Web und Tech

Interaktives Relikt: Mit der Schreibmaschine in den Chatroom

Das unvergleichliche Tippgefühl einer alten Schreibmaschine verbunden mit modernster Computertechnik? Ein Student hat genau das möglich gemacht.

Von Tamara Stocker

Der harte Anschlag. Das Zurückschnellen der Taste. Der lange Hubweg. Der Klang. Wohl wahr, das Bedienen einer antiken Schreibmaschine mit ihren aus Metall gefertigten Tasten ist kaum vergleichbar mit den schlichten Computertastaturen des 21. Jahrhunderts.

In einem Zeitalter, wo nichts schnell genug gehen kann, ist wenig Platz für Arbeitsgeräte, deren Bedienung man auch spüren kann. Diesem Wandel wollte ein britischer Student Abhilfe schaffen und hat der altmodischen Schreibmaschine neues Leben eingehaucht. Joe Hounshams Projekt „Dico“ (lateinisch für sagen, sprechen) vereint nämlich zweierlei: Altes Gerät und modernes Medienzeitalter. Von außen gleicht Dico einer gewöhnlichen Schreibmaschine aus den 1930er-Jahren. Im Inneren verbirgt sich jedoch modernste Technik.

Papier als Bildschirmersatz

Das Gerät wurde mit einem Minicomputer aufgemotzt, der mit dem Internet verbunden ist und gleichzeitig die einzelnen Tasten kontrolliert. Die Funktionsweise des interaktiven Relikts ist simpel erklärt: Per Ultraschall-Sensor erkennt die Maschine, wenn sich ein potentieller Nutzer nähert. Dann wird eine zufällige Verbindung zu einem Chatroom im Internet hergestellt. Die Auswahl des Chatpartners erfolgt willkürlich, was natürlich nicht ganz ideal ist. Wurde erstmal ein schreibwilliges Gegenüber gefunden, kann das fröhliche Plaudern vor der Schreibmaschine beginnen. Dabei bewegen sich die Tasten wie durch Zauberhand: Die Antworten des Chatpartners werden via spezieller Computermechanik und zusätzlicher Sensoren direkt auf das in der Maschine eingespannte Papier gedruckt.

Chatten mit Codebuch

Eine alte Schreibmaschine in ein Werkzeug moderner Online-Interaktion zu verwandeln - für dieses Projekt wurde der Student Joe Hounshams vom IT-Unternhemen IBM mit dem „Smarter Planet Award“ ausgezeichnet. Seine Dissertation verfasste der Student zum Thema IT-Sicherheit. Mit Dico wollte er auch das Problem der Datensicherheit ins Rampenlicht rücken. Die Chat-Schreibmaschine verschlüsselt manchmal zufällig ausgewählte Nachrichten. Dann muss der Nutzer zu einem Codebuch greifen, um den Inhalt in der analogen Welt wieder zu entschlüsseln. In Sachen Ausstattung und Funktionen sei laut Hounsham noch viel Luft nach oben, er würde das Gerät gerne weiterentwickeln.