„Auftritt der Narren“ zum Start der Wiener Dorotheum-Herbstauktionen
Wien (APA) - Der Höhepunkt der diesjährigen Herbstauktionen im Wiener Dorotheum steht gleich zu Beginn an: Bei der Versteigerung der Alten M...
Wien (APA) - Der Höhepunkt der diesjährigen Herbstauktionen im Wiener Dorotheum steht gleich zu Beginn an: Bei der Versteigerung der Alten Meister am morgigen Dienstag kommt Frans Verbeecks Großformat „Der Narrenhandel (Satire auf die menschliche Torheit)“ unter den Hammer. Die obskure, vielfigurative Darstellung ist ein Hauptwerk Verbeecks und wird auf 900.000 bis 1,2 Millionen Euro geschätzt.
„Auftritt der Narren“ betitelt das Dorotheum dementsprechend auch sein Angebot der Alten Meister aus dem Norden. Frans Verbeecks (1510-1570) außergewöhnliches Gemälde lasse sich laut Katalog „ohne Vorbehalt“ neben die Werke von Größen wie Pieter Brueghel der Ältere und Hieronymus Bosch einreihen. Es zeigt eine Wiesenlandschaft, in der zwischen Schiffanlegestelle und Schenke unter Bäumen mit kleinen Männchen mit Kappen und Schellen gehandelt wird. Die Absurdität der Handelsvorgänge könne dabei nur als Allegorie zu verstehen sein. „Sie verbildlicht wohl, dass menschliche Torheit immer im Umlauf und somit unausrottbar ist“, sagt Alexander Wied dazu im Katalog. „Das Bild kann also allegorisch als Satire auf die Narrheit der Menschen verstanden werden.“
Die Brueghel-Malerfamilie findet sich dann auch mehrfach in der Auktion. Für „Hochzeitstanz im Freien“ nahm Pieter Brueghel II. das beliebte Familienthema des Dorflebens auf, ließ aber - anders als sein Vater - die Moral dabei außen vor, fügte Landschaftsteile hinzu und schuf durch die Komposition im Rundbild einen intimeren Rahmen. Das vermutlich vor 1616 in Antwerpen entstandene Tondo aus amerikanischem Privatbesitz wird ebenso wie die angebotene Holztafel „Küstenlandschaft mit Fischmarkt“ von Jan Brueghel I. sowie das „Früchestillleben in einer Landschaft“ von Abraham Brueghel auf 200.000 bis 300.000 Euro beziffert. Jan Brueghel II. ist mit „Flusslandschaft mit Anlegestelle“ (Schätzwert 150.000 bis 200.000 Euro) vertreten.
Die Alten Meister aus dem Süden werden vom Italiener Pietro Antonio Rotari angeführt, der mit zwei Frauenporträts vertreten ist. Der Graf war an den Höfen in Dresden und Wien erfolgreich, ehe er zum Hofmaler für Zarin Elisabeth in Sankt Petersburg aufstieg. Das „Bildnis einer jungen Frau mit Haube“ sowie das „Bildnis einer jungen Frau in bäuerlicher Tracht“ ist mit jeweils 80.000 bis 120.000 Euro bewertet. Von Paris Bordone findet sich eine Allegorie der Vanitas in der Auktion; von Bernardo Cavallino wird eine Allegorie der Malerei versteigert (Schätzwert jeweils 100.000 bis 150.000 Euro). Schönheit und Alter thematisiert die Bologneserin Lavinia Fontana, scheint sie doch ein- und dieselbe Frau im Verlauf der Zeit in „Bildnis einer Dame mit Magd und Hündchen“ und „Bildnis einer Dame mit Kind“ (Schätzwert jeweils 120.000 bis 180.000 Euro) porträtiert zu haben.
Italienisches dominiert auch die abschließende Auktion von Gemälden des 19. Jahrhunderts am Donnerstag. Versteigert werden etwa Arbeiten von Vincenzo Irolli („Die Kommunion“, Schätzwert 70.000 bis 90.000 Euro) oder Fausto Zonaro („Istanbul, Sarayburnu sowie Der Hafen von Galata“, 20.000 bis 30.000 Euro). Atmosphärische Italien-Ansichten waren es auch, die den Tiroler Landschaftsmaler Franz Richard Unterberger berühmt machten. Das Dorotheum offeriert sein großformatiges Ölgemälde „Castellmare Golfo di Napoli“ mit der Silhouette des Vesuvs im Hintergrund mit einem Schätzwert von 40.000 bis 60.000 Euro. Aus Österreich sind ferner u.a. Olga Wisinger-Florian mit einer stimmungsvollen Herbstlandschaft (Schätzwert 80.000 bis 120.000 Euro) sowie Emil Jakob Schindler („Aus Haslau an der Donau“, 50.000 bis 70.000 Euro) im Angebot.
Den Mittwoch dominieren „goldrichtige“ Antiquitäten. So kommt mit einem vollständigen, perfekt erhaltenen 31-teiligen Kaffee- und Tee-Porzellanservice der Wiener Kaiserlichen Manufaktur eine Rarität zur Versteigerung. Das zwischen 1788 und 1799 produzierte Service auf Goldgrund und mit handbemaltem Blumendekor hat dementsprechend einen Schätzwert von 100.000 bis 150.000 Euro. Ebenfalls offeriert werden ein in Gold gefasstes Prunkgestell eines Bibliotheksglobus aus 1871 (Schätzpreis 30.000 bis 50.000 Euro) sowie eine feuervergoldete Pariser Vase in Bronze vom Beginn des 19. Jahrhunderts (7.000 bis 9.000 Euro).
(S E R V I C E - Auktionswoche im Dorotheum, Dorotheergasse 17, 1010 Wien: Alte Meister am 21. Oktober, 17.00 Uhr; Antiquitäten am 22. Oktober, 14.00 Uhr; Juwelen am 23. Oktober, 14.00 Uhr; Gemälde des 19. Jahrhunderts am 23. Oktober, 17.00 Uhr. www.dorotheum.com)
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