Yline-Prozess macht fast zwei Monate Pause

Wien (APA) - Der Strafprozess um die Pleite des ehemaligen Internet-Start-ups YLine am Wiener Straflandesgericht macht nach dem heutigen 29....

Wien (APA) - Der Strafprozess um die Pleite des ehemaligen Internet-Start-ups YLine am Wiener Straflandesgericht macht nach dem heutigen 29. Verhandlungstag fast zwei Monate Pause. Die nächsten Verhandlungstermine hat die Vorsitzende Richterin Marion Hohenecker heute, Donnerstag, mit 16. und 17. Dezember fixiert. Weitere Termine sind für Mitte Jänner geplant.

Unter den für Dezember geladenen Zeugen befindet sich neben einem ehemaligen IBM-Manager und YLine-Aktionär der ersten Stunde auch der Investmentbanker und Ex-BlueBull-Betreiber Mike Lielacher. Lielacher hatte damals mitgeholfen, die YLine an die Börse zu bringen.

Bis Mitte Dezember sollte auch bereits ein Teilgutachten des neu bestellten Gerichtssachverständigen Alexander Stefan vorliegen, sagte die Richterin nach dem heutigen Verhandlungstag zur APA.

Von den ursprünglich elf Angeklagten, darunter der Hauptangeklagte ehemalige YLine-Chef Werner Böhm, müssen in der Zwischenzeit nur mehr neun die Anklagebank drücken. Die Verfahren gegen zwei Angeklagte - gegen den seinerzeitigen YLine-Aufsichtsratsvorsitzenden, den steirischen Industriellen und früheren FPÖ-Stiftungsrat Ernst Hofmann sowie einem Finanzinvestor - wurden bereits ausgeschieden, in beiden Fällen aus gesundheitlichen Gründen.

Der neu bestellte Gerichtsgutachter Alexander Stefan nimmt erst seit Ende September an den Verhandlungen teil. Stefan ist bereits der dritte YLine-Sachverständige. Bereits zu Prozessbeginn Ende April war Werner Hallas an Stelle des erkrankten und ursprünglich vom Gericht vorgesehenen Sachverständigen Thomas Keppert bestellt worden. Hallas wurde von den Angeklagten und deren Anwälten aber umgehend wegen Befangenheit abgelehnt, da dieser ein Kanzleimitarbeiter von Keppert sei und an der Erstellung des massiv kritisierten Keppert-Gutachtens, auf das sich die Anklage hauptsächlich stützt, wesentlich mitgearbeitet haben soll.

YLine wurde 1998 gegründet. Im Zuge eines großen Computergeschäfts mit IBM ging das Unternehmen schließlich pleite. Die meisten Anleger standen am Ende mit leeren Händen da. Das Ermittlungsverfahren fand in den Jahren danach statt. Fast dreizehn Jahre hat es gedauert, bis die Pleite der Internetfirma dann auch vor das Strafgericht kam.

Aufgrund dieser langen Zeit können sich viele Zeugen auch nicht mehr oder nur mehr verschwommen an die damaligen Ereignisse erinnern. So war auch von den Zeugen oft die Antwort zu hören: „Keine Ahnung“, oder „Ich kann mich nicht erinnern“.

Nicht zuletzt deswegen und weil Staatsanwalt Alexander Marchart seine Anklage zum Großteil auf dem alten Gutachten aufgebaut hatte, dürfte dem neuen Gutachten für den weiteren Verlauf des Prozesses eine große Bedeutung zukommen. Ein Teilgutachten soll bis Mitte Dezember fertig sein.

Alleine der durch die Untreuhandlungen bei der YLine verursachte Schaden beläuft sich laut der Anklageschrift auf über 26 Mio. Euro. Alle Angeklagten beteuern ihre Unschuld. Der Öffentlichkeit wurde die Firma dadurch bekannt, dass das Tochterunternehmen FirstInEx die mittlerweile legendäre Homepage des damaligen Finanzministers Karl-Heinz Grasser gestaltet hatte. Einer der Anteilseigner von FirstInEx war Grassers Vater. Grasser selbst besaß nach eigenen Angaben 285 YLine-Aktien.