Jemaine Clement: „Auf einmal waren wir ziemlich beschäftigt“
Berlin (APA) - Ein Star und doch auch Geheimtipp: Mit dem musikalischen Comedy-Duo „Flight of the Conchords“ hat sich der Neuseeländer Jemai...
Berlin (APA) - Ein Star und doch auch Geheimtipp: Mit dem musikalischen Comedy-Duo „Flight of the Conchords“ hat sich der Neuseeländer Jemaine Clement eine treue Fan-Schar erobert. Gemeinsam mit Taika Waititi, einst Oscar-nominiert für den Kurzfilm „Two Cars, One Night“, schrieb und inszenierte er nun die Komödie „5 Zimmer, Küche, Sarg“ über eine Vampir-WG in Wellington. Warum, erzählen beide im APA-Gespräch:
APA: Euer bisheriges Schaffen ist tief in der Komödie verwurzelt. Dieser Film zeugt aber auch von einer großen Liebe für das Genrekino...
Jemaine Clement: Es war neu für uns, einen Genre-Film zu machen...
Taika Waititi: ... aber wir lieben diese Form des Kinos schon lange.
Jemaine: Wir sind in den 80er Jahren aufgewachsen und mit den Fantasyfilmen dieser Zeit. Mein Onkel hat mir damals auch immer Horrorfilme gezeigt. Keine Vampirfilme allerdings, eher „Ghoulies“, „Critters“, „Gremlins“...
APA: Wie kam es dann zur Idee einer Vampir-WG in Wellington?
Taika: Es gibt derzeit unheimlich viele Vampirfilme. Wir beide mögen Vampire sehr und hatten die Idee, sie einmal anders zu zeigen - neu und möglicherweise auch langweilig. Wir wollten die langweilige Seite von Vampiren erkunden, wenn man so will.
Jemaine: Vor neun Jahren haben wir einen halbstündigen Kurzfilm gemacht, den wir damals eigentlich weiterentwickeln wollten. Doch dann kamen die ersten Auftritte mit „Flight of the Conchords“ in den USA und Taika war für den Oscar nominiert - und das zu einer Zeit, als wir eigentlich nur mit unseren Freunden in Wellington rumhängen wollten. Auf einmal waren wir aber dann ziemlich beschäftigt - für acht Jahre. (lacht) Ich wollte dann einen Vampirfilm machen und Taika hatte die Idee einer Doku über ein Thema, über das man keine Doku machen kann. Das hat gut zusammengepasst.
APA: Jede Szene im Film steckt voller Ideen, und jede Idee wird kurz darauf von einer noch absurderen Idee getoppt. Wie habt ihr die Szenen entwickelt? Und wie viel war letztendlich improvisiert?
Jemaine: Naja, wir hatten ja viel Zeit, über die Details nachzudenken. (lacht) In den vergangenen acht Jahren haben wir uns tatsächlich immer wieder Ideen und Schnipsel geschickt. Und für eine alberne Komödie haben wir auch eine Menge recherchiert, muss man sagen. Als wir den größten Teil der Story und der Struktur hatten, haben wir uns dann in ein Haus eingesperrt - ohne Internet, das war wichtig! - und hatten dort nichts, und zwar wirklich nichts anderes zu tun.
Taika: Viele Ideen kamen aber dann auch einfach vor Ort am Set dazu. Die Zeichnungen zum Beispiel (Anm.: da sich Vampire nicht im Spiegel sehen können, zeichnen sie sich vor dem Ausgehen gegenseitig) waren eine echte Last-Minute-Aktion.
Jemaine: Wir haben den Schauspielern auch nie das Drehbuch gezeigt. Wir haben ihnen nur unsere Lieblingsstellen der jeweiligen Szene erzählt und wie sie enden sollte. Das heißt, der Großteil des Dialogs war improvisiert.
APA: Bei Fake-Dokus und Neuseeland denkt man rasch an Peter Jacksons „Forgotten Silver“ über einen vermeintlich wiederentdeckten Filmschatz, der von Jackson dann auch nachgestellt wurde. War der Film eine Inspiration?
Jemaine: Ja, teilweise. Wir haben öfters darüber gesprochen, als wir uns die alten Vampirfilme angesehen haben, denen wir Reverenz erweisen wollten, und als es darum ging, wie wir das angebliche Archivmaterial nachstellen sollten. Bei „Forgotten Silver“ haben damals ja alle wirklich geglaubt, dass das echt ist.
Taika: Du hast ihn dann ja auch gefragt, wie sie das damals gemacht haben.
Jemaine: Ich habe ihn nicht wirklich gefragt. Ich habe ihn gefragt, ob es okay für ihn wäre, wenn ich ihn fragen würde, wie er das Archivmaterial nachgestellt hat. Wir wollten einfach, dass es bei uns auch so gut aussieht.
APA: Ihr beide arbeitet nun schon eine ganze Weile zusammen - von den Comedy-Zeiten als „Humourbeasts“ über die Komödie „Eagle vs. Shark“ bis hin zu dieser Vampir-Doku. Was macht die Zusammenarbeit so fruchtbar?
Taika: Ich glaube, ein Teil dessen, was diesen Job so schön macht, ist, dass man so oft mit seinen Freunden herumhängen kann und sich gegenseitig Witze erzählt. Es fühlt sich also nie wie ein Job an.
Jemaine: Wir lachen einfach unglaublich viel, wenn wir in einer Bar oder einem Cafe sitzen und uns unsere Ideen erzählen. Die eine Hälfte des Jobs ist also einfach Party, die andere Hälfte ist dann das Aufräumen nach der Party. (lacht)
APA: Apropos nach der Party: Nach dem Ende der HBO-Serie „Flight of the Conchords“ vor fünf Jahren hoffen viele Fans immer noch auf eine Folgestaffel. Ist das realistisch?
Jemaine: Eine neue Staffel nicht. Aber wir haben darüber gesprochen, dass wir wieder was tun sollten - wobei wir das immer sagen, das muss also nicht zwingend was heißen. (lacht) Aber wir werden 2015 vermutlich auf Tour gehen.
Taika: 2015, das klingt so... futuristisch.
(Das Gespräch führte Daniel Ebner/APA)
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