Einstiger haitianischer Diktator „Baby Doc“ Duvalier gestorben

Port-au-Prince (APA/AFP) - Haitis früherer Diktator Jean-Claude Duvalier ist tot. Der „Baby Doc“ genannte langjährige Machthaber des Karibik...

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Port-au-Prince (APA/AFP) - Haitis früherer Diktator Jean-Claude Duvalier ist tot. Der „Baby Doc“ genannte langjährige Machthaber des Karibikstaats erlag am Samstag im Alter von 63 Jahren einer Herzattacke, wie die Regierung mitteilte. Duvalier hatte nach dem Tod seines Vaters Francois Duvalier, genannt „Papa Doc“, dessen Schreckensherrschaft fortgeführt, bis er 1986 durch einen Volksaufstand gestürzt wurde.

Er wurde nie für seine Verbrechen zur Rechenschaft gezogen. „Es ist eine Schande, dass die haitianische Justiz Baby Doc Duvalier vor seinem Tod nicht den Prozess machen konnte“, erklärte Reed Brody von der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch. „Seine Herrschaft war von systematischen Menschenrechtsverletzungen geprägt.“ Hunderte politische Gefangene seien an Misshandlung gestorben oder getötet worden. Durch seinen Tod sei Haiti nun „um den wichtigsten Menschenrechtsprozess in der Geschichte des Landes“ gebracht worden, kritisierte Brody, der viele frühere Opfer Duvaliers juristisch beraten hatte.

Haitis Präsident Michel Martelly bezeichnete Duvalier am Samstag hingegen im Kurzbotschaftendienst Twitter als „authentischen Sohn“ des Landes und sandte sein „ernsthaftes Beileid an die Familie und die Nation“. Martelly schrieb, „Liebe und Versöhnung“ müssten immer über die „internen Streitereien“ obsiegen. Laut Gesundheitsministerin Florence Guillaume Dupeval starb der 63-jährige Duvalier an einer schweren Herzattacke. Jede Hilfe sei zu spät gekommen.

Das Politikverständnis „Baby Docs“ war bestimmt durch die Regierungszeit seines Vaters, die von einer zunehmenden Eskalation der Gewalt geprägt war. Auf Bombenanschläge und Putschversuche reagierte sein Vater mit Wellen von Festnahmen und Hinrichtungen. Mit elf Jahren überlebte „Baby Doc“ selbst einen Anschlag seiner Gegner, bei dem drei seiner Leibwächter getötet wurden. Als sein Vater im Jahr 1971 starb, übernahm er mit nur 19 Jahren selbst die Macht.

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Wie sein Vater regierte Jean-Claude Duvalier den Inselstaat mit harter Hand und ließ Kritiker von der gefürchteten Geheimpolizei Tonton Macoutes verfolgen. Nach Schätzungen von Menschenrechtsaktivisten wurden während der Herrschaft der beiden Duvaliers 30.000 Menschen getötet. Viele verschwanden spurlos in den Geheimgefängnissen. Während „Baby Doc“ ein Leben in Luxus führte, versank der ohnehin arme Inselstaat weiter im Elend.

Im Jahr 1986 wurde Duvalier schließlich bei einem Volksaufstand gestürzt und ins Exil nach Frankreich gezwungen. Laut Berichten hatte er jedoch zuvor bis zu 240 Millionen Euro beiseitegeschafft, sodass er weiter ein Leben in Luxus führen konnte. Versuche von Aktivisten, ihm wegen „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ in Paris den Prozess zu machen, scheiterten. Kurz nach dem verheerenden Erdbeben, das Haiti im Jänner 2010 verwüstete, kehrte Duvalier überraschend in seine Heimat zurück.

Trotz der schwerwiegenden Vorwürfe gegen ihn wurde er nach seiner Rückkehr lediglich wegen Korruption und Veruntreuung angeklagt, doch kam er nach kurzer Zeit in Haft rasch wieder frei und das Verfahren wurde immer wieder blockiert. Opfer und Gegner von „Baby Doc“ werfen den Behörden vor, nicht alles unternommen zu haben, um ihn für Verbrechen gegen die Menschlichkeit, illegale Verhaftungen, Folter, politische Morde und Korruption zur Rechenschaft zu ziehen.

(Wochenendzusammenfassung. NEU: Weitere Angaben zur Regierungszeit Duvaliers)


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