Velazquez im KHM: „Berührend, erschütternd, schön und großartig“
Wien (APA) - Kommenden Montag (27.10.) eröffnet die wohl wichtigste Ausstellung des Wiener Kulturherbsts. Die Bedeutung der „Velazquez“-Scha...
Wien (APA) - Kommenden Montag (27.10.) eröffnet die wohl wichtigste Ausstellung des Wiener Kulturherbsts. Die Bedeutung der „Velazquez“-Schau, für die sieben Gemälde aus dem Prado und Hauptwerke wie die „Rokeby Venus“ aus der National Gallery nach Wien kommen, wird durch einen hochkarätigen Gast unterstrichen: Die spanische Königin Letizia unternimmt für die Eröffnung ihren ersten offiziellen Auslandsbesuch.
Die APA besuchte die Kuratorin und Direktorin der Gemäldegalerie, Sylvia Ferino-Pagden, eine Woche vor der Eröffnung beim Auspacken von Transportkisten mit wertvollster Fracht.
APA: Frau Dr. Ferino-Pagden, was macht diese Velazquez-Ausstellung so besonders?
Sylvia Ferino-Pagden: Es ist die erste, die je angedacht wurde für Wien, das Kunsthistorische Museum und den deutschen Sprachraum ganz allgemein. Dabei hat ja Wien eigentlich numerisch die größte Anzahl von Velazquez-Gemälden außerhalb des Prado. Wir hatten einmal 14, jetzt sind es zwölf. Zwei wurden abgegeben.
APA: Wem verdankt das Kunsthistorische Museum den Umstand dieses großen Velazquez-Bestandes?
Ferino-Pagden: Den engen dynastischen Beziehungen, die im späten 15. Jahrhundert mit Maximilian I. beginnen, der seine beiden Kinder an spanische Königskinder in einer Doppel-Allianz verheiratet. Aus der Hochzeit Philipps des Schönen mit Johanna der Wahnsinnigen entstammen dann Karl V. und Ferdinand I., und damit beginnt diese fast zweihundert Jahre dauernde enge dynastische Heiratsbeziehung.
APA: Nach welchem Konzept wurden die Bestände des Kunsthistorische Museums für diese Ausstellung ergänzt?
Ferino-Pagden: Mein großes Ziel war es, über das große dynastische Porträt hinaus Velazquez in seiner Gesamt-Entfaltung zu zeigen. Das dynastische Porträt bildet weiter den zentralen Bereich, weil Velazquez ja als Hofmaler die Porträts des Königs und der königlichen Familie prägen und gestalten und damit das Image des Herrschers glaubhaft vermitteln sollte. Aber darüber hinaus hat Velazquez ja natürlich auch von früh an andere Gemälde gemalt, und darin kommt ganz besonders seine einzigartige Sicht auf die Welt der Dinge zum Ausdruck. Darum wollte ich in einer ersten Sektion seinen künstlerischen Beginn in der andalusischen Stadt Sevilla zeigen. Sevilla war damals die bedeutendste Handelsstadt der mediterranen Welt.
APA: Geht die Ausstellung auch in die andere Richtung, d.h. beschäftigt sie sich auch mit der Weiterwirkung, der Rezeption, die ja erst viel später in dem Ausmaß eingesetzt hat, wie wir sie heute kennen?
Ferino-Pagden: Gar nicht. Ich bringe überhaupt keine Rezeption des 19. und 20. Jahrhunderts. Wir haben weder Impressionisten noch Picasso noch Salvador Dali. Wir bleiben im Rahmen der Alten Meister. Das Konzept hat drei Sektionen: Das dynastische Porträt bildet die zentrale Sektion, seine Zeit in Sevilla, also die Bilder, die dazu führen, dass er überhaupt Hofmaler wird, die zweite. Und in einer letzten Sektion zeigen wir die Bilder, die er von sich aus malt, in denen seine Fantasie groß zum Ausdruck kommt. Da können wir sehen, wie modern er an die Sache herangeht, wie er sich unvorbelastet von dem großen Package der traditionellen Malerei, der Allegorie, der Anhäufung mit reichen Dingen, direkt auf den Menschen, auf die Situation, auf die Darstellung, also auf das, was er zeigen will, konzentriert. Das war für mich ein großes Anliegen. Darin kommt zum Ausdruck, dass er zu den ganz Großen gehört, die sich auf das konzentrieren, was die condition humaine eigentlich ausmacht. Das ist berührend, erschütternd, schön und großartig.
APA: Im Katalog-Vorwort schreiben Sie, dass auch die Versicherungswerte Einfluss auf die Konzeption der Ausstellung genommen haben.
Ferino-Pagden: Als erster Schock kam ein Versicherungswert über 150 Mio. Euro für ein einziges Bild, da brauche ich gar nicht mehr weiter reden. Die Staatshaftung deckt nur einen gewissen Anteil.
APA: Sie beschließen mit dieser Ausstellung ihre 25-jährige Tätigkeit an diesem Museum. Ist der Abschluss auch gleichzeitig der Höhepunkt?
Ferino-Pagden: Es war sicherlich die schwierigste Ausstellung. Velazquez kann man ja nicht so einfach machen, es bedarf erst eines Grundstocks, auf dem man aufbauen kann. Trotzdem sind wir heute in einer Zeit, in der ich ein klares wissenschaftliches Konzept wahrscheinlich gar nicht mehr durchziehen kann, weil ich bei den konkreten Fragestellungen nicht mehr damit rechnen kann, auch wirklich die dafür benötigten Werke zu bekommen. Das war eine der Frustrationen. Der noch größere Frust war der, Werke, die ich endlich zugesichert bekam, absagen zu müssen, weil sie zu teuer waren. Es ist trotzdem erhebend, jetzt zu sehen, wie sich eine Kiste nach der anderen auftut, und es kommen diese Wunderdinge heraus. Meine Freude lässt mich alle Mühen vergessen.
(Das Gespräch führte Wolfgang Huber-Lang/APA)
(S E R V I C E - „Velazquez“, Ausstellung im Kunsthistorischen Museum Wien, 28. Oktober bis 15. Februar 2015, tgl. außer Mo. 10-18 Uhr, Do. 10-21 Uhr, www.khm.at)
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