Streiter: „Wenn ich das Problem war, ist das aus dem Weg geräumt“
Michael Streiter sah seinen Rauswurf beim FC Wacker Innsbruck pragmatisch. Die Mechanismen des Fußball-Geschäfts sind dem Volderer nur zu gut bekannt.
Von Wolfgang Müller
Innsbruck – Michael Streiter ist zu lange im Fußballgeschäft, um nicht zu wissen, wann dem Trainer die Stunde schlägt. Mit Schlusspfiff gegen Hartberg war es so weit, das sah man dem Volderer an. 0:2-Heimpleite gegen den Tabellenletzten der zweitklassigen Sky Go Ersten Liga vor der Minuskulisse von knapp 1800 Fans – der FC Wacker hat das Tivoli leergespielt und befindet sich nach der siebten Saisonniederlage im freien Fall Richtung Abstiegszone. Mit einem Kader, von dem man durchaus verlangen kann, dass er um den Aufstieg mitspielt. „Wenn ich das Problem beim FC Wacker war, dann ist das somit aus dem Weg geräumt“, erklärte Streiter nach der einvernehmlichen Trennung enttäuscht.
Das Prozedere der Ablöse war kurz und bündig, nachdem die Mannschaft unmissverständlich demonstriert hatte, dass der Trend mit der vierten Pleite in Folge in den Keller führt. Streiter deponierte zudem, dem Verein nicht im Weg stehen zu wollen, ein Gespräch mit dem Vorstand bestätigte die Weichen auf Trennung. Der Vollzug folgte gestern zum Frühstück – Präsident Josef Gunsch teilte seinem Trainer telefonisch mit, dass er nicht mehr in Amt und Würden ist. Streiter verabschiedete sich vor dem Training per Handschlag von den Spielern und stand bei der Pressekonferenz Rede und Antwort. Ein starker, professioneller Abgang. So eine Vorstellung würde man sich endlich wieder einmal von den Profis am Feld wünschen. Denn Streiters Vorgaben an seine Kicker waren definitiv grundlegend andere als die Umsetzung auf dem Feld.
„Ich hätte schon noch Visionen und Ziele gehabt, aber ich war auch machtlos gegen die Spirale nach unten. Wobei mir unverständlich ist, warum wir nach der tollen Serie dermaßen einbrechen konnten“, bestätigte der ehemalige Wacker-Coach, dass ihm die Trennung zu Herzen geht: „Ich hatte bisher als Trainer bei allen Klubs Erfolg, ausgerechnet bei meinem Verein blieb er mir verwehrt. Das tut schon weh.“ Dass er nicht alles versucht hätte, kann man dem 48-Jährigen nicht vorwerfen. Vielleicht waren es der Systemänderungen und gesetzten Reize dann doch zu viele.
Vergangenheit, das Training am Vormittag leitete schon der interimistische Nachfolger Florian Klausner, der gestern den nächsten Gegner St. Pölten unter die Lupe nahm und in seiner Hauptfunktion als Sportdirektor so nebenbei einen neuen Trainer sucht. Bezüglich Kaderzusammenstellung steht der 33-Jährige natürlich ebenso in der Verantwortung wie der gefeuerte Coach.
Dass sich das Saisonziel des FC Wacker Innsbruck drastisch minimiert, demonstriert ein Blick auf die Erste-Liga-Tabelle und bestätigte gestern auch Vizepräsident Andreas Perger: „Ganz klar Klassenerhalt.“
Wackers Trainer-Chronologie - von Streiter bis Streiter
1. Michael Streiter (1. 7. 2002 bis 30. 6. 2003): Nach dem Bundesliga-Aufstieg entlassen.
2. Helmut Kraft (1. 7. 2003 bis 9. 11. 2004):
Aufstieg in die höchste Spielklasse.
3. Stanislaw Tschertschessow (9. 11. 2004 bis 30. 6. 2006):
Das Tormann-Urgestein werkte eineinhalb Jahre, wechselte dann zu Spartak Moskau.
4. František Straka (1. 7. 2006 bis 18. 4. 2007):
Exzentriker und Politiker mit einem Faible für Schlangenlederschuhe.
5. Klaus Vogler (Interimstrainer) (19. 4. 2007 bis 30. 6. 2007):
Der Ebbser lieferte nur ein Kurzgastspiel ab.
6. Lars Søndergaard (1. 7. 2007 bis 22. 10. 2007):
Der Däne war zwischenzeitlich Alleinverantwortlicher.
7. Helmut Kraft (23. 10. 2007 bis 30. 4. 2008):
Die zweite Ära Kraft war nicht von Erfolg gekrönt – Abstieg.
8. Walter Kogler (1. 7. 2008 bis 9. 10. 2012):
Unter dem Ex-FC-Tirol-Verteidiger gelang der Aufstieg, eine Negativserie beendete sein Gastspiel.
9. Werner Löberbauer (10. 10. 2012 bis 15. 10. 1012):
Die Wacker-Legende rückte als Amateure-Trainer kurz ins erste Glied vor.
10. Roland Kirchler (16. 10. 2012 bis 16. 12. 2013):
Unter ihm gelang der Klassenerhalt, dann ging die Stabilität verloren.
11. Michael Streiter 27.12. 2013 bis 21.10. 2014):
Nach dem Bundesliga-Abstieg durfte er weiterarbeiten, wurde gestern entlassen.
12. Florian Klausner (Interimstrainer):
Zwei Kurzauftritte hatte der Tiroler bereits, jetzt folgt der dritte.
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