Kohl: „Merkel konnte ja nicht richtig mit Messer und Gabel essen“

Der deutsche Ex-Kanzler Helmut Kohl fand in Interviews, die er mit seinem Ghostwriter führte, wenig schmeichelhafte Worte für seine Nachfolgerin. Der neue Band erscheint ohne die Erlaubis Kohls, der mit Schwan einen Rechtsstreit führt.

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Berlin – Der deutsche Ex-Kanzler Helmut Kohl rechnet in einem neuen Memoirenband mit seiner Nachfolgerin Angela Merkel und anderen Politikern seiner CDU ab. Kohl sagte etwa rund drei Jahre nach seiner Abwahl über die damalige Parteichefin und jetzige Bundeskanzlerin: „Frau Merkel konnte ja nicht richtig mit Messer und Gabel essen“, berichtet der „Spiegel“ am Sonntag aus dem Werk.

Laut seinen Memoiren klagte Kohl in deutlichen Worten auch über seinen früheren Arbeitsminister Norbert Blüm oder den späteren Bundespräsidenten Christian Wulff. „Das ist ein ganz großer Verräter. Gleichzeitig ist er auch eine Null“, soll Kohl über Wulff gesagt haben.

In den Interviews äußerte sich Kohl laut Spiegel auch zur friedlichen Revolution in der DDR. Nach Auffassung des Altkanzlers trug nicht in erster Linie die ostdeutsche Bürgerrechtsbewegung zum Zusammenbruch des Regimes bei - vielmehr sei dafür die wirtschaftliche Schwäche der Sowjetunion ursächlich gewesen.

Kohl will Veröffentlichung stoppen

Das Werk des Ghostwriters Heribert Schwan erscheint ohne Zustimmung Kohls. Der frühere Regierungschef geht nach einem Focus-Bericht erneut juristisch gegen Schwan vor. Wie das Magazin berichtet, beauftragte Kohl seine Anwälte, die Veröffentlichung eines neuen Schwan-Buches beim Heyne Verlag zu stoppen. Grund des Streits sei der Verdacht, Schwan habe für die Publikation jene 200 Tonbänder aus Gesprächen mit Kohl verwertet, deren Nutzung ihm nach seinem Bruch mit dem Altkanzler vom Oberlandesgericht Köln im August untersagt wurde.

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Der langjährige CDU-Vorsitzende stellt laut „Focus“ am Mittwoch persönlich die Neuausgabe seiner Erinnerungen auf der Frankfurter Buchmesse vor. Am 3. November folge dann die Präsentation seines neuen Buches „Aus Sorge um Europa - ein Appell“. (APA/dpa)


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