Künstler im Exil: Festival präsentiert „Stimmen aus dem Off“
Berlin/Leipzig (APA/dpa) - Wer kennt in Deutschland schon Shahin Najafi? Auch in seinem Heimatland wisse nicht jeder, wer er sei, sagt der i...
Berlin/Leipzig (APA/dpa) - Wer kennt in Deutschland schon Shahin Najafi? Auch in seinem Heimatland wisse nicht jeder, wer er sei, sagt der iranische Musiker, der 2005 nach Deutschland floh. „Aber die Jugendlichen kennen mich schon.“
Wie Najafi kamen andere Künstler aus Tunesien, Georgien, China, Kolumbien und Kuba nach Deutschland. Sie sind als Schriftsteller und Lyriker, als Dokumentarfilmer, Musiker und Fotografen unterwegs. Wahrgenommen werden sie von der deutschen Gesellschaft aber vor allem als Flüchtlinge. „Die meisten Exilkünstler arbeiten in der Community ihres Heimatlandes“, so Najafi.
„Für alle anderen bleiben sie künstlerisch Stimmen aus dem Off“, sagt Lene Albrecht. „Sie haben etwas Wichtiges zu erzählen, sind für das Publikum aber nicht sichtbar.“ Die 28-Jährige ist eine von drei Absolventen und Studenten des Literaturinstituts in Leipzig, die das ändern möchten.
In Zusammenarbeit mit der Schriftstellervereinigung PEN-Zentrum Deutschland organisiert die Gruppe das „Offstimmen“-Festival. Es soll Künstlern im deutschen Exil einen Rahmen bieten für den Austausch untereinander und die öffentliche Präsentation ihrer Arbeiten.
Die Veranstaltung startet an diesem Mittwoch (22.10.) in Leipzig, anschließend finden zwei Abende im Berliner Maxim Gorki Theater statt. Geplant sind Lesungen, Konzerte, Videovorführungen und Berichte aus dem Künstlerleben im Exil. „Wir wollen mit ihnen nicht über die Menschenrechtslage in China sprechen, sondern über ihre Arbeit“, sagt Albrecht.
Trennen lässt sich das nicht immer. Najafi hat kürzlich ein Lied mit dem Titel „Kobani“ veröffentlicht. „In dem Song geht es um die Trauer einer kurdischen Mutter, die ihren Sohn im Krieg verloren hat“, erklärt der Iraner. In seinem Blog postet er Fotos von Demonstrationen, die zur Solidarität mit der syrisch-türkischen Grenzstadt aufrufen.
2012 hatten islamische Geistliche im Iran Todes-Fatwas gegen Najafi ausgesprochen, weil sie seine Liedtexte für Gotteslästerung hielten. Zeitweise lebte der Musiker deshalb an einem geheimen Ort im Rheinland unter Polizeischutz. Von seiner Arbeit habe ihn das nicht abgehalten, sagt er. Im Gegenteil: „Die Fatwa hat mich in dem bestärkt, was ich davor gemacht habe.“
Najafi ist der einzige Künstler bei dem Festival, der nicht über das Stipendium-Programm „Writers-in-Exile“ des PEN-Zentrums nach Deutschland gekommen ist. Aus den aktuellen Konflikt-Ländern wie Syrien oder der Ukraine ist niemand dabei. In Zukunft wollen die Organisatoren aber auch Künstler einladen, die nicht von einem offiziellen Programm unterstützt werden.
„Was auch fehlt, ist jemand, der aus dem Exil wieder in sein Heimatland zurückgekehrt ist“, sagt Albrecht. „Wir standen in Kontakt zu Qassim Haddad, einem Dichter aus Bahrain.“ Haddad war als PEN-Stipendiat in Deutschland und ist inzwischen zurückgekehrt. „Wir hätten gerne eine Skype-Lesung gemacht.“ Geklappt habe das nicht - vielleicht wegen der politischen Situation in seinem Land.
Auch Najafi möchte irgendwann in sein Land zurückkehren. „Natürlich begleitet einen das Heimweh.“ Politisch sieht er allerdings wenig Anlass zur Hoffnung. Seine Songs richteten sich daher zwar vor allem noch an Iraner. Seit einigen Monaten arbeite er aber auch an deutschen Texten über deutsche Themen.
(S E R V I C E - http://offstimmen.de/ )
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