Standort Tirol

Leitstelle schreibt tiefrote Zahlen: 958.000 Euro Minus

Land trennte sich von beiden Geschäftsführern der Leitstelle. Defizit ex-plodierte im Vorjahr um 909.000 €. Künftig gibt es nur noch einen Chef.

Von Peter Nindler

Innsbruck –Weder die finanzielle Bilanz der Landesleitstelle, die im Vorjahr 430.000 Anrufe für Rettungseinsätze entgegennahm, war positiv noch die Zusammenarbeit der beiden Geschäftsführer Gernot Vergeiner (Technik) und Martin Eberharter (kaufmännische Belange). Querelen, Intrigen, schlechte Mitarbeiterführung und gegenseitiges Misstrauen prägen seit Jahren die Leitstelle, das Klima war entsprechend schlecht. Nicht einmal eine Mediation führte zu nachhaltigen Verbesserungen. Gestern zog die Generalversammlung der 100-Prozent-Landestochter in der Person von LHStv. Josef Geisler (VP) einen Schlussstrich und hat die beiden Kontrahenten gekündigt.

„Alle Bemühungen, ein konstruktives Miteinander zu ermöglichen, führten nicht zum gewünschten Erfolg“, betonte Geisler. Bereits im Vorjahr wurden die Verträge von Vergeiner und Eberharter abgeändert, ihre Kündigungsfrist beträgt vier bzw. drei Monate. Geisler bemüht sich um eine einvernehmliche Lösung, „ich will keine Schmutzwäsche waschen“. Der Betriebsrat und die rund 70 Mitarbeiter wurden umgehend informiert, viele von ihnen sind froh über den Neustart. Wegen der Querelen in der Chefetage war die Stimmung in der Leitstelle nicht die beste. „Wir wollen einen Neustart für die Leitstelle. Und wir wollen, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihre verantwortungsvolle Tätigkeit gerne ausüben und sich auf ihre Arbeit konzentrieren können“, gibt Geisler die künftige Richtung vor. Mit dem erfahrenen Mitarbeiter der Abteilung Zivil- und Katastrophenschutz, Bernd Noggler, hat Geisler noch gestern einen interimistischen Geschäftsführer eingesetzt, „damit in der wichtigsten Schaltstelle des Landes Kontinuität in der Rettungskoordination gewährleistet ist.“ An fachlicher Kompetenz, so Geisler, habe es den beiden Geschäftsführern nicht gemangelt, doch die Unstimmigkeiten waren unüberbrückbar. Nach massiver Kritik an Gernot Vergeiner wurde ihm 2008 ein zweiter Geschäftsführer zur Seite gestellt. Doch das stellte sich als Fehlentscheidung heraus, künftig wird es nur noch einen Geschäftsführer geben.

Eine Herausforderung sind auch die Finanzen. Im Vorjahr rutschte die Leitstelle wieder tief ins Minus. 2012 konnte der Abgang auf 49.000 Euro gesenkt werden, 2013 schnellte er wieder auf 958.000 Euro hinauf. Rückstellungen von 500.000 Euro wegen anhängiger Verfahren sowie steigende Personalkosten und betriebliche Aufwendungen sorgten für tiefrote Zahlen. Aufgabe des neuen Geschäftsführers – das Land will die Funktion in den nächsten Tagen ausschreiben – wird eine deutliche Ergebnisverbesserung sein. Denn auch die Umsatzerlöse sind im Vorjahr leicht zurückgegangen.

Die Landesleitstelle ist ein Eckpfeiler im reformierten bodengebundenen Tiroler Rettungswesen. Mit Lienz wurde 2013 die letzte Bezirksleitstelle in die Zentrale integriert. „Mit der Neubesetzung werden wir die Leitstelle wieder in ruhigere Gewässer bringen und das bestmögliche Service für die Bevölkerung gewährleisten“, sagte Geisler abschließend.

Für die FPÖ ist die Neubesetzung nur ein erster Schritt, sie fordert die Klärung der politischen Verantwortung.