Standort Tirol

Betriebe äußern Standort-Sorgen

© Thomas Böhm / TT

Tirols Unternehmer stellen zahlreiche Forderungen an die Landesregierung und die Wirtschaftskammer. Gemeinsam sollen nun Wege aus der Krise gefunden werden.

Von Stefan Eckerieder

Innsbruck –„Wir dürfen nicht zugeschüttet werden von Normen, Regeln und Strafen“, forderte Wirtschaftskammerpräsident Jürgen Bodenseer am Mittwochabend im Rahmen des ersten Tiroler Unternehmertages. Zu viel Bürokratie behindere zudem den Handlungsspielraum der Wirtschaftstreibenden. Gerichtet waren diese Forderungen an die ebenfalls anwesende Tiroler Politspitze, angeführt von Landeshauptmann Günther Platter und den beiden Landeshauptmannstellvertretern Ingrid Felipe und Josef Geisler.

Mit dem ersten Unternehmertag versuchte die Tiroler Wirtschaftskammer (WK) ein riskantes Experiment. Die WK wollte im Rahmen der Veranstaltung von ihren Mitgliedern wissen, wo in Tirol der Schuh drückt. Was aus ihrer Sicht die Ursachen für die flaue Entwicklung der Wirtschaft sind und was passieren muss, damit Tirol als Wirtschaftsstandort erfolgreich bleibt. Die rund 500 Teilnehmer diskutierten zu den Themen in Vierergruppen. Ihre Kritik und Forderungen wurden auf einer Tafel zusammengefasst. „Die Landesregierung muss zuhören, soll mitnehmen, was auf der Tafel steht, und es umsetzen“, erklärte der Wirtschaftskammerpräsident den Zweck der Veranstaltung. Die Relevanz der Unternehmer sei bislang zu wenig sichtbar. Mit seinen Forderungen eröffnete Bodenseer die Diskussion.

„Es ist uns bewusst, dass auch wir womöglich Kritik einstecken müssen“, sagte ein Sprecher der WK im Vorfeld der Veranstaltung.

Mit Kritik sparte auch Richard Piock, langjähriger Generaldirektor und mittlerweile Aufsichtsratspräsident der Durst AG, nicht. Er plädierte ebenfalls für einen Abbau von Bürokratie. „Für die Politik ist der Unternehmer das Springpferd, das über die von ihr platzierten Hürden springen soll.“ Jedoch nahm er auch die Unternehmer in die Pflicht, mehr Verantwortung zu übernehmen und nicht bei jedem Problem Beihilfen zu fordern.

Unterschiedlich waren die Anregungen der anwesenden Unternehmerschaft. Diese gingen von mehr Zurückhaltung des Staates in Wirtschaftsangelegenheiten über Deregulierung bis zur Verankerung des Unternehmertums im Bildungswesen.

Man erwarte sich nun, dass Forderungen, die die Politik betreffen, gesammelt werden. Diese wolle man dann auch behandeln, erklärte LR Felipe. Bei dem Wunsch nach weniger Regeln müsse man sich aber erst ansehen, was sinnvoll sei. „Manche Gesetze werden auch von der Wirtschaft gefordert.“ LH Günther Platter zeigte sich ebenfalls gesprächsbereit. „Für Tirol ist ein starker Standort, eine starke Wirtschaft ganz wesentlich. Eine starke Wirtschaft bedeutet sichere Arbeitsplätze.“ Das Motto laute: „Was können wir gemeinsam besser machen?“