Sekt-Offensive in Tirol, Steuer gefährdet 300 Jobs
Österreichs Sekthersteller schäumen: Wegen der neuen Sektsteuer sei der Verkauf eingebrochen. In Tirol sollen Wirte Sekt statt Prosecco anbieten.
Von A. Vahrner, St. Eckerieder
Innsbruck –Morgen, Mittwoch, ist „Tag des Sekts“ – heuer für die Branche nur beschränkt ein Grund zum Feiern, hat die rot-schwarze Koalition heuer mit 1. April doch die Schaumweinsteuer wieder eingeführt. Der Generaldirektor des größten österreichischen Sektherstellers Schlumberger, der Tiroler Eduard Kranebitter, ist über diese „Strafsteuer für österreichische Anbieter“ weiter erbost. Während Prosecco oder Frizzante nicht betroffen seien, wurde Sekt (der vorheriger Durchschnittspreis lag bei 3,74 Euro pro Flasche) um 90 Cent teurer. Mit dem Effekt, dass Kunden heuer die Verkäufe im Handel um 30 % eingebrochen seien, sagt Kranebitter. Statt der erhofften 40 Mio. Euro Steuereinnahmen würden es wohl nur 10 bis 12 Mio. Euro werden (auch, weil der Bund die Prosecco- und Frizzante-Verkäufe miteingerechnet habe). Das allein verschlinge wohl schon die Verwaltung für die Steuer.
Nach der Abschaffung der Sektsteuer 2005 waren die Verkäufe der österreichischen Hersteller laut Kranebitter bis 2013 um 58 Prozent angestiegen. Mit dem Aufwärtstrend sei es jetzt vorbei. Schlumberger habe 500 Vertrags-Winzer, jetzt seien durch die Steuer 300 Arbeitsplätze (100 im Unternehmen selbst und 200 bei den Winzern) in Gefahr.
In Summe haben die Österreicher im Vorjahr 26 Mio. Flaschen Sekt (davon 40 % Anteil österreichischer Hersteller, 10 % des Weins werden versektet), 12 Mio. Flaschen Prosecco und Frizzante sowie 1,8 Mio. Flaschen Champagner getrunken. Die Hälfte des Geschäfts spielt sich allein von Oktober bis nach Weihnachten und Neujahr ab.
Kranebitter wirbt unterdessen in der Tiroler Gastronomie für rotweißroten Sekt. Während es etwa für Fleisch oder Wein ein hohes Qualitäts- und Regionalitäts-Bewusstsein gebe, fehle dies beim Sekt noch vielfach. Da werde noch oft lieber billiger, namenloser Prosecco ausgeschenkt. Dieses Manko gelte es nun gemeinsam mit der Gastronomie auszumerzen.
„Das Bewusstsein zu Regionalität ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen“, sagt Peter Weigand, Obmann des Vereins Tiroler Wirtshauskultur. Das zeige sich auch bei den jährlichen Kontrollen des Vereins in den 129 Tiroler Wirtshäusern. Seit 2010 achte man deshalb besonders darauf, dass in den Tiroler Wirtshäusern österreichische Weine angeboten würden. Doch beim Schaumwein habe bislang eine Lücke auf der Getränkekarte geklafft. Diese könne man nun mit Schlumberger schließen. „Bislang haben etwa 30 Tiroler Wirtshäuser die Tiroler Wirtshausperle auf der Karte. Mittelfristig wollen wir, dass alle das Produkt anbieten“, erklärt Weigand.
Schlumberger wurde heuer zu fast 82 % von der Sastre SA mit Sitz in Lausanne in der Schweiz übernommen (die restlichen Aktionäre bekamen ein Pflichtangebot). Deren Eigentümer, der deutsch-schwedische Unternehmer Frederik Paulsen, habe groß angelegt Expansionspläne im Getränkebereich, sagt Kranebitter. Das gelte auch für Schlumberger.
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