Nach Fund von Massengrab neue Beweise gegen Ratko Mladic zugelassen

Den Haag (APA/AFP) - Das UN-Kriegsverbrechertribunal für das ehemalige Jugoslawien lässt nach dem Fund eines weiteren Massengrabs in Bosnien...

Den Haag (APA/AFP) - Das UN-Kriegsverbrechertribunal für das ehemalige Jugoslawien lässt nach dem Fund eines weiteren Massengrabs in Bosnien neue Beweise der Anklage gegen den früheren bosnisch-serbischen Armeechef Ratko Mladic zu. Wie das Gericht in Den Haag am Donnerstag mitteilte, wurde einem entsprechenden Antrag der Staatsanwaltschaft stattgegeben.

Eigentlich hatte die Anklage ihren Beweisvortrag schon im Februar beendet. Mit Blick auf die zusätzlichen Beweise hat das UN-Gericht einer Verlängerung des Prozesses zugestimmt. Mladic werden Völkermord sowie Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Bosnienkrieg der Jahre 1992 bis 1995 zur Last gelegt. Er muss sich wegen „ethnischer Säuberungen“ in Teilen Bosniens verantworten. Insbesondere wird ihm das Massaker von Srebrenica zur Last gelegt, bei dem im Juli 1995 rund 8.000 muslimische Buben und Männer ermordet wurden. Mladic wird auch die Verantwortung für die 44-monatige Belagerung von Sarajevo zur Last gelegt. Insgesamt liegen gegen den 72-Jährigen elf Anklagepunkte vor.

Im September vergangenen Jahres wurde in einer stillgelegten Mine im Dorf Tomasica in der Region Prijedor im Nordwesten Bosniens ein Massengrab entdeckt. Bisher wurden dort 450 Leichen exhumiert, die Gesamtzahl der Toten könnte sich auf bis zu 900 belaufen. Bei den Opfern soll es sich um Muslime und Kroaten handeln, die zu Beginn des Krieges 1992 von bosnischen Serben gefoltert und getötet wurden.

Die Staatsanwaltschaft beantragte im August, die Beweise nachträglich in den Prozess mit einbringen zu dürfen. Aus ihrer Sicht belegt das Massengrab aus der Anfangszeit des Krieges, dass Mladic an dem Versuch beteiligt war, „dauerhaft Nicht-Serben aus von Serbien beanspruchten bosnischem Gebiet zu entfernen“. Im Tomasica-Fall wolle die Anklage sieben Zeugen, sechs Experten sowie Dokumente präsentieren, teilte das Gericht mit.

Mladic weist alle Vorwürfe zurück. Bei einer Verurteilung droht ihm lebenslange Haft. Der ebenfalls in Den Haag angeklagte frühere bosnische Serbenführer Radovan Karadzic wird wegen des Tomasica-Massengrabs wohl nicht mehr belangt. Ein entsprechender Antrag wurde von den Richtern in Den Haag abgelehnt, weil der Prozess gegen Karadzic schon zu weit vorangeschritten ist.

~ WEB http://www.un.org/en/ ~ APA621 2014-10-23/21:02