Tannheim sprengt sich frei
Sprengungen erschüttern derzeit täglich die Hänge am Vilsalpsee. Lose Felsköpfe, die beim Bergsturz im Jahr 2012 nicht mitgerissen wurden, werden zum Absturz gebracht.
Von Helmut Mittermayr
Tannheim –In die Bergstürze am Vilsalpsee kommt nach zwei Jahren wieder Bewegung – eine, die Bürgermeister Markus Eberle einmal recht sein dürfte. Seit wenigen Tagen erschüttern Sprengungen die Hänge der Blässe auf der Ostseite des Bergsees. Lose Gesteinsblöcke werden in die Tiefe gesprengt. Wagemutige Arbeiter einer Spezialfirma turnen an Seilen hängend durch die Abbruchstellen und lösen noch verbliebenes Material händisch aus dem brüchigen Fels heraus. Alles eine Vorleistung für den Bau von drei Dämmen, die den Weg am Seeufer wieder begehbar machen sollen. Zwischen sechs und acht Meter hohe Schutzwälle sollen errichtet werden. Geht alles gut, wird der Vilsalpsee ab nächstem Sommer wieder erwanderbar und die Zugänge zu Wirtschaftsbetrieben geöffnet sein.
Zwei Bergstürze an der Ost- und Südseite des Sees machten umfangreiche Wegsperren wegen der Gefahr von Folgeereignissen notwendig. Die besondere Unterschutzstellung des Natura-2000-Gebietes ließ unterschiedliche bauliche Lösungen an der Öko-Hürde scheitern. Die Bewirtschaftung zweier Hütten, der Betrieb eines E-Werks und die Bestoßung der Almen litten unter der Sperre. DAV-Vorsitzender Erwin Stolz, Sektion Landsberg, weiß, was es heißt, wenn plötzlich ein elementarer Zugang zu einer Alm unpassierbar ist. „Die Landsberger Hütte hat heuer bei den Tagesgästen ein Minus von 90 Prozent zu verkraften. Die Übernachtungen sind ein wenig besser gelaufen. Aber ein Minus von 30 Prozent muss auch hier geschluckt werden.“
BM Markus Eberle ist angesichts der laufenden Sprengungen vorsichtig optimistisch, dass der seit September 2012 verfahrene Karren flottkommen könnte. Sicher – „die Umweltbehörde muss erst endgültig den Sanktus für das Dammprojekt erteilen. Die Signale aus Innsbruck sind aber positiv. Auch BH Katharina Rumpf kämpft dafür.“ Dorfchef Eberle kann prinzipiell nicht ganz verstehen, dass im Naturschutzgesetz kein Unterschied zwischen einem Neubauprojekt, wie einem Skilift, und der Erhaltung des Bestands nach einer Naturkatastrophe gemacht wird und sich deshalb die Wiederherstellung eines Weges samt notwendigen Schutzbauten derart schwierig gestaltet.
Rund 800.000 Euro wird das Projekt inklusive Säuberung der Felshänge kosten. Eberle hofft, zwei Drittel durch Zuwendungen der öffentlichen Hand finanziert zu bekommen. Auch dafür gebe es schon Absichtserklärungen. Denn die Wegnutzergemeinschaft, bestehend aus DAV Landsberg, EW Schattwald, Agrar Traualpe und Gemeinde Tannheim, könne das Geld allein nicht aufbringen.
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