Eine Fälschung als Nationalerbe
Ein neues Register listet Dokumente und Sammlungen von Weltrang. 19 Eintragungen machen den Anfang, weitere sollen folgen.
Von Wolfgang Sablatnig
Wien –Der Habsburger Rudolf IV. wollte Mitte des 14. Jahrhunderts nichts dem Zufall überlassen. Um die Rechtsstellung für sein Herzogtum Österreich unter den anderen Fürstentümern des Heiligen Römischen Reiches sicherzustellen, ließ er in seiner Kanzlei das „Privilegium maius“ fälschen. Es sollte fast 100 Jahre dauern, bis ein (Habsburger-)Kaiser das Dokument auch anerkannte.
Für die Entwicklung der Habsburger-Lande war es dennoch von zentraler Bedeutung, nicht nur weil damit der Titel des „ERZherzogs“ erfunden wurde. Weitere 560 Jahre später hat die österreichische Unesco-Kommission die Handschrift daher als eine von 19 Urkunden, Sammlungen und Nachlässen in das Register des österreichischen Dokumentenerbes aufgenommen – neben Landschaftsbildern des Jakob von Alt aus dem 19. Jahrhundert, den Nachlässen des Physikers Erwin Schrödinger, des Komponisten Anton Bruckner sowie des Autors Robert Musil oder dem Staatsvertrag von 1955 und der Ratifikationsurkunde zu Österreichs EU-Beitritt. Weitere Eintragungen sollen im Zwei-Jahres-Abstand folgen.
Für die Dokumente ändert sich durch die Listung nichts, erklärt Dietrich Schüller, der Vorsitzende des zuständigen Beirats. Sie seien meist ohnehin schon gut und sicher aufbewahrt. Ziel sei vielmehr, sie in die Auslage zu stellen und später die Aufnahme in die „Memory of the World“-Liste der UNO-Kulturorganisation Unesco zu erreichen.
Freilich hoffen die Archivare auch darauf, ihrer Arbeit mehr Öffentlichkeit und damit mehr Geld zu verschaffen. Das Bewahren von Dokumenten kostet viel Geld.
Jahrhundertealte Urkunden wie das „Privilegium maius“ machen dabei weniger Probleme als moderne Bestände wie Ton-, Bild- und Filmaufnahmen. Diese müssen digitalisiert werden, um auch zugänglich zu bleiben. Tonbänder etwa werden bald nicht mehr abspielbar sein, weil dazu die Geräte fehlen; diese werden schlicht und einfach nicht mehr produziert. Und irgendwann gehen auch die Ersatzteile für die Erhaltung der noch funktionsfähigen Geräte aus.
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