VVO-Präsident Geyer für Förderung bei privater Pflegeversicherung
Wien (APA) - Der Pflegebedarf in Österreich steigt und damit auch die Kosten. Private Pflegeversicherungen werden derzeit noch kaum abgeschl...
Wien (APA) - Der Pflegebedarf in Österreich steigt und damit auch die Kosten. Private Pflegeversicherungen werden derzeit noch kaum abgeschlossen. Versicherungsverbandspräsident Günter Geyer spricht sich für eine Förderung der privaten Pflegevorsorge aus, die in die prämiengeförderte Altersvorsorge eingebunden werden soll.
Die Versicherungen schlagen vor, dass ein Teil des Geldes, das für die Zukunftsvorsorge verwendet wird, auch für die Pflege eingesetzt werden kann. Die Leistung erfolgt dann anhand der Kriterien für das staatliche Pflegegeld ab Stufe drei. Für den Staat sollte es dadurch zu keinen höheren Belastungen kommen. Die Resonanz aus der Politik sei grundsätzlich positiv, sagte der Präsident des österreichischen Versicherungsverbandes (VVO) und langjährige Chef der Vienna Insurance Group (VIG) im Gespräch mit der APA.
Je früher man mit der privaten Pflegevorsorge beginne, umso besser. Rund drei Viertel der insgesamt 1,6 Millionen Zukunftsvorsorgeverträge sind von unter 40-Jährigen abgeschlossen.
Wenn eine Person im Alter von zwanzig Jahren mit einer Einzahlung von 30 Euro pro Monat beginne, könne damit die staatliche Leistung ab Stufe 3 verdoppelt werden. Anders als bei der prämiengeförderten Altersvorsorge (Zukunftsvorsorge) werden Leistungen nicht erst ab dem Alter von 40 bzw. ab Pensionseintritt bezahlt, sondern beim tatsächlichen Pflegebedarf - etwa nach einem Unfall. Leistungen können also auch schon in jüngeren Jahren bezogen werden.
Wenn nun jemand beispielsweise 700 bis 800 Euro im Jahr für die Zukunftsvorsorge einzahlt, könnten davon 300 bis 400 Euro jährlich für die Pflege verwendet werden. Rund 30 Euro pro Monat sind für Geyer auch eine vernünftige Größenordnung für eine private Pflegevorsorge.
Die staatliche Unterstützung sollte so wie im Ausmaß der Zukunftsvorsorge gewährleistet werden, aktuell sind das 4,25 Prozent. Die durchschnittliche Jahresprämie in der Zukunftsvorsorge liege bei rund 700 Euro. Wenn nun ein Teil davon für eine private Pflegeversicherung aufgewendet werde, komme es zu keinen zusätzlichen Belastungen für das Budget, so Geyer. 2013 betrug der Staatszuschuss zur Zukunftsvorsorge 41 Mio. Euro. Vorstellbar sei auch eine Senkung der Förderobergrenze, die aktuell bei rund 2.495 Euro liegt. Erleichtert würde durch eine private Vorsorge auch die Pflege zu Hause.
Aktuell sind in Österreich gerade einmal rund 60.000 Pflegeversicherungsverträge abgeschlossen. Das Bewusstsein für die Notwendigkeit der privaten Pflegevorsorge steige aber langsam, so Geyer. Er verweist auch auf die symbolische Bedeutung einer Förderung.
Derzeit beziehen in Österreich fast eine halbe Million Menschen Pflegegeld, Tendenz stark steigend. Innerhalb von 20 Jahren könnte sich laut VVO die Zahl der Pflegebedürftigen verdoppeln. Die Palette beim Pflegegeld reicht von aktuell 154,20 Euro im Monat für Stufe 1 bis 1.655,80 für Stufe 7. Im kommenden Jahr soll die Hürde für den Erhalt des Pflegegeldes, konkret die Stufen 1 und 2, angehoben, die finanzielle Leistung ab 2016 erhöht werden. Die durchschnittlichen Kosten einer Pflegestunde liegen laut VVO bei 40 Euro, die durchschnittlichen Kosten eines Pflegeheimaufenthalts bei 4.000 Euro pro Monat. Die durchschnittliche Alterspension bei Frauen beträgt aktuell rund 900 Euro im Monat und bei Männern rund 1.500 Euro. Die Kosten der öffentlichen Hand für Pflegebetreuung lägen bei 4,5 Mrd. Euro, davon 2,5 Mrd. Euro Geldleistungen.
Bei der Versicherung für Katastrophenschäden würden die Vorschläge der Versicherungswirtschaft im Landwirtschaftsministerium und im Justizministerium geprüft, so Geyer. Der VVO schlägt vor, eine Versicherung für Hochwasser, Sturmschäden & Co bei der Feuerversicherung anzudocken. Damit gäbe es im Schadensfall einen Rechtsanspruch, betont Geyer. Mit 40 bis 50 Euro im Jahr bekomme man einen umfassenden Schutz. Für ein durchschnittliches Einfamilienhaus in einer nicht stark gefährdeten Lage komme man für 2 bis 3 Euro pro Monat zusätzlich zur Feuerversicherung aus.
Die Prämiengestaltung müsste aber sehr individuell erfolgen. Bei hohen Selbstbehalten sei man für größere Schäden versichert, kleinere Schäden könnten selbst bezahlt werden, oder - je nach sozialer Lage - vom Katastrophenfonds.
Für den Risikoausgleich sei eine relativ große Gruppe von Versicherten notwendig. Solche Modelle gebe es in Europa etwa in Belgien, Frankreich, Italien und der Schweiz.
In Feinabstimmung sind die Änderungen im Rahmen des Versicherungsaufsichtsgesetzes, das Anfang 2016 in Kraft treten soll. Die Gesprächssituation sei sehr gut, so Geyer. Die VAG-Reform soll mehr Schutz für Versicherungsnehmer und zusätzliche Informationen für Verbraucher bringen. Das Gesetz wird damit auf die neuen EU-Standards gebracht - Stichwort neue Eigenkapitalregeln für Versicherungen („Solvency II“).
In Schaden/Unfall wächst die österreichische Versicherungswirtschaft bei den Prämien heuer um rund zweieinhalb Prozent. Die Schadensentwicklung sei bisher nicht so schlecht verlaufen. Die Lebensversicherung gegen laufende Prämie sei eher rückläufig. Bei den Einmalerlägen in der Lebensversicherung gebe es dagegen Zuwächse um rund 30 Prozent. Hier wirkt sich die seit März geltende Verringerung der steuerlich günstigen Mindestbindefristen für über 50-Jährige von 15 auf 10 Jahre aus. Durch das Pensionskonto sehe die Branche eine verstärkte Nachfrage nach privater Vorsorge.
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