Clueso ist „der mit dem Groove“: Deutscher Musiker auf Österreichtour

Wien (APA) - Clueso hat „Bock“. Der deutsche Musiker, der gerade das Album „Stadtrandlichter“ veröffentlicht hat, zeigt sich kurz vor Tourst...

Wien (APA) - Clueso hat „Bock“. Der deutsche Musiker, der gerade das Album „Stadtrandlichter“ veröffentlicht hat, zeigt sich kurz vor Tourstart gut gelaunt. Schließlich habe er viel zu erzählen. Bevor es in seiner Heimat in die großen Hallen geht, steht Österreich mit drei intimeren Clubshows auf dem Programm. „Wir sind musikalisch so untervögelt, das werden sie zu spüren bekommen“, verspricht er den Fans.

Dem sympathischen Sänger blitzt bei dieser Aussage der Schalk aus den Augen. Und dennoch trifft es irgendwie zu, liegen die letzten Auftritte doch schon einige Zeit zurück. Zwar könne man bei den Gigs am Wochenende in Linz und Graz sowie kommenden Mittwoch in Wien „nicht das ganze Besteck auffahren“. Auf ein „super direktes“ Live-Erlebnis sollte man sich dennoch einstellen. „Meine Band mag es, auf kleinen Bühnen Sachen auszuprobieren.“

Erwarten darf man sich neben den neuen Stücken natürlich auch die älteren Hits. „Es wird einen rockigen Einstieg geben, aber auch ein Akustik-Set und ein Hip-Hop-Medley.“ Schließlich hat Clueso alias Thomas Hübner seine Karriere als rappender Jungspund begonnen. Doch schon seit einigen Jahren sind es eher die getragenen Melodien und Indie-tauglichen Arrangements, mit denen er zu überzeugen weiß. Vor zu viel Melancholie muss man sich allerdings nicht fürchten. „Wir haben so Lust auf Energie, es wird kein ruhiges Set werden.“

Wirklich ruhig sind die 17 neuen Stücke auf „Stadtrandlichter“ zwar auch nicht, allerdings zeigt sich Clueso nach dem leicht elektronisch angehauchten Ausflug auf „An und für sich“ (2011) nun wieder stärker dem klassischen Singer-Songwritertum verbunden. „Ich wollte die Erwartungshaltung brechen. Alle haben ja gedacht, dass es in diese Richtung weitergeht“, erläutert der Sänger. „So kann ich unterstreichen, dass ich in der chinesischen Armee von Songwritern, die es gerade gibt, der mit dem Groove bin.“

Das stellen speziell Stücke wie „Pack meine Sachen“ oder die erste Single „Freidrehen“ unter Beweis: Gitarrenlastige Popsongs mit feinen Ecken und Kanten, die aber zuallererst der Melodie verpflichtet sind. Bald entsteht daraus ein atmosphärischer Fluss, der sich mit Fortdauer des Albums zusehends verdichtet. Clueso sieht die Aufnehmen entsprechend „in einem sehr filmischen Aspekt“, was von drei Interludes zusätzlich unterstreicht wird. „Ich beanspruche diesmal den Raum anders, komme mit den ersten Stücken rein und mache Party. Erst danach werde ich ernst. Damit wollte ich die Erzählweise ändern und die Tiefe in der Mitte entstehen lassen.“

Eine gute Nachricht für Fans ist, dass Clueso eine weitere Platte eigentlich bereits eingespielt hat. Dieses titellose „Reisealbum“ entstand noch vor „Stadtrandlichter“, wurde von dem 34-Jährigen aber vorerst beiseitegelegt. „Vielleicht baue ich das fertig und veröffentliche es im kommenden Jahr.“ Eher nicht mit seiner Musik ist hingegen auf der Streamingplattform Spotify zu rechnen. „Das ist eine Firma, die ein Minusgeschäft provoziert und die Gewinne an der Börse reinholt, am Künstler vorbei“, findet er klare Worte für den Online-Dienst.

Aktuell sei etwa nur seine neue Single dort verfügbar. Grundsätzlich könne er sich vorstellen, dass sich das Unternehmen stärkerem „Gegenwind“ ausgesetzt sieht. „Ich bin ja nicht gegen Streaming, das ist sicher die Zukunft. Die CD wird keine Renaissance erleben. Aber die Art und Weise, wie Spotify das macht, ist nicht korrekt.“ Was nicht bedeute, dass er künftig nicht doch diesen Dienst in Anspruch nehmen werde, wolle er doch die Leute erreichen. „Aber ich werde Spotify sicher nicht bevorteilen.“

Für Künstler stellen derartige Fragen aus seiner Sicht einen schwierigen Balanceakt dar. „Einerseits produzieren wir unsere T-Shirts fairtrade, gleichzeitig sind wir Partner von Amazon, die ihre Mitarbeiter ausbeuten.“ Verändern könne vor allem das Publikum etwas „und vielleicht eine Art Allianz von Künstlern, die sich für die Kleinen stark machen“. Als Musiker dürfe man sich jedenfalls nicht „zum Lakaien oder Leibeigenen“ machen lassen. „Es wird sicher eine kriegerische Zeit die nächsten Jahre.“

(Das Gespräch führte Christoph Griessner/APA)

(S E R V I C E - Clueso live in Österreich: 25.10. im Posthof Linz, 26.10. im Orpheum Graz und 29.10. in der Wiener Arena; http://www.clueso.de)