Motor News

Fürs Gröbste ein beeindruckendes Feigenblatt

Der Cayenne S E-Hybrid ist 416 PS stark und beschleunigt in 5,9 Sekunden von null auf 100 km/h.Foto: Hersteller

Vom Feindbild zum Vorbild? Was Porsches großes SUV Cayenne als Benzin-Elektro-Hybrid in der Praxis tatsächlich kann.

Von Stefan Pabeschitz

Frankfurt –Um Porsche zu fahren mit Prius-Gewissen gibt es ab sofort eine Option mehr – neben der Limousine Panamera ist nun auch der Cayenne als Plug-in-Hybrid zu habe – Zeit, um etwas Klarheit ins intellektuelle Dickicht rund um die Alternativantriebe zu bringen.

Als Hybrid wird generell die Kombination von zwei unterschiedlichen Kraftquellen für den Antrieb des Autos bezeichnet – in der Praxis ein Verbrennungs- und ein Elektromotor plus Batteriepaket, deren Kraft wechselweise genutzt wird, entweder durch automatische Ansteuerung oder per manueller Auswahl. Strom gewinnt das System aus dem durch den Motor betriebenen Generator, in etwa einer leistungsfähigeren Lichtmaschine entsprechend.

Die Elektroeinheit unterstützt entweder den Verbrennungsmotor in dessen Leistungsspitze – etwa beim Beschleunigen – und sorgt damit für geringere Verbräuche, sie kann das Auto aber über gewisse Distanzen auch eigenständig und damit abgasfrei bewegen. Somit dürfen etwa dahingehend für den Verkehr beschränkte Zonen – wie manche Innenstädte – befahren werden.

Versorgt sich der Wagen autark, also ausschließlich durch Batterieladung im Fahrbetrieb, bleibt es namentlich meist bei „Hybrid“ ohne Zusätze. Kann er außerdem extern an der Steckdose geladen werden, haben sich die Hersteller auf den Begriff Plug-in-Hybrid geeinigt – frei übersetzt etwa Steckdosen-Hybrid. Der Vorteil dieser Variante ist eine höhere Batteriekapazität, damit mehr elektrische Leistung und eine entsprechend größere Reichweite für den abgasfreien Betrieb plus zumindest rechnerisch noch geringerem Durchschnittsverbrauch.

Diesem System hat sich, nach einem Probelauf mit dem selbstversorgenden Cayenne Hybrid von 2010, auch Porsche verschrieben. Die Elektroeinheit sitzt zwischen Motor und Getriebe, benötigt also kaum zusätzlichen Raum in der Fahrzeugarchitektur. Über eine gesonderte Kupplung greift sie in den Vortrieb ein oder klinkt sich wieder aus. Das unmerkbare Zusammenspiel aus V6-Benziner und Elektromotor, die makellose Vernetzung mit dem Allradantrieb und das reibungslose Management der beachtlichen 416 PS und 590 Newtonmeter kombinierter Systemleistung ist Porsche ausgezeichnet gelungen.

Das beste Kompliment für diesen Plug-in-Hybrid abseits seines ökologischen Mehrwerts wäre, dass er sich wie ein herkömmliches, hochmotorisiertes Auto anfühlt. Dass die abrufbare Leistung zum Porsche-Image passt, ließe die grüne Seite aber ungerührt. Die Prospektwerte von 3,4 Litern auf 100 Kilometern und 79 Gramm CO2 scheinen wortwörtlich fabelhaft und sind dem für Hybridfahrzeuge sehr entgegenkommend gestalteten Zyklus zur Verbrauchsermittlung zu verdanken. Wer im richtigen Leben nicht mehr als 100 Kilometer am Stück unterwegs ist und seinen Gasfuß leidlich zu zähmen weiß, kommt aber mit einem Verbrauch zwischen vier und fünf Litern weg, bei längeren Distanzen bleibt es bei einem Wert im Sieben-Liter-Bereich.

Auch ungehemmtere Charaktere profitieren immer noch vom Batterie-Plus: Die gemessenen 10,6 Liter wären in einem vergleichbaren Gerät ohne Hybrid illusorisch. Theoretisch können rein elektrisch 125 km/h erreicht werden, fast doppelt so viel mit Verbrennungsmotor-Einsatz, und in Kombination von beidem sind die ersten 100 km/h in 5,9 Sekunden erreicht. Die maximale Distanz im Elektromodus liegt bei 36 Kilometern. Wer diese Reserve, eben etwa für besagte Innenstadt-Zonen, aufbauen will, kann dafür im vorherigen Fahrbetrieb mittels manueller Auswahl der Ladefunktion vorsorgen. Für den größten Attraktivitätsbonus sorgt freilich die Eigenheit des nicht immer schlüssigen österreichischen Besteuerungssystems: Der Plug-in-Hybrid Cayenne ist der zweitstärkste in Porsches SUV-Riege, der NoVA-Regelung sei Dank aber mit 84.759 Euro zugleich der zweitgünstigste.