Renzi für Verlängerung des Flüchtlings-Hilfseinsatzes „Mare Nostrum“

Rom (APA) - Nach den Gedenkfeiern ein Jahr nach der Flüchtlingstragödie vor der italienischen Insel Lampedusa mit 368 Toten hat der italieni...

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Rom (APA) - Nach den Gedenkfeiern ein Jahr nach der Flüchtlingstragödie vor der italienischen Insel Lampedusa mit 368 Toten hat der italienische Premier Matteo Renzi versichert, dass Italien die Mittelmeer-Operation „Mare Nostrum“ (Unser Meer) fortführen wird. Der Einsatz hat im letzten Jahr 144.000 Menschen vor dem Ertrinken gerettet.

„Wir geben den Hilfseinsatz nicht auf, solange bis die EU die Mission in gleichem oder noch größerem Ausmaß übernimmt“, betonte Renzi. Es sei eine Pflicht Italiens, Menschenleben im Mittelmeer zu retten, sagte der Premier nach Angaben italienischer Medien. „Wir dürfen nicht erlauben, dass das Mittelmeer zu einem Friedhof wird. Die EU darf nicht einfach wegschauen“, mahnte Renzi.

Der italienische Innenminister Angelino Alfano lancierte einen neuen Appell, damit ganz Europa eine Lösung für die Flüchtlingsfrage finde. Er rief Brüssel auf, so rasch wie möglich eine Operation unter dem Namen „Frontex Plus“ unter dem Dach der EU-Grenzschutzagentur Frontex zu starten, die die Mission „Mare Nostrum“ ablösen soll. Die EU hat zwar „Frontex Plus“ zugestimmt, sowohl die Finanzierung als auch der Umfang der Mission sind jedoch noch unklar. Damit Frontex-Missionen zustande kommen, müssen die EU-Staaten Material und Personal stellen.

Inzwischen geht die Flüchtlingswelle in Richtung Süditalien nicht zurück. Am Samstagnachmittag wird in den Hafen von Reggio Kalabria ein Schiff der italienischen Marine mit 1.789 Menschen an Bord eintreffen, darunter 189 Minderjährige. Sie waren in den vergangenen Tagen im Mittelmeer gerettet worden Ein weiteres Schiff mit weiteren 807 Migranten aus verschiedenen Ländern trafen im Hafen von Vibo Valentia in Kalabrien ein. 500 Flüchtlinge erreichten in der Nacht auf Samstag die sizilianische Hafenstadt Pozzallo.

Ein Jahr nach der Schiffskatastrophe vor Lampedusa fanden am Donnerstag auf der Mittelmeerinsel Gedenkveranstaltungen mit Überlebenden und Hinterbliebenen statt. Zugleich kam es auch zu Protesten gegen Politiker, die sich an den Zeremonien beteiligten. Im letzten Jahr sind über 3.000 Menschen bei Seefahrten im Mittelmeer ums Leben gekommen.


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