20 Jahre Häupl - Österreichs mächtigster Biologe gibt das Alphatier
Wien (APA) - Er ist länger im Amt, als Jungwähler auf der Welt sind: Michael Häupl hat inzwischen 20 Jahre als Wiener Bürgermeister auf dem ...
Wien (APA) - Er ist länger im Amt, als Jungwähler auf der Welt sind: Michael Häupl hat inzwischen 20 Jahre als Wiener Bürgermeister auf dem Buckel. Als solcher hat sich der studierte Biologe und bekennende Austria-Wien-Fan den Ruf eines wort- und wirkungsmächtigen SPÖ-Schwergewichts erworben. Nach einer Periode Rot-Grün will Häupl bei seiner definitiv letzten Wahl 2015 noch einmal die rote Absolute holen.
Dieses Ziel zu erreichen, scheint zumindest aus derzeitiger Sicht kaum schaffbar. Diverse Umfragen wiesen für die Rathaus-Roten zuletzt zwischen 35 und 40 Prozent aus. Nicht zuletzt der rot-grüne Regierungspakt, mit dem sich Häupl nach dem Verlust der absoluten Mehrheit 2010 dennoch eine Art Denkmal setzte, bringt die eigene Partei bezüglich Themenführerschaft und Profilschärfe ein Jahr vor der Gemeinderatswahl zusehends unter Druck.
Das Image des mittlerweile 65-jährigen Stadtchefs oszilliert zwischen gewiefter Taktiker, flotter Sprücheklopfer und zuweilen grantelnder Machtmensch. Mit Aussprüchen wie „Wahlkampf ist Zeit fokussierter Unintelligenz“ hat sich Häupl längst in die heimischen Zitate-Anthologien eingeschrieben. Er gilt als belesener Intellektueller, der sich in öffentlichen Auftritten gern leutselig gibt.
Der Bürgermeister und Landesvorsitzende der Wiener SPÖ kann aber auch ungemütlich werden. So machte er zuletzt etwa in Sachen Steuerreform Druck auf die Bundesregierung und meldete sich schärfer in der Asyldebatte zu Wort. Nachdem Wien rund 600 zusätzliche Flüchtlinge temporär aufgenommen hatte, forderte er die Länderkollegen auf, die vereinbarte Quote ebenfalls endlich zu erfüllen - denn: „Wir sind, mit Verlaub gesagt, nicht die Deppen der Nation.“ Besonders angriffslustig zeigt er sich - vor allem in (Vor-)Wahlkampfzeiten - aber gegenüber der FPÖ. Wobei sich der Bürgermeister von politischen Gegnern zuweilen vorwerfen lassen muss, während seiner Schulzeit selbst unter dem Kneipnamen „Roland“ in der schlagenden Studentenverbindung „Rugia“ aktiv gewesen zu sein.
Häupl erblickte am 14. September 1949 in Altlengbach das Licht der Welt - in einer, so heißt es, traditionell ÖVP-nahen Lehrerfamilie. Der Bub besuchte unter anderem die Schule der Benediktiner in Seitenstetten. Nach der Matura begann er in Wien das Studium der Biologie und Zoologie. Ab dem Jahr 1975 arbeitete er als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Naturhistorischen Museum und promovierte zwei Jahre später über die Schädelkinetik bei Gekkoniden, den Kleinechsen der Tropen.
Schon während des Studiums erfolgte ein politischer Richtungswechsel: Auf Burschenschaft folgte der Verband Sozialistischer Studenten (VSStÖ). Als dessen Bundesvorsitzender fungierte er von 1975 bis 1977. 1983 zog er in den Gemeinderat ein. Am 29. Jänner 1988 wechselte Häupl auf Wunsch seines politischen Ziehvaters Helmut Zilk als Umweltstadtrat in die Stadtregierung. Endgültig zu Zilks Kronprinzen auf das Amt des Bürgermeisters avancierte Häupl schließlich am 23. April 1993, als er die Nachfolge Hans Mayrs als Vorsitzender der Wiener SPÖ antrat. Die Wahl zum Stadtoberhaupt erfolgte am 7. November des Folgejahres, wobei Gemeinderatsvorsitzender Mayr den Neo-Bürgermeister damals als „Dr. Michael Haupt“ vorstellte.
Häupl musste gleich bei seinem ersten Urnengang 1996 eine herbe Niederlage einstecken. Die rote Absolute war Geschichte, es folgte eine SPÖ-ÖVP-Koalition. 2001 konnten die für die Wiener SPÖ gewohnten Verhältnisse jedoch wiederhergestellt werden, wohl auch dank des erklärten Lieblingsfeindes des Bürgermeisters - der schwarz-blauen Bundesregierung. Sie wurde zum Hauptangriffsziel im Wahlkampf.
Die Absolute konnte Häupl im Wahljahr 2005 nicht nur verteidigen, sondern sogar leicht ausbauen. Fünf Jahre später mussten die Roten mit 44,3 Prozent jedoch deutliche Stimmenverluste hinnehmen und kamen nur mehr auf 49 Mandate. Häupl, der bis dahin als bekennender Großkoalitionär galt, entschied sich diesmal dennoch für einen Regierungspakt mit den Grünen, wobei er das Koalitionsabkommen per „Man bringe den Spritzwein“ endgültig besiegelte.
Wobei der Bürgermeister auch mit so manchem Schwarzen gut kann. Geradezu legendär ist sein guter Draht zu Niederösterreichs ÖVP-Landeshauptmann Erwin Pröll, mit dem ihm eine langjährige Freundschaft verbindet.
Nicht erst mit dem Näherrücken der Wien-Wahl 2015 machen regelmäßig Gerüchte um Häupls vermeintlich bevorstehenden Rücktritt bzw. die Thronfolge im Rathaus die Runde. Der Ottakringer selbst ließ sich auf derlei Spekulationen nie ein. Er versicherte jedoch bereits, dass die kommende Gemeinderatswahl definitiv seine letzte sein werde.
Das Stadtoberhaupt ist in dritter Ehe mit Barbara Hörnlein, der ärztlichen Direktorin des Wilhelminenspitals, verheiratet. Aus seinen vorangegangenen Ehen gingen zwei Kinder hervor, wobei Sohn Bernhard als SPÖ-Jugendkoordinator seine ersten Schritte in Richtung Parteikarriere bereits gemacht hat. Häupl urlaubt bevorzugt in der Toskana und frönt dem Fußball - zumindest wenn er von der Wiener Austria gespielt wird. Nicht verwunderlich, dass der Bürgermeister auch dem Kuratorium der Violetten vorsitzt. Dem Punk ist der Politikerprofi auch nicht abgeneigt: „London Calling“ von The Clash ist sein Lieblingsalbum.
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