Technik allein reicht nicht aus
Zwei von drei Wellnesshotels erfüllen laut „Relax-Guide“-Prüfern die Hygiene-Gesetze bei den Pools nicht. Tiroler Hoteliers warten aber auch mit dem saubersten Poolwasser auf.
Von Theresa Mair
Innsbruck –Ernst Rieser vom Wellnesshotel „Das Riesers“ in Pertisau ist überrascht. Der kritische Wellnesshotel-Tester „Relax-Guide“ ließ nämlich die Schwimmbecken in seinem Betrieb testen. Die Prüfer fanden erstklassige Wasserqualität vor und platzierten „Das Riesers“ genauso wie vier andere Tiroler und bundesweit zehn weitere Betrieben an die Spitze ihrer Liste der 70 Häuser mit den besten Pools. Als die TT im Hotel anruft, weiß der Hausherr noch gar nichts von seinem Erfolg. „Man muss die Hausaufgaben machen, die Schwimmbad-Technik gewissenhaft betreuen und die Qualität täglich händisch nachprüfen. Es gibt so viele Parameter, die passen müssen“, reagiert Rieser bescheiden.
Selbstverständlich ist sauberes Badewasser anscheinend aber nicht. Die Ergebnisse der Pooltests fielen ernüchternd aus. Anonyme Tester haben 615 Pools in Österreich und Deutschland untersucht. Fast zwei Drittel der Schwimmbäder in Wellnesshotels entsprechen demnach nicht den Hygienevorschriften.
„Bei jenen 84 Becken, die im Zeitraum April bis Juni 2014 getestet wurden, entsprachen 64,6 Prozent der Poolwässer nicht den Vorschriften. Werden die Toleranzen überschritten, so besteht akute Infektionsgefahr“, warnt der Wiener Herausgeber des „Relax-Guide“, Christian Werner. Die Probleme seien vielfältig: „Das Wasser war entweder zu wenig gechlort. Es war zu viel verbrauchtes Chlor vorhanden oder zu wenig frisches“, erklärt der Wellness-Experte. Auch die Frischwasserzufuhr ließe häufig zu wünschen übrig. „Eine hohe Leitfähigkeit kann zum Beispiel auf Urin im Wasser hindeuten“, schildert Werner.
Außenbecken wiesen negativere Werte auf als Hallenbäder. „Die Sonneneinstrahlung verändert die Chemie ungünstig. Außenbecken sind zudem oft stark geheizt. Dadurch vermehren sich Keime schneller. Dasselbe gilt übrigens auch für Whirlpools“, nennt Werner die Gründe. Am schlechtesten schnitten aber die Saunatauchbecken ab. „Kein einziges der 19 getesteten entsprach den Standards“, kritisiert der „Relax-Guide“-Chef.
Den Konsumenten empfiehlt er, die Sinne zu öffnen. „Wer Dreckränder und Schwarzschimmel im Becken entdeckt, sollte dies sofort an der Rezeption melden, genauso penetranten Chlorgeruch. Gäste müssen aber auch zu sauberem Wasser beitragen und sich vor dem Baden duschen.“
Doch trotz der enttäuschenden Resultate ist Werner zuversichtlich: „Es hat sich viel gebessert. 2007, als wir die ersten Pools getestet haben, gab es Grenzwertüberschreitungen bis um das Siebenfache. Das war katastrophal. Auch wenn noch immer zwei Drittel schlechter abschneiden, ist es lange nicht mehr so extrem.“
Handlungsbedarf sieht Sigi Egger, Hotellerie-Obmann bei der Tiroler Wirtschaftskammer, nicht. „Man darf den ,Relax-Guide’ nicht überbewerten. Er testet nur eine kleine Anzahl von Schwimmbecken. Außerdem verkauft er sich über Einschaltungen“, zweifelt er an der Aussagekraft der Pool-Tests. Moderne Infrastruktur und „gutes Tiroler Wasser“ gewährleisten Egger zufolge „klar und deutlich eine super-saubere Qualität“. Abgesehen davon würden die Pools einmal im Jahr von den Behörden kontrolliert. „Die Bäderkurse der Wirtschaftskammer sind regelmäßig ausgebucht“, ist laut Egger auch bei den Hoteliers das Interesse an Sauberkeit im Wellnessbereich vorhanden.
Testsieger Rieser stimmt zu: „Jeder schaut, dass alles passt. Auf die Technik alleine darf man sich nicht verlassen.“
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