Kunst

Genug von Picasso und seinen Frauen

Nach jahrelangem Streit um Umbau und Direktorin öffnet am Samstag das Picasso-Museum in Paris wieder seine Pforten.

Von Antoine Froidefond, AFP

Paris –Pünktlich zu Pablo Picassos 133. Geburtstag ist dann doch noch alles gut geworden. Nach fünfjährigem Umbau wird am Samstag das bekannte Pariser Picasso-Museum wiedereröffnet, Frankreichs Staatschef François Hollande höchstpersönlich wird in dem rundum erneuerten Stadtpalais Hotel Sale im Szeneviertel Marais vorbeischauen, um die neu ausgestellten Werke des Genies zu bewundern.

Dabei hatte es in den vergangenen Monaten ordentlich gekracht: Der Eröffnungstermin musste mehrfach verschoben werden, die Museumsdirektorin wurde gefeuert und Picassos Sohn Claude wetterte gegen die französische Regierung. „Das gehört der Vergangenheit an, jetzt müssen wir ein neues Kapitel aufschlagen“, sagt Anne Baldassari. Die langjährige Museumsdirektorin war im Mai geschasst worden, nachdem sie monatelang mit ihren Mitarbeitern im Clinch gelegen hatte. Heftigen Zank gab es auch um den Eröffnungstermin. Die ursprünglich auf zwei Jahre angesetzten Bauarbeiten in dem Stadtpalais aus dem 17. Jahrhundert dauerten ohnehin mehr als doppelt so lange. Dann wurde die für diesen Juni anvisierte Eröffnung erst auf Ende September verschoben, schließlich auf Ende Oktober.

Das brachte Claude Picasso, einen der Söhne des 1973 verstorbenen spanischen Malers, auf die Palme. „Ich habe den Eindruck, Frankreich veräppelt mich und meinen Vater“, wetterte er im Frühjahr in einem Interview. Er sprach sich auch vehement für Baldassari aus und drohte sogar damit, aus dem Verwaltungsrat des Museums zurückzutreten, sollte jemand anderes als die langjährige Direktorin die Eröffnungsausstellung entwerfen.

Es wirkt jetzt wie eine große Geste der Versöhnung, dass tatsächlich die Ex-Museumsdirektorin für die Anbringung der Gemälde zuständig war. Auf 3600 Quadratmetern Ausstellungsfläche können im Picasso-Museum nun Bilder und Skulpturen des spanischen Jahrhundertkünstlers bewundert werden. Das sind doppelt so viele Quadratmeter wie zuvor: Auch Keller und Dachgeschoß wurden in Ausstellungsräume umgewandelt.

„Das ist ein magischer Ort, eines der schönsten Stadtpalais in Frankreich, die Räume sind außergewöhnlich und dem Werk Picassos wirklich angemessen“, schwärmt der neue Museumsdirektor Laurent Le Bon nach dem Umbau, der 52 Millionen Euro kostete und damit deutlich mehr als ursprünglich veranschlagt.

Und seine Vorgängerin Baldassari will Picassos Werk anders präsentieren als in den Museen sonst üblich: „Es reicht mit dieser mitfühlenden, ein bisschen kitschigen, sogar transusigen Vision von Picasso und seinen Frauen. Manche Kunsthistoriker sagen: eine Frau, ein Stil. Aber darum geht es nicht. Wenn Picasso seinen Stil revolutionierte, dann aus strukturellen Gründen, und nicht weil er X oder Y getroffen hat.“

Das Museum verfügt über eine der bedeutendsten Picasso-Sammlungen der Welt. Zu den mehr als 4700 Exponaten zählen knapp 300 Gemälde und mehr als 360 Skulpturen, aber auch Fotografien und Dokumente aus dem Besitz des Malers und seiner Nachfahren.