Wirbel um Interview

Bandion-Ortner: Aussage zu Hinrichtungen falsch interpretiert

Ex-Justizministerin Claudia Bandion-Ortner schlug nach einem Interview zu Saudi-Arabien eine Welle der Empörung entgegen.
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Nach einem „profil“-Interview musste die stellvertretende Generalsekretärin des von Saudi-Arabien finanzierten König-Abdullah-Zentrums in Wien massive Kritik einstecken. Jetzt beklagt sich die Ex-Justizministerin, dass das Interview „nicht autorisiert und nicht korrekt“ gewesen wäre.

Wien - Ex-Justizministerin Claudia Bandion-Ortner fühlt sich nach ihrem „profil“-Interview missinterpretiert. In einer schriftlichen Stellungnahme des König-Abdullah-Zentrums beklagt sie sich, das Interview sei „nicht autorisiert, nicht korrekt und aus dem Kontext gerissen“.

Zudem heißt es in der Aussendung, dass Bandion-Ortner wiederholt ihre klare Ablehnung der Todesstrafe geäußert habe. Freilich ist diese ablehnende Haltung auch dem „profil“-Text zu entnehmen.

Über die schriftliche Stellungnahme hinaus wolle sie sich zu dem Thema öffentlich nicht äußern, so Bandion-Ortner auf Anfrage der APA. Die zuständige „profil“-Redakteurin war vorerst nicht erreichbar.

Empörung wegen Verharmlosung von Hinrichtungen

„profil“ hatte berichtet, dass Bandion-Ortner die Praxis der saudi-arabischen Justiz, Verurteilte an Freitagen nach dem Gebet öffentlich auszupeitschen und zu enthaupten, relativiert habe. Die Hinrichtungen würden „nicht jeden Freitag“ stattfinden, habe die Ex-Justizministerin gesagt. Diese Aussage hatte einen Proteststurm ausgelöst, Amnesty-International-Generalsekretär Heinz Patzelt sprach von einem „handfesten Menschenrechtsskandal.“

Auch ihre persönlichen Erfahrungen in Saudi-Arabien hatte sie durchgehend positiv geschildert, auch wenn als Frau dort zu leben „sicher nicht einfach“ sei. Als emanzipierte Frau „hätte ich sicher meine Schwierigkeiten dort“, aber sie sei sehr gut und nett behandelt worden, hatte Bandion-Ortner gesagt.

Wie alle Frauen in Saudi-Arabien habe sie sich mit einem weiten, schwarzen Gewand (Abaya) und einem gleichfarbigen Kopftuch verhüllen müssen. „Aber ich muss sagen: Die (Abaya, Anm.) ist praktisch. Ein angenehmes Kleidungsstück. Sie hat mich ein bisschen an den Talar erinnert.“ Sie habe an einem Damenabend gebildete hochintelligente Frauen, Managerinnen, Universitätsprofessorinnen getroffen und sei sich vorgekommen „wie in Österreich bei einer Damenrunde. Da war eigentlich kein Unterschied.“

Richter-Chef: Aussagen „schockierend“

Am Montag bezeichnete auch der Vorsitzende der österreichischen Richtervereinigung Werner Zingl die Aussagen Bandion-Ortners zu den Hinrichtungspraktiken in Saudi-Arabien als „schockierend“. Unverständnis äußerte er auch über ihre Aussagen zur verpflichtenden Verhüllung von Frauen. (tt.com, APA)