Angst vor Lärm beherrschte Diskussion um neuen Fußballplatz

Die Infoveranstaltung zur Erweiterung Sportplatz Reichenau am Donnerstag war gut besucht. Die Verantwortlichen der Stadt versuchten erneut auf die dringende Notwendigkeit eines Kunstrasenplatzes für Innsbruck aufmerksam zu machen.

  • Artikel
  • Diskussion

Von Manfred Mitterwachauer

Innsbruck – Sogar bis ins Foyer der Reichenauer Volksschule reichte die Schlange an Zuhörern. Sie waren Donnerstagabend der Einladung der Stadt zu einem Informationsabend betreffend die umstrittene Erweiterung des Sportplatzes Reichenau gefolgt. Unter den geschätzten 230 Interessierten hielten sich Gegner und Befürworter hörbar die Waage. Wenngleich optisch die Anhänger der Bürgerinitiative „www.gegenflutlicht.at“ präsenter waren. „Mondlicht statt Flutlicht“ oder „Flutlicht – nein danke“ war da auf den schon obligatorischen Transparenten zu lesen. Besonders Kreative hatten sich Sonnenbrillen und Stirnlampen aufgesetzt, Schulkinder überreichten BM Christine Oppitz-Plörer nicht nur die Unterschriftenliste gegen das Flutlicht-Projekt, sondern dazu auch noch eine selbstgebastelte Laterne für den Schreibtisch: „Damit Sie uns nicht vergessen.“ Auf der anderen Seite saßen – subjektiv gesehen – großteils aktive Fußballer oder Eltern mit fußballaffinem Nachwuchs.

Flutlicht-Konzept:

Das neue Flutlicht-Betriebskonzept für alle Sportanlagen in der Stadt sieht in einem ersten Entwurf aufs Jahr verteilt wie folgt aus (jeweils Montag bis Freitag; kein Flutlicht an Samstagen/Sonntagen):

15. Jänner – Beginn Semesterferien:

3 Abende pro Woche; ab Bedarf (=ab Eintritt der Dunkelheit; saison- und witterungsbedingt) bis 20 Uhr; Summe ca. 3 Std.

Ab Semesterferien – 28. Februar:

4 Abende; bis 21 Uhr; ca. 4 Std.

1. März – 31. Mai:

5 Abende; bis 21.30 Uhr; ca. 4 Std.

1. Juni – 30. Juni:

4 Abende; bis 21.30 Uhr; ca. 1,5 Std.

1. Juli – 21. Juli:

kein Flutlicht.

22. Juli – 15. November:

5 Abende; bis 21.30 Uhr; ca. 3,5 Std.

16. November – 30. November:

4 Abende; bis 20.30 Uhr; ca. 4,5 Std.

1. Dezember – 15. Jänner:

kein Flutlicht.

Mehr Licht, mehr Lärm – mit dieser einfachen Formel brachten die Gegner ihre Befürchtungen gegen die Erweiterung ins Treffen. Wie berichtet, soll der Platz vergrößert, auf Kunstrasen umgestellt und mit einer Flutlichtanlage versehen werden. Klagten die einen über Zustände „wie auf einem Vergnügungspark“, so berichteten andere Anrainer über fehlende Mittags-, Wochenend- und Nachtruhe. Dass der Polit-Beschluss noch vor der Bürger-Info gefällt wurde, stieß auch manchem sauer auf, ein Anwalt fragte, wo denn der Baubescheid bleibe. „Ohne uns wäre drübergefahren und einfach gebaut worden“, warf einer der Initiatoren der Bürgerinitiative dem Podium mit Oppitz-Plörer, Vize-BM Christoph Kaufmann, IIG-Chef Franz Danler und Sportamtsleiter Romuald Niescher vor.

Vorwürfe, die gekontert wurden: Nicht nur, dass die Fußballvereinsführung – nach erfolgten Beschwerden – auf bereits reduzierte Festivitäten hinwies. Auch wurde von dem Projekt positiv gegenüberstehenden Anrainern das Zustandekommen der Unterschriftenliste kritisiert: „Wer bei Mondlicht schlafen will, muss aufs Land ziehen.“

Politik- und Projektverantwortliche indes unterbreiteten den Reichenauern folgenden Vorschlag: Demnach werde im Zuge der Umbauarbeiten der kleinere, bereits auf Kunstrasen umgestellte Fußballplatz massiv redimensioniert. Viele Beschwerden aus der Vergangenheit hätten sich auf diesen Platz und die öffentliche Nutzung konzentriert, sagte Kaufmann. Deshalb soll auf diesem Platz nur noch organisierte Vereinsarbeit erfolgen. Hierzu werde der Platz eingezäunt und „am Anfang mit voller Härte“ kontrolliert. Der Szenenapplaus war Kaufmann sicher.

3 x Thermomix® TM6 zu gewinnen

TT-ePaper gratis ausprobieren, der Gratiszeitraum endet nach 4 Wochen automatisch.

Bezüglich des Flutlichtes beharrte die Stadt aber auf der Umsetzung des Vorhabens. Jedoch wurde ein Betriebskonzept (siehe Infobox) präsentiert, welches mit den Reichenauer Fußballern bereits akkordiert ist und nach Beschlussfassung im Gemeinderat auf allen Sportplätzen in Innsbruck angewandt werden soll – mit der Sportplatzordnung. Kaufmann: „Die Sportvereine werden das Flutlicht nicht regeln – das tun wir.“

Noch ist der Baubescheid nicht ausgestellt. Initiativensprecher Leo Pertl kündigte an, dass selbiger per Anwalt beeinsprucht werden könnte.


Kommentieren


Schlagworte