Proteste bei Gedenkfeier für Flüchtlingsdrama auf Lampedusa

Rom (APA) - Ein Jahr nach der Schiffskatastrophe vor Lampedusa mit mehr als 360 Toten sind die Gedenkfeier am Freitag von Protesten gegen di...

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Rom (APA) - Ein Jahr nach der Schiffskatastrophe vor Lampedusa mit mehr als 360 Toten sind die Gedenkfeier am Freitag von Protesten gegen die Politiker überschattet worden, die sich an den Gedenkveranstaltungen beteiligen. Eine linksradikale Gruppe demonstrierte gegen EU-Parlamentspräsident Martin Schulz, der an einer Podiumsdiskussion teilnahm. Die Demonstranten skandierten Sprechchöre gegen Schulz.

Einwohner Lampedusas demonstrierten am Hafen und forderten konkrete Initiativen gegen die Flüchtlingswelle aus Nordafrika. Sie protestierten gegen den Beschluss der italienischen Behörden, das vor einige Monate gesperrte Auffanglager auf der Insel wieder zu öffnen.

Die Bürgermeisterin Lampedusas, Giusy Nicolini, rief Europa auf, konkrete Maßnahmen zur Vorbeugung weiterer Flüchtlingstragödien zu ergreifen. „Italien kann nicht allein für ein Drama historischen Ausmaßes aufkommen“, sagte die Bürgermeisterin der 6.500 Seelen-Insel. Überlebende des Flüchtlingsdramas und Angehörige der Opfer hatten sich Donnerstagabend an einer multikonfessionellen Zeremonie beteiligt.

Einige Fischer warfen Blumenkränze am Ort der Schiffstragödie ins Meer. Außerdem wurde auf dem Meeresboden zur Erinnerung an die Opfer eine Gedenktafel angebracht. Am Freitagnachmittag werden Überlebende und Angehörige der Opfer durch das Zentrum Lampedusas ziehen. 368 Laternen zum Andenken an jedes Opfer werden in die Luft steigen. Nach einem Gebet sollen die Bilder der Überlebenden und Helfer ausgestellt werden, die sich am Tag des Unglücks auf Lampedusa befanden.

Auf Lampedusa trafen inzwischen am Freitag wieder acht Flüchtlinge ein, die im Mittelmeer gerettet wurden. Die verletzten Migranten, die aus Libyen abgefahren waren, wurden auf Lampedusa behandelt und dann nach Palermo gebracht. Auf ihren Körpern seien Folterspuren sichtbar, berichtete einer der Ärzte, der die Migranten behandelte. Der Gesundheitszustand der Flüchtlinge sei nicht besorgniserregend.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International forderte indes eine Fortführung der Mittelmeer-Operation „Mare Nostrum“ zur Rettung von Flüchtlingen im Mittelmeer. Der nach der Flüchtlingstragödie vor einem Jahr von Italien gestartete Einsatz habe bisher 141.000 Menschen vor dem Ertrinken gerettet, sagte die Generalsekretärin der deutschen Amnesty-Sektion, Selmin Caliskan. „Mare Nostrum“ müsse so lange fortgeführt werden, bis die Operation von „etwas Adäquatem“ ersetzt werde. Dies müsse dann von der gesamten EU gestützt und als gemeinsame Verantwortung getragen werden, sagte Caliskan.


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