Deutsche Lokführer drohen mit weiteren Streiks in Ferienzeit
Frankfurt am Main/Berlin (APA/AFP) - Nach dem Lokführerstreik am Wochenende drohen in den Herbstferien weitere Arbeitsniederlegungen bei der...
Frankfurt am Main/Berlin (APA/AFP) - Nach dem Lokführerstreik am Wochenende drohen in den Herbstferien weitere Arbeitsniederlegungen bei der Deutschen Bahn. Die Lokführergewerkschaft GDL kündigte am Montag für nächste Woche neue Streiks an, sollte die Bahn „keine echten Verhandlungen“ anbieten.
Die Deutsche Bahn lehnte Tarifverhandlungen mit der GDL über Zugbegleiter weiter ab. Dafür setzt die Bahn ihre Gespräche mit der konkurrierenden Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) fort.
Die Deutsche Bahn habe eine Woche Zeit, ein „inhaltliches Angebot“ vorzulegen, erklärte Weselsky. Während dieser Frist werde es keine Streiks geben. Seine Gewerkschaft hatte den Personenverkehr der Bahn über das Wochenende hinweg bis Montagfrüh 50 Stunden lang bestreikt. Hunderttausende Reisende mussten umplanen. Dem Konzern entstand nach eigenen Angaben ein Schaden in „zweistelliger Millionenhöhe“.
Ein Knackpunkt des Streits ist ein Machtkampf zwischen GDL und EVG. Es geht um die Frage, wer für welche Mitarbeitergruppe die Verhandlungen mit der Bahn führen darf. Ein Vertrag, der dies geregelt hatte, war Ende Juni ausgelaufen. Nun will die GDL, die bisher nur für die rund 20.000 Lokführer verhandelt hatte, das gesamte Zugpersonal vertreten. Die EVG wiederum, die zuletzt für rund 140.000 Angestellte wie Zugbegleiter und Lokrangierführer zuständig war, will auch für die Lokführer Tarifgespräche führen.
Die Bahn schließlich will konkurrierende Tarifverträge für eine Berufsgruppe vermeiden und fordert klare Zuständigkeiten. „Hier gehören drei Partner an den Tisch: Die größere Gewerkschaft EVG, die GDL und die Deutsche Bahn“, sagte Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber im Sender HR-Info. Das Problem sei nur zu dritt zu lösen.
Der Vorsitzende des Bahn-Konzernbetriebsrats, Jens Schwarz, machte Reisenden wenig Hoffnung auf ein baldiges Ende des Streits. „Derzeit sehen wir keine Lösung für den innerbetrieblichen Konflikt“, sagte er der „Rheinischen Post“ (Dienstagsausgabe). Damit sich etwas bewege, müsse „die GDL ihre starre Haltung aufgeben und zumindest ansatzweise kompromissbereit sein. Davon ist im Augenblick nichts zu sehen“, befand Schwarz. Dabei sei das Gros der Beschäftigten den Konflikt leid - dies zeigten zahlreiche Zuschriften an den Betriebsrat in den vergangenen Tagen.
Die EVG schlug am Montag vor, über einen unabhängigen Notar klären zu lassen, welche Gewerkschaft in welcher Berufsgruppe bei der Deutschen Bahn die Mehrheit vertritt. „Eine solche unabhängige Klärung der Mitgliederstärke - und damit des federführenden Verhandlungsmandats - schafft die dringend nötige Klarheit und beendet den Zahlenstreit“, erklärte EVG-Chef Alexander Kirchner. Seine Gewerkschaft sei zu einer „fairen Kooperation“ mit der GDL bereit.
Anders als nach bisherigem Stand die GDL führt die EVG nach eigenen Angaben in dieser Woche wieder Gespräche mit der Deutschen Bahn. Die Tarifverhandlungen würden am Mittwoch in Frankfurt am Main fortgesetzt, teilte die Gewerkschaft mit. Die EVG sehe „keine Notwendigkeit, zu Arbeitskämpfen aufzurufen“, so lange ein Ergebnis am Verhandlungstisch möglich scheine.
(NEU: Vorsitzender des DB-Konzernbetriebsrats sieht vorerst keine Lösung des Konflikts)
~ WEB http://www.deutschebahn.com/de/ ~ APA512 2014-10-20/20:10
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