Grasser-Klage - Ex-Minister wird weiter zu Stiftungskonstrukt befragt

Wien (APA) - Im Schadenersatzprozess von Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser gegen die Kanzlei Deloitte und Steuerberater Peter Haunold ist...

Wien (APA) - Im Schadenersatzprozess von Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser gegen die Kanzlei Deloitte und Steuerberater Peter Haunold ist heute Dienstag die Befragung von Grasser fortgesetzt worden. Er hat Haunold und Deloitte wegen von ihm behaupteter Falschberatung auf 2,4 Mio. Euro geklagt. Bereits gestern war Grasser rund sieben Stunden lang am Handelsgericht Wien befragt worden.

Das Medieninteresse am Verfahren war heute etwas geringer als gestern.

Der Zivilprozess wird vor dem Hintergrund eines Finanzstrafverfahrens geführt, in dem gegen Grasser ermittelt wird. Er hatte rund neun Millionen Euro aus seinem Meinl-Engagement nicht dem österreichischen Finanzamt offengelegt, wo er einkommenssteuerpflichtig war. Stattdessen hatte er die Millionen in einem internationalen Firmengeflecht in Steueroasen verbucht, das unter zwei liechtensteinischen Stiftungen errichtet worden war.

Während Grassers persönliche Einkommenssteuererklärung von der Agentur Ernst & Young gemacht wurde, war der nun Beklagte Haunold für die Errichtung der liechtensteinischen Stiftung zuständig. Diese war dem österreichischen Finanzamt zunächst unbekannt, bis sie Grasser im Jahr 2009 dem Finanzamt offenlegte.

Grasser war im Jänner 2007 aus der Regierung ausgeschieden. In Folge war er im Bereich der Meinl Bank für die börsennotierte Meinl International Power (MIP) tätig. Er galt als Aushängeschild und sollte Investoren und Anleger anlocken. Dafür erhielt er Dividenden und Vertriebsprovisionen in Millionenhöhe.

Das Finanzstrafverfahren gegen Grasser ist offen, gegen ihn wird wegen des Verdachts auf Steuerhinterziehung ermittelt. Grasser verteidigt sich, das Stiftungs- und Firmenkonstrukt sei zur Gänze von Haunold und Deloitte entwickelt worden. „Ich habe die Steuerfrage ausgelagert, ich habe auf Haunold vertraut“, betonte Grasser auch heute wieder. Sein Ziel sei „Diskretion“ gewesen, so der Ex-Finanzminister, er selber habe sich im Grunde in seinen Steuer- und Stiftungsfragen nicht ausgekannt.

Kurz nach 10:00 Uhr und unter heftiger Urgenz von Grasser-Anwalt Dieter Böhmdorfer endete die Befragung von Grasser, ihm folgte Haunold nach.

~ WEB http://www.meinlbank.com ~ APA126 2014-10-21/10:19