE mandatiert, wie mehrere mit der Sache vertraute Personen berichten. Interessenten tummeln sich demzufolge bereits im Datenraum.

Inklusive „Squaire“ verwaltet die IVG derzeit etwa 200 Immobilien in einem Gesamtvolumen von 3,5 Mrd. Euro, die meisten davon in Deutschland. Dieses Bestandsgeschäft auf der eigenen Bilanz soll künftig das Kerngeschäft der „neuen IVG“ sein, wie Jung erläuterte. Auch einige kleinere Objekte dürften noch verkauft werden, mittelfristig soll das Immobilienvermögen aber steigen. „Wir sehen uns da auch in der Rolle des aktiven Konsolidierers. Der gewerbliche Immobiliensektor in Deutschland hat - anders als der Wohnsektor - noch keine größeren Zusammenschlüsse gesehen. Das wird kommen und dann wollen wir mitmischen.“

Die IVG sei trotz ihrer Krisen-Geschichte in einer Position der Stärke, betonte Jung. „Auch wenn der Weg dahin nicht besonders schön war - heute haben wir eine überdurchschnittlich solide Kapitalausstattung.“ Hinter das Thema Refinanzierung könne die IVG nun einen Haken setzen: Anleihen stünden keine mehr aus, die großen Immobilien-Portfolios seien auf fünf Jahre durchfinanziert. Und die Deutsche Bank habe der IVG einen Kredit über 1,5 Mrd. Euro gewährt, mit dem Altschulden abgelöst worden seien.

Das Geschäft mit Spezialfonds und die Bewirtschaftung von Gasspeichern (Kavernen) hängt jeweils separat unter der neu geschaffenen Holding-Struktur. Beides soll irgendwann aufgegeben werden, wie Jung deutlich machte. Verkaufsgespräche würden derzeit aber nicht geführt. „Wir haben eine überschaubare Mannschaft und wollen die anstehenden Projekte nach und nach abarbeiten. Von einer unmittelbar bevorstehenden Zerschlagung der IVG kann folglich keine Rede sein.“


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