Bundesheer - Freud und Leid in Oberösterreich

Linz/Freistadt/Wien (APA) - Der oö. LH Josef Pühringer (ÖVP) bedauert die Schließung der Kaserne Freistadt, strich in einer ersten Reaktione...

  • Artikel
  • Diskussion

Linz/Freistadt/Wien (APA) - Der oö. LH Josef Pühringer (ÖVP) bedauert die Schließung der Kaserne Freistadt, strich in einer ersten Reaktionen aber vor allem die für sein Bundesland positiven Seiten heraus: „Ich begrüße, dass die Einsatzbereitschaft im Katastrophenfall beim Bundesheer weiter oberste Priorität hat und die Stellungsstraße in OÖ erhalten bleibt“, auch der Fortbestand der Militärmusik sei ihm wichtig gewesen.

Bei der Stellungsstraße - sie wird vom Standort Garnisonstraße, der geschlossen wird, nach Hörsching verlegt - habe Verteidigungsminister Gerald Klug (SPÖ) seinen Vorschlag aufgenommen, so Pühringer: Ihm sei es nie um die Liegenschaft Garnisonstraße gegangen, sondern immer darum, die Musterung weiterhin in Oberösterreich durchführen zu können, um den Wehrpflichtigen einen „aufwendigen Stellungstourismus“ zu ersparen. Da die Stellungsstraße aber auch mit eklatantem Ärztemangel zu kämpfen hat, bastelt das Land an einer Lösung mit einem Mediziner-Pool, notfalls auch mit bereits pensionierten Ärzten.

SPÖ-Vorsitzender LH-Stv. Reinhold Entholzer begrüßte ebenfalls, dass die Stellungsstraße im Zentralraum erhalten bleibt - was er u.a. auf seine täglichen Telefonate mit seinem Parteikollegen Bundeskanzler Werner Faymann zurückführt. „Es hätte wirtschaftlich keinen Sinn gemacht, die Stellungsstraße zuzusperren. Schließlich hätte man die Fahrtkosten für die zahlreichen Stellungspflichtigen übernehmen müssen, die in andere Bundesländer ausweichen hätten müssen.“ Die Schließung der Kaserne Freistadt sei „sehr bedauerlich“, so Entholzer. Seiner Ansicht nach habe Landesmilitärkommandant Kurt Raffetseder diesen Standort schon viel zu früh als Sparbeitrag ins Spiel gebracht.

Für FPÖ-Landesparteiobmann Landesrat Manfred Haimbuchner kommen die Kasernenschließungen „einem Kniefall vor der linkslinken Kaste gleich, die ja bei der Volksbefragung im Vorjahr ohnehin ein Berufsheer durchsetzen wollte“. Besonders enttäuscht ist er von der ÖVP, die „auf der ganzen Linie versagt“ habe - allen voran der aus OÖ stammende Vizekanzler Reinhold Mitterlehner. Einen „Lichtblick“ ortet Haimbuchner im Erhalt einer Stellungsstraße im Bundesland.

150 x Jahres-Vignette 2022 zu gewinnen

TT-ePaper gratis ausprobieren, der Gratiszeitraum endet nach 4 Wochen automatisch.

Der Bürgermeister von Freistadt, Christian Jachs (ÖVP), zeigte sich im Gespräch mit der APA enttäuscht: Die Schließung der Tilly-Kaserne sei eine „sehr schlechte, schmerzliche Nachricht“. Er forderte, dass die Betroffenen nun möglichst rasch informiert werden, wann die Übersiedelung nach Hörsching beginnt. Er meldete auch gleich Interesse für die Liegenschaft an: Das vier Hektar große Areal mitten in Freistadt dürfe nicht „Miet-Haien und Spekulanten“ in die Hände fallen, dort solle man „ordentliche Stadtentwicklung“ betreiben. Jachs hofft, dass die Gemeinde das Grundstück übernehmen kann - allerdings zu einem symbolischen Preis, denn zu Marktkonditionen habe man „keine Chance“.

Der Freistädter Landtagsabgeordnete Hans Affenzeller von der SPÖ ging mit seinem Parteikollegen Klug hart ins Gericht: „Für OÖ ist die Schließung der Tilly-Kaserne eine militärische Bankrotterklärung.“ Das Bundesland habe unter den vergleichbaren Bundesländern jetzt schon die mit Abstand wenigsten Standorte. „Während OÖ den jetzigen Plänen zufolge nur mehr sechs Kasernen hat, gibt es in Klugs Heimatbundesland Steiermark noch immer zwölf Standorte, kritisierte Affenzeller.

Die oö. JVP-Obfrau Helena Kirchmayr freute sich wie Pühringer über den Erhalt der Stellungsstraße im Bundesland. „Die neue Lösung mit der Kaserne Hörsching bringt große Erleichterung für die jährlich über 7.000 jungen Männer“, so Kirchmayr in einer Presseaussendung. Sie verlangte jedoch, dass für die Soldaten „eine ordentliche Umgebung“ geschaffen werde - „kein Fünf-Sterne-Hotel, aber gewisse Mindeststandards müssen erreicht werden“.


Kommentieren