Die Liebe zu Gott war stärker

Max Heine-Geldern ist ausgebildeter Architekt, doch jetzt will er Priester bei den Jesuiten werden. Mit der TT spricht der 33-Jährige über seine außergewöhnliche Berufslaufbahn.

Von Markus Schramek

Innsbruck –Max Heine-Geldern. Ein junger Mann von 33 Jahren. Groß, sportlich, schlank, wache Augen, leger gekleidet in Jeans und Pulli. In einer jungen Stadt wie Innsbruck fällt der schlaksige Thirty-Something nicht weiter auf. Doch gemach! Wer von Max wissen will, was er im Leben so vorhat, wird überrascht sein. „Ich werde Priester“, sagt der gebürtige Wiener ohne Umschweife.

2008 ist er in den Jesuitenorden eingetreten. Seit dem Vorjahr leitet er das legendäre Jugendzentrum MK in der Sillgasse. Mehr als 130 Kinder und Jugendliche verbringen dort einen Teil ihrer Freizeit.

Priester? Ganz sicher kein Modeberuf. Die katholische Kirche hat viel zu wenige davon. Überschaubar ist heute die Zahl der (jungen) Männer, die sich der Arbeit im Weinberg Gottes verschreiben.

Bei Max war das anders. Schon seit der Kindheit. In seiner Familie wurde der Glaube gepflegt. „Tischgebet, Abendgebet, Messgang, das war bei uns ganz normal“, erzählt der angehende Diener des Herrn. Schon als junger Ministrant habe er den Wunsch gespürt, Priester zu werden.

Nach der Matura an einer katholischen Privatschule und einem freiwilligen Jahr beim Heer schlug der junge Mann zunächst aber eine weltliche Laufbahn ein. Er studierte Architektur, promovierte zum Diplomingenieur.

Frauen spielten im Leben des Studenten natürlich eine Rolle. „Ich hatte eine für mich sehr wichtige Beziehung und war immer wieder verliebt“, erzählt Max. Stets sei aber im Hintergrund das Gefühl dagewesen, dass seine eigentliche Berufung eine andere sei.

Es war eine Zeit der Suche, der Zerrissenheit. „Lange Zeit habe ich mit Gott wie auf einem Basar gehandelt“, erinnert sich der Jung-Jesuit und muss dabei schmunzeln. „Ich bat ihn um ein Zeichen, doch das hat nicht gefruchtet.“ Just bei einer ausgelassenen Party sei ihm dann selbst klar geworden, dass er den Weg zum Priester einschlagen will.

Gehorsam, Armut, Keuschheit. Dieses Gelübde müssen Jesuiten ablegen. Nicht gerade das, wonach sich ein Mann in den besten Jahren verzehrt. Und keine ganz leichte Vorgabe, bedeutet es doch den Verzicht auf eine Partnerschaft, auf eine eigene Familie.

„Natürlich gibt es immer wieder Versuchungen“, gesteht Max. Um den Verlockungen zu widerstehen, sucht er das Gespräch mit Gott. Und dabei wird Klartext gesprochen: „Wenn ich bete, kommt darin viel Weltliches vor. Ich versuche nicht, vor Gott den Heiligen zu spielen.“

Keuschheit bedeute aber nicht nur den Verzicht auf Sex. „Vor allem heißt es, absichtsfrei zu leben“, wie Max es formuliert. Wie das zu verstehen sei? Diese Frage wird dem Ordensbruder sicher oft gestellt, denn er vermag es perfekt zu übersetzen: „Ich versuche nicht, in den Besitz von Menschen oder Dingen zu gelangen oder diese von mir abhängig zu machen.“

12 Jahre dauert bei den Jesuiten die Ausbildung zum Priester, die Hälfte davon hat Max absolviert. Ob er danach einen bestimmten Job anstrebt? Die Antwort darauf ist ein freundliches Lächeln. So etwas kann nur ein Außenstehender zu wissen begehren: „Es geht nicht um Selbstverwirklichung. Ich gehe dorthin, wo der Orden mich einsetzt, egal, wo auf der Welt.“

Dieses Hinausgehen aus der Kirche, hin zu den Menschen, ist es, was Max an den Jesuiten so schätzt. Noch dazu, wo es seit eineinhalb Jahren auf dem Heiligen Stuhl in Rom einen großen Impulsgeber aus dem eigenen Orden gibt: Franziskus ist der erste Jesuit, der zum Papst gewählt wurde.

Für Max ist Franziskus „der Popstar unter den Päpsten, sein Charisma ist eine Inspiration“. Die Linie des gebürtigen Argentiniers unterstützt der Neo-Jesuit voll und ganz. „Franziskus ist eine verbeulte Kirche, die die Auseinandersetzung mit den Menschen nicht scheut, lieber als eine schön gepflegte Kirche, die sich nur auf sich selbst konzentriert. Wir müssen die Botschaft Gottes so leben, dass die Menschen etwas damit anfangen können.“

Sprach’s und macht sich auf in Richtung MK. Dort ist ein Mittagessen vorzubereiten. Bald schon werden hungrige Schüler auftauchen. Mit ihnen spricht Max dann über Gott und die Welt.


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