Wörgl

Wohnungsverkauf spaltet Politik

Mehrheit im Wörgler Gemeinderat will Verkauf der Stadtwohnungen, Geldumleitung für Badl-Kauf umstritten.

Von Wolfgang Otter

Wörgl –Es geht um das Familiensilber der Stadt: Wohnhäuser in der Franz-Kranewitter-Straße (52 Wohnungen), in der Franz-Schubert-Straße (46 Wohnungen) und in der Augasse (22 Wohnungen). Für die sucht die Stadt schon geraume Zeit Käufer. Während für die Franz-Schubert-Straße und die Augasse kein interessantes Angebot eingegangen zu sein scheint, dürfte das bei den Wohnungen in der Franz-Kranewitter-Straße anders sein. Über die Höhe des Angebots und den Namen des Käufers wird noch Stillschweigen bewahrt, aber das Schätzgutachten für die dortigen Häuser lag bei rund 1,2 Millionen Euro. In dieser Höhe dürfte sich demnach auch das Angebot bewegen. Auf alle Fälle ist das Geschäft für viele Mandatare akzeptabel.

„Für die Mieter würde sich bei einem Verkauf nichts ändern“, betont Bürgermeisterin-Stv. Evelin Treichl (VP). Die Wohnungen werden bereits jetzt von einem sozialen Wohnbauträger verwaltet und der potenzielle Käufer kommt aus dem gleichen Geschäftsfeld. „Die Verträge blieben aufrecht und sogar das Vergaberecht hätte weiter die Stadt“, betont sie. Der Vorteil sei, dass keine Sanierungsarbeiten mehr bezahlt werden müssten. Auch Gemeinderat Alexander Atzl (Grüne) sieht Vorteile bei einer Veräußerung, „derzeit sind die Wohnungen für die Stadt defizitär und Substandard. Aber die Stadt hat kein Geld, um sie zu sanieren.“ Treichl verweist zudem auf einen Gemeinderatsbeschluss, laut dem die Wohnungen ausgeschrieben und bei einem entsprechenden interessanten Angebot verkauft werden sollen. Zugleich sei die Bürgermeisterin beauftragt worden, die Mieter zu informieren.

Das mit dem „defizitär“ sieht Bürgermeisterin Hedi Wechner (SPÖ) wiederum ganz anders. Man nehme nämlich in der Franz-Kranewitter-Straße jährlich 57.000 Euro ein und gebe jährlich 10.000 Euro aus. Wechner sei überdies keine Freundin vom Verkauf von städtischen Wohnungen. Daher komme von ihr ein Nein.

Ins gleiche Horn stößt Stadtrat Mario Wiechenthaler (FPÖ), für ihn werde „das Familiensilber verscherbelt, um damit eine Bauruine zu kaufen“, bringt er den zweiten Streitpunkt in dieser Frage ins Spiel: Den Ankauf des Areals Bad Eisenstein, Badl genannt, im Naherholungsgebiet. Im Gespräch ist dort ein Kaufpreis von rund 1,2 Millionen Euro für 11.000 m².

Während sich Treichl nicht ganz klar deklariert – sie spricht davon, dass man „das Geld, zum Beispiel dafür verwenden könnte“ –, ist Atzl Feuer und Flamme: „Wir verkaufen Grund und bekommen dafür Grund.“ Ähnlich argumentiert Bürgermeisterin-Stv. Andreas Taxacher (Team Wörgl). Er war ursprünglich ein Gegner des Wohnungsverkaufs, „während die Bürgermeisterin immer dafür war“, wie er betont. „Wir wollten nicht, dass das Geld irgendwie im Budget verschwindet“, mit dem Badl, erklärt Taxacher den Stimmungsumschwung, hätte man jetzt die Möglichkeit, Grund anzukaufen „und für die Wörgler etwas Sinnvolles zu machen“. „Es fehlt ein Konzept für das Badl“, ärgert sich hingegen Wiechenthaler. Und BM Wechner erinnert daran, dass, falls verkauft würde, das Geld an anderer Stelle dringender gebraucht werde. Mit gemischten Gefühlen sieht GR Emil Dander die Sache. Zum einen, weil sein Unabhängiges Forum Wörgl vor Jahren den Ankauf des Badls angeregt hatte, also er auch etwas positiv sehe, zum anderen, weil er angesichts des Kaufpreises nicht zustimmen könne. Vor Jahren habe man nämlich einen geringeren Kaufpreis abgelehnt, zeigt er die Diskrepanz auf.

Für Taxacher gibt es zudem den „traurigen“ Aspekt, dass das Thema öffentlich diskutiert wird, ohne die Mieter vorher zu informieren. Öffentlich wird das Thema vermutlich ohnedies in der nächsten Gemeinderatssitzung, wenn die Entscheidung über den Verkauf fällt. Die Befürworter haben derzeit die Mehrheit.