Ebola-Epidemie

Ebola in Nigeria besiegt, EU-Mission für Afrika im Gespräch

Die WHO hat den Ausbruch in Nigeria offiziell für beendet erklärt. Im Kampf gegen die Epidemie will die EU in Kürze einen Koordinator ernennen, Deutschlands Außenminister Steinmeier ist für die Schaffung von internationalen „Weißhelm“-Missionen gegen Seuchen nach Vorbild der UNO-Blauhelme.

Abuja/Freetown/Brüssel - Die Europäische Union will schon in Kürze einen Koordinator im Kampf gegen die Ebola-Epidemie ernennen. Dies teilte der französische Außenminister Laurent Fabius am Montag nach Beratungen mit seinen EU-Kollegen in Luxemburg mit. So soll der Koordinator dafür sorgen, dass alle EU-Staaten Kontrollen an den Flughäfen zur Eindämmung der Epidemie durchführen.

Fabius sagte, es herrsche unter den EU-Staaten Einigkeit über den Posten. „Der Name wird in den nächsten Tagen entschieden“, sagte er. Die Abflug- und Ankunftskontrollen seien wichtig, doch könne sich Ebola auch über Flüge mit Zwischenstopp weiter verbreiten.

Voraussichtlich werden die Staats- und Regierungschefs der EU am Donnerstag und Freitag beim EU-Gipfel in Brüssel auch über die Ebola-Krise beraten. Der britische Premier David Cameron wolle das Thema beim Gipfel besprechen, sagte die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton. Cameron hatte die internationale Gemeinschaft zu mehr Anstrengungen gegen die Epidemie aufgerufen. Bisher hat die EU rund eine halbe Milliarde Euro im Kampf gegen Ebola bereitgestellt.

Steinmeier wirbt für zivile EU-Mission

Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier hatte Montagfrüh noch für eine zivile EU-Mission im Kampf gegen Ebola geworben. „Es drohen unter dieser Epidemie ganze Strukturen und Staaten zusammenzubrechen.“

Steinmeier warnte, die Ebola-Epidemie führe zum Ausfall von Ernten, Handel und staatlichen Einnahmen. Dadurch könnten in den westafrikanischen Staaten auch medizinisches und Pflege-Personal nicht mehr bezahlt werden. „Wir waren weltweit auf diese Epidemie mit dieser Dynamik nicht vorbereitet“, sagte er.

Die EU müsse nunmehr ihre Fähigkeiten bündeln, etwa durch gemeinsame Ausbildung im Kampf gegen Ebola, gemeinsame Evakuierungen. Um auch kleinere Staaten zu unterstützen, könnte dafür eine gemeinsame Plattform geschaffen werden. Steinmeier regte auch die Schaffung von medizinischen und fachkundigen Personalreserven für solche Fälle an, eine Art von „Weißhelmen“ nach Vorbild der UNO-Blauhelme.

Die EU sehe die Notwendigkeit einer Personalreserve von Experten der EU-Staaten auf freiwilliger Basis für eine rasche und gezielte Entsendung in Gesundheitskrisen, heißt es in der Erklärung.

WHO: Ausbruch in Nigeria überwunden

Indes erklärte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) den Ebola-Ausbruch in Nigeria offiziell für beendet. „Das ist eine spektakuläre Erfolgsgeschichte, die zeigt, dass Ebola eingedämmt werden kann“, erklärte die Organisation.

Der nigerianischen Regierung und den WHO-Vertretern vor Ort sei aber bewusst, dass das westafrikanische Land weiter gefährdet sei, solange die Krankheit in anderen Ländern der Region weiter wüte. Man bleibe deswegen in Alarmbereitschaft. In Nigeria hatte es 20 Erkrankte gegeben, acht davon starben.

Ein Ebola-Ausbruch gilt nach den Richtlinien der WHO als beendet, wenn 42 Tage lang kein Fall aufgetreten ist. 42 Tage entsprechen der doppelten maximalen Inkubationszeit, also dem Zeitraum zwischen der Ansteckung und dem Auftreten von Symptomen. Bereits am Freitag hatte die Organisation Senegal für ebolafrei erklärt. Dort hatte es jedoch nur eine Infektion gegeben, die der Erkrankte überlebte.

Geheilter Brite zurück in Sierra Leone

Ein von Ebola geheilter britischer Pfleger ist am Montag zurück nach Westafrika gereist, um dort weiter Infizierte zu behandeln. Will Pooley hatte sich als Helfer in Sierra Leone mit dem Virus angesteckt.

Er wolle weiter gegen die Epidemie ankämpfen und „alles tun, was ich kann, um so viele unnötige Todesfälle wie möglich zu verhindern“, sagte der 29-Jährige, der am Sonntag in der Hauptstadt Freetown ankam. Pooley hatte sich als erster Brite während der aktuellen Epidemie infiziert und war im August zur Therapie in seine Heimat geflogen worden. Nach einer Behandlung mit dem experimentellen Medikament „ZMapp“ in einem Londoner Krankenhaus war er im September geheilt entlassen worden.

Mann von spanischer Patientin will Behörden klagen

Der Ehemann der spanischen Ebola-Patientin will die Behörden verklagen. „Ich werde vor Gericht beweisen, dass die Bewältigung der Ebola-Krise ein großes Pfuschwerk war“, kündigte der Mann in einem Video an. Die Pflegehelferin hatte sich bei der Behandlung eines Ebola-Kranken, der aus Westafrika nach Spanien ausgeflogen worden war, selbst mit dem Virus angesteckt. Die Frau hat die Infektion weitgehend überwunden. Wie die Expertenkommission der spanischen Regierung in der Nacht zum Montag bekannt gab, wurden bei der Pflegehelferin bei einem Test keine Ebola-Viren mehr festgestellt. Ein zweiter Test soll dies bestätigen.

„Ich bin sehr froh, dass meine Frau die Krankheit überwunden hat“, sagte der Ehemann nach Medienberichten vom Montag. „Ich werde meinen letzten Blutstropfen dafür hergeben, ihre Ehre und Würde zu verteidigen.“ Einzelne Politiker hatten nach dem Bekanntwerden der Infektion indirekt der 44-Jährigen eine Mitschuld gegeben.

Der Fall in Spanien war die erste Ebola-Übertragung von Mensch zu Mensch in Europa gewesen. Der Ehemann befindet sich zur Beobachtung in der Isolierstation der Madrider Carlos-III-Klinik. (APA/dpa)